Als der Tag nur 22 Stunden hatte

Von Antje Selter

Hagen. Durch die zahlreichen Fossilienfunde gilt der Raum Hagen seit langem als eine wichtige Fundstelle der Paläontologie (das ist die Wissenschaft von den Lebewesen der Urzeit). Einige der wichtigsten Geotope/Aufschlüsse werden im wochenkurier wöchentlich beschrieben.

Gehen Sie mit uns auf Tour!

Ambrock

Ein großer Anteil mitteldevonischer Schichten (vor 397,5-385,3 Millionen Jahren) am Nordrand des Sauerlandes und des Bergischen Landes wird von sandig-tonigen Schieferfolgen, einem früher als „Lenne-Schiefer“ bezeichneten Gesteinskomplex, gebildet. Vor allem die Brandenberg-Schichten des Unteren Mitteldevon (ca. 389 Mio. Jahre) sind reich an Pflanzenfossilien. So finden sich in diesen Schichten im Aske-Tal, an der Hasper Talsperre, im Lennetal bei Lasbeck und insbesondere im Volmetal bei Ambrock häufig Pflanzenreste. Bedeutende Fossilienfunde von frühen Landpflanzen und Panzerfischen sind im Steinbruch Ambrock gefunden worden.

Abgelagert wurden die Schichten am Südrand eines großen Nordkontinents (Old-Red-Kontinent) in Äquatornähe unter küstennahen Bedingungen. So ist auch die geborgene Fauna (Tiere) typisch für solche Ablagerungen: Spurenfossilien, Muschelkrebse (Ostrakoden), Knochen und Panzerteile von Panzerfischen sowie Schuppen von anderen Fischen.

Da der Küstenverlauf des Nordkontinents während des Mitteldevons nicht einheitlich war, bildeten sich vor allem zur Ablagerungszeit der genannten Schichten, bedingt durch unterschiedliche Wasserstände und ein Vordringen/Zurückweichen des Meeres, vor der Küste Inseln, Wattzonen, Überflutungsbereiche und Flussdeltaräume. Verbunden mit einem durch Äquatornähe gleichmäßig warmen Klima boten diese Gebiete günstige Voraussetzungen für die Entwicklung erster Landpflanzen, gewissermaßen für den Schritt der Pflanzen vom Wasser aufs Land.

Volmehang: Emst – Delstern

Etwa 250 m südlich des Straßenabzweiges „Im Eichenwald“ an der Straße „Am Berghang“ in Emst kommen bis zu 20 m mächtige geschichtete Korallen-Stromatoporen-Brachiopoden-Kalksteine vor, die als Vorläufer des Massenkalkes anzusehen sind. Stromatoporen werden heute meist den Schwämmen zugeordnet; Brachiopoden sind Armfüßer, ähneln Muscheln, ohne mit ihnen verwandt zu sein. Die ersten Riffansätze wurden immer wieder zugedeckt, bis diese letztendlich komplett überlagert wurden.

In dem devonischen Meer dieses Raumes sind günstige Lebensbedingungen für ein Korallen- und Stromatoporen-Wachstum vorhanden gewesen. Ein im Tempo des Riffwachstums sinkender Meeresboden hat die Entwicklung der maximal über 1000 m mächtigen Kalksteinfolge begünstigt.

Leben in der Devonzeit

Sie müssen sich vorstellen, liebe Leser, dass die Pflanzen- und Tierwelt in der Devonzeit eine völlig andere war als heutzutage.

Die Devonzeit ist gekennzeichnet durch die zunehmende Verbreitung der Gefäßpflanzen auf dem Festland. Erste Bärlappgewächse, Farne und Schachtelhalme (erste Samenpflanzen) besiedeln das Land. Während am Anfang des Devons die Gefäßpflanzen noch relativ kleinwüchsig sind, gibt es am Ende der Periode bereits Waldbäume bis zu 30 Meter Höhe. Das Devon stellt damit den wichtigsten Abschnitt der Erdgeschichte für die Entwicklung der Pflanzen dar.

Im Devonmeer lebten zahlreiche Lebewesen, deren Nachkommen auch heute noch anzutreffen sind: Korallen, Schwämme, Muscheln, Schnecken, See-Sterne, Tangalgen. Darüber hinaus lebten andere, die im Devon artenreich vertreten waren, heute aber nur noch in wenigen Gattungen vorkommen wie z. B. Brachiopoden (Stringocephalus burtini, Fundort: Massenkalk, z.B. Donnerkuhle; Hohenlimburger Kalkwerke). Viele Klassen und Ordnungen von Meerestieren der Devonzeit sind heute gänzlich ausgestorben, etwa Stromatoporen, Trilobiten und Panzerfische.

Wer sich für Hagens Geologie interessiert, sollte sich den Sonntag, 8. Mai, vormerken. Mit Unterstützung der Hohenlimburger Kalkwerke GmbH geht es an der Oeger Straße auf eine spannenden Zeitreise 380 Millionen Jahre in die Vergangenheit.(Foto: Geotouring)

Heute vorherrschende Lebensformen des Festlandes wie Blütenpflanzen, Insekten, Vögel und Säugetiere existierten noch nicht. Abgesehen von einigen Küstenstreifen und Binnenseebereichen waren die Kontinente ohne jegliches Leben. Dennoch vollzog sich auf und am Rande dieser Kontinente ein wichtiger Schritt der Evolution: Pflanzen, Gliedertiere und Wirbeltiere eroberten das Festland.

Übrigens dauerte ein Tag im Devon etwa 22 Stunden und ein Jahr hatte somit 396 Tage. Dieses hat man an fossilen Wachstumsringen von Korallen feststellen können. Es ist ein Indiz, dass die Geschwindigkeit der Erdrotation in geologischer Vergangenheit höher war als in der Gegenwart.

Exkursion

Noch ein Hinweis: Eine interessante Exkursion in den Steinbruch der Hohenlimburger Kalkwerke GmbH bietet das Hagener Museum für Ur- und Frühgeschichte (Wasserschloss Werdringen) in Kooperation mit Geotouring am Sonntag, 8. Mai 2011, an. Mit Unterstützung der Hohenlimburger Kalkwerke GmbH geht es auf eine spannenden Zeitreise 380 Millionen Jahre in die Vergangenheit.

Das Programm beginnt um 11 Uhr vor der Verwaltung der Hohenlimburger Kalkwerk, Oeger Straße 39, mit einer kurzen Einführung über die Entstehung von Massenkalk. Anschließenden geht es zu Fuß hoch in den Steinbruch. Dort besteht die Gelegenheit, selbst auf die Jagd nach fossilen Schätzen und Mineralien zu gehen. Die Veranstaltung endet gegen 15 Uhr. Die etwa vierstündige Exkursion ist für Erwachsene und Jugendliche ab zwölf Jahren geeignet und kostet 12 Euro pro Person. Festes Schuhwerk ist für das Betreten des Steinbruchs unbedingt erforderlich. Außerdem sollte an Hammer und Lupe sowie Taschen oder Beutel für die Fossiliensuche sowie an Verpflegung und passende Kleidung gedacht werden.

Eine Anmeldung für die Exkursion ist zwingend erforderlich und wird beim Historischen Centrum Hagen unter Telefon 0 23 31 / 2 07-27 40 entgegengenommen.