Als das Handwerk ins Mäckingerbachtal kam

Hagen. (ME, 15.05.10) Das Hagener Freilichtmuseum feiert in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag. Auch führende Mitglieder des Hagener Heimatbundes (HHB) – etwa der seinerzeitige Stadtarchivar Walter Holz – waren an vorderster Front daran beteiligt, dieses Museum in der Selbecke zu installieren. Das ist natürlich für den HHB ein guter Grund, in der in Kürze erscheinenden nächsten Ausgabe seiner Zeitschrift „Hagener Impuls“ an die Gründung zu erinnern. Den Text hat Anke Hufschmidt, stellvertretende Museumschefin, verfasst. Der wochenkurier darf mit Erlaubnis des Heimatbundes die ersten Abschnitte auszugsweise zitieren:

Rund 150.000 Besucherinnen und Besucher pro Jahr nutzen die Chance, bei einem Spaziergang durch das malerische Mäckingerbachtal eine ganz besondere Verbindung von Bildung und Unterhaltung zu erleben. Dabei sind die Vermittlungsangebote vielfältig. Das Besondere des LWL-Freilichtmuseums Hagen aber bilden die vielen Werkstätten, in denen qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzelne Schritte aus der handwerklichen und gewerblichen Produktion zeigen und erläutern. So werden historische Arbeitsverfahren und -techniken nachvollziehbar dargestellt – und besonders einprägsam vermittelt. Viele Besucher erinnern sich noch nach Jahren an ihre (Bildungs-)Erlebnisse im Freilichtmuseum.

Museumsreif

Die 50. Wiederkehr des Gründungsbeschlusses durch den Landschaftsverband Westfalen-Lippe bildet für das Freilichtmuseum den Anlass, auf die Jahre rund um seine Gründung zurückzublicken. In einer Sonderausstellung werden unter dem Titel „Museumsreif! Als Handwerk und Technik ins Freilichtmuseum Hagen kamen“ seit 8. Mai die Hintergründe der Museumsentstehung erläutert.

Die Ausstellung hat noch einen zweiten Schwerpunkt: Von Anfang an hat das LWL-Freilichtmuseum Hagen eine umfangreiche Sammlung von Objekten der Handwerks- und Technikgeschichte angelegt. Das Jubiläum bietet nun die Gelegenheit, fünfzig ausgewählte Objekte vorzustellen und an ihnen die unterschiedlichen Fragestellungen zu verdeutlichen, die sich mit solchen „Oldtimern“ verbinden lassen. So werden technik-, wirtschafts-, sozial- und kulturgeschichtliche Aspekte der Handwerks- und Technikgeschichte Westfalen-Lippes anschaulich greifbar.

Von der Idee zur Gründung

Das Freilichtmuseum Hagen zählt zu den ältesten technikhistorischen Museen in Deutschland. Das erste große Museum, das sich ausschließlich der Technik widmete, war das 1904 gegründete Deutsche Museum in München. Dessen Gründer, Oskar von Miller (1853-1934), regte schon früh an, in einem Freilichtmuseum komplette technische Betriebsanlagen zu zeigen. Er orientierte sich dabei an Freilichtmuseen, die im späten 19. Jahrhundert in Skandinavien entstanden waren. Diese Museen zeigten überwiegend bäuerliches Leben und Wirtschaften, in dem sie Objekte wie Möbel, Haushalts- und Arbeitsgerät nicht in Vitrinen, sondern entsprechend ihrer ursprünglichen Nutzungsweise in wiedererrichteten alten Gebäuden ausstellten.

Seit den 1920er Jahren gab es in Deutschland für die Entstehung eines Freilichtmuseums mit technischen Anlagen Impulse aus zwei Richtungen. Da waren zum einen Ingenieure, die vor dem Hintergrund des rasanten technischen Wandels die Ergebnisse ihrer Arbeit festhalten wollten. Anders die zweite Gruppe: Dabei handelt es sich um Mitglieder der Heimatschutzbewegung, die das Alte, Vergehende bewahren wollten.

Baurat Claas als Wegbereiter

In dem Interesse, Werkstätten und Gebäude mit möglichst allen technischen Anlagen zu erhalten, trafen sich die Interessen beider Gruppierungen. Diese Impulse griff der Hagener Baurat Wilhelm Claas (1885-1966) auf, der bereits um 1930 das Mäckingerbachtal bei Hagen als Standort für ein Freilichtmuseum mit technischen Kulturdenkmalen vorschlug. Das Tal war weitgehend unbebaut, der Boden aufgrund der geringen Bodenqualität günstig zu erwerben und das Gefälle des Tals bot die Möglichkeit, Wasserläufe und Wasserspeicher in großem Umfang anzulegen, mit denen die Betriebsanlagen in Gang gesetzt werden konnten.

Letztlich nahm sich der Landschaftsverband Westfalen-Lippe des Vorhabens an und gründete nach intensiven Vorarbeiten das Museum offiziell am 22. Juli 1960 – gleichzeitig mit dem Freilichtmuseum Detmold, das sich fortan der bäuerlichen Kultur Westfalen-Lippes widmete. Das Freilichtmuseum Hagen bildete einen wichtigen Bestandteil der landschaftlichen Kulturpflege des LWL. Als allererstes Bauwerk wurde recht schnell die Windmühle errichtet – als Wahrzeichen und Wegweiser.

Kunsthandwerk

Natürlich präsentiert sich das Freilichtmuseum auch in diesem Jahr wieder – jenseits des Jubiläums – mit den vielen gewohnten Ausstellungen und Aktionen, wie etwa diesem Wochenende, 15. und 16. Mai, mit einem Kunsthandwerkermarkt. 21 hochwertige Handwerker haben ihr Kommen zugesagt.

Das Freilichtmuseum Hagen zeigt bei dieser Ausstellung die modernen Trends und das Können der zeitgenössischen Kunsthandwerker. Es werden künstlerische „freie“ Objekte sowie Artikel des alltäglichen Lebens auch heute noch als Einzelstücke oder in ganz kleinen Serien handgefertigt. Das Freilichtmuseum als Landesmuseum für Handwerk und Technik möchte mit dieser Ausstellung den Brückenschlag von den historischen zu den heutigen Handwerkskünsten wagen. Die Besucher können sich die Machart und Techniken erklären lassen. Die Kunsthandwerker kommen aus dem Münsterland, Ruhrgebiet, Sauerland, Ostwestfalen, Rheinland und sogar aus Berlin. Die Kunsthandwerker stellen ihre Arbeiten im oberen Bereich des Freilichtmuseums überwiegend in den historischen Gebäuden aus.