Alt-Ford-Freunde: Mit Buckel und Badewanne

 

Hagen. (tau/Red.) Chromblitzende Leidenschaft zwischen „Badewanne“ und „Weltkugel“: Wer sich intensiv mit historischen Ford-Fahrzeugen befasst, der kommt an den Alt-Ford-Freunden nicht vorbei. Seit mittlerweile 35 Jahren besteht Deutschlands größter Ford-Oldtimerverein, zählt weit über 500 Mitglieder mit rund 1000 Fahrzeugen, ist zu Gast bei zahlreichen Ausstellungen und Messen. Und – wen wundert‘s – gilt mittlerweile als kompetenter Ansprechpartner für historisches Kulturgut der Marke Ford; über die Jahre ist er sogar zu einem wichtigen Partner der Ford-Werke GmbH geworden: Beim 34. Jahrestreffen in Köln fuhren 120 Oldtimer auf dem Werksgelände ein und definierten hierdurch einen neuen historischen Moment – dabei auch Fahrzeuge aus Hagen und Umgebung.

Hagener Ford-„Oldies“

Denn in Hagen gibt es einen sehr aktiven Regionalstammtisch, der in diesem Jahr immerhin sein 10-jähriges Bestehen feiert! Vielen sind die heimischen Alt-Ford-Freunde (AFF) bestens bekannt, unter anderen weil sie sich beim Autosalon der vergangenen zwei Jahre bereits mit vielen schönen Fahrzeugen in der City präsentiert haben. Offene Hauben mit Blick auf die Technik von gestern, das ließ die vielen Besucherherzen höher schlagen – gezielt wurde der AFF-Stand ins Visier genommen!

Neben Fachgesprächen gehören auch Ausfahrten zum Programm der Hagener Alt-Ford-Freunde. Ein nostalgischer Anblick! (Foto: Wolfgang Vogel)

Rückblick

Am 5. April 2002 fand das Gründungstreffen der Hagener AFF statt. Im selben Jahr eröffneten sie in ihren historischen Gefährten am 23. August mit dem damaligen Oberbürgermeister Wilfried Horn das erste Teilstück des Boeler Rings; im Jahr 2009 waren sie bei der Jungfernfahrt über das zweite Teilstück zwischen Dortmunder und Schwerter Straße ebenfalls mit dabei.

Mittlerweile ist die durchschnittliche Besucherzahl der AFF Hagen kontinuierlich auf rund 30 Personen angestiegen. „Dabei hat sich die Konstellation aus jüngeren und älteren Mitgliedern nahezu als perfekt herausgestellt. Viel Fachwissen ginge sonst verloren. Die jüngeren bringen dafür mehr Kreativität mit in den Verein,“ freut sich Stefan Beermann, der den Hagener Stammtisch leitet und als Pressesprecher des AFF-Gesamtvereins fungiert.

Austausch und Ausfahrten

Die steigenden Besucherzahlen beim Hagener Regionalstammtisch bestätigen, dass das Konzept mit regelmäßigen Treffen und vielen Aktivitäten aufgeht. Neben Fachgesprächen in gemeinsamer Runde werden Ausfahrten und sogar ein Winterprogramm angeboten. Bei so einer Ausfahrt können durchaus schon mal 30 Ford-Oldies zusammen kommen – ein herrlich nostalgischer und malerischer Anblick für alle Zuschauer am Wegesrand!

Egal ob Tin Lizzy, Buckel, Weltkugel, Badewanne, Capri oder Knudsen – um nur einige (Spitz-)Namen zu nennen, die AFF haben nahezu alles vom Urfahrzeug bis heute im Verein. Vorkriegsmodelle mit ihren geschwungenen Karosserien, die mit viel Chrom verzierten „Schlitten“ der Wirtschaftswunderzeit, Sportlimousinen, Fahrzeuge der 60er und 70er Jahre – aber auch die Youngtimer der AFF sind wahre Hingucker. Viele dieser Ford-„Schätzchen“ sind derzeit eingemottet, doch sobald die ersten warmen Sonnenstrahlen im Frühjahr es zulassen, werden die Besitzer nervös und müssen bald mit ihren Schätzen wieder raus auf Hagens Straßen.

Zum 10-jährigen Bestehen wollen die Hagener Alt-Ford-Freunde ihre Präsentation auf dem Autosalon noch vergrößern. „Wir freuen uns schon auf viele Besucher!“ erklärt Regionalstammtisch-Leiter Stefan Beermann (re.). (Foto: AFF)

Eifel Roadster

Unter den Vereins-Fahrzeugen ist auch ein Ford Eifel Roadster. Seine Erstzulassung hatte das Fahrzeug am 1. Juli 1938. Mit einen Hubraum von 1172 Kubikzentimetern zeigt es eine Leistung von 34 PS mit einer Höchstgeschwindigkeit von 95 Stundenkilometern und einem Kraftstoffverbrauch von rund 10 Litern. Es hat eine Karmann-Karosserie-zwei-Farben-Lackierung ab Werk, dies war damals nur bei Roadster-Modellen möglich. Für den passenden Sound im Innern sorgt ein 50 Jahre altes „Blaupunkt Frankfurt“-Röhrengerät mit Zerhacker.

Wiedergefunden wurde der Eifel Roadster im Jahr 1974 bei Abbrucharbeiten zwecks Verlegung einer Tankstelle an der B7 in Richtung Hohenlimburg in einem Anbau. Er befand sich in einem erbärmlichen Zustand. Mehrfach wechselte in den darauffolgenden Jahren das Fahrzeug innerhalb der Familie, und nach der Grundsanierung verfiel das Auto erneut in einen zehnjährigen Dornröschenschlaf.

Nachdem der Besitzer viel Zeit und Arbeit in dieses Fahrzeug investiert hatte, konnte der Ford im Jahr 2003 die Hürden der Straßenverkehrszulassungsverordnung meistern und bei vielen Veranstaltungen der Alt-Ford-Freunde teilnehmen. Eine adäquate Ersatzteilversorgung für dieses Fahrzeug besteht seitens Ford nicht mehr, doch die Alt-Ford-Freunde e.V. unterstützen sich gegenseitig. Man bekommt immer Hilfe oder gar die herbeigesehnten Ersatzteile – bisher haben die AFF jedes Gefährt wieder auf die Straße bekommen!

Problem Umweltzone

Ein großes Problem bereiten die wachsenden Umweltzonen für viele Besitzer älterer Fahrzeuge. Wenn das Vehikel keine Oldtimerzulassung aufweist, dürfen sie nicht in die ausgewiesenen Umweltzonen einfahren. Oft betroffen sind Youngtimer, wenn diese noch keine 30 Jahre alt sind und die geforderten Umweltnormen nicht erfüllen. Aber auch für Fahrzeuge mit Saisonkennzeichen gelten Fahrverbote in solchen Zonen, dabei produzieren diese historischen Fahrzeuge mit Ottomotor keinerlei Feinstaub.

„Trotz Umweltzone in Hagen bleiben wir aber unser Stadt treu!“ versichert Stefan Beermann. „Wir würden uns gerne auch in diesem Jahr im Rahmen des 10-jährigen Jubiläums der AFF Hagen den Bürgern unserer Stadt mit unseren Fahrzeugen präsentieren, und es sieht nach ersten Gesprächen schon ganz gut aus. Wir werden versuchen, unsere Ausstellung beim Autosalon in diesem Jahr auf den Platz gegenüber dem Stadttheater auszudehnen. So könnten wir noch einige historische Fahrzeuge mehr positionieren. Sicher ist jedenfalls: wir werden im September wieder mit vielen Ford-Oldtimern vor Ort sein, so manches Highlight dabei haben und freuen uns schon auf viele Besucher!“

Hautnah können Interessierte und Fans die historischen und liebevoll gepflegten „Schätzchen“ der Alt-Ford-Freunde beim Hagener Autosalon bewundern. (Foto: AFF)

Anekdote

„Manchmal passieren auch ganz lustige Geschichten am Rande einer solchen Ausstellung“, schmunzelt Stefan Beermann. So erzählte ein Ehepaar beim Autosalon 2011, dass sie einmal einen weißen G13 AL mit rot gestrichenen Dach besessen hatten. Bei genauer Recherche stellte sich dann heraus, dass eines der ausgestellten Fahrzeuge – ein Taunus 12 m aus dem Jahr 1962 – genauso ausgesehen hatte. Und es waren tatsächlich die letzten Besitzer des alten Fords, die an diesem Tage wieder vor diesem Auto standen!

Auch zu anderen Oldtimervereinen pflegen die AFF ein sehr gutes Verhältnis. Bei alten Fahrzeugen gibt es keine Konkurrenten, denn sie sind alle mit viel Aufwand über die Jahre erhalten worden.

„Mit den damaligen Ford-Treffen am Höing oder an der Fernuniversität haben die AFF jedoch nichts zu tun!“ betont Stefan Beermann.

Treffpunkt

Seit Januar 2009 sind die Ford-Freunde an jedem ersten Freitag im Monat um 19.30 Uhr im Haus Jägerruh, Schwerter Straße, anzutreffen. Wer sich für die Oldtimer interessiert, ist herzlich eingeladen.

Alle Informationen rund um den Verein, zu den Fahrzeugen oder zum Regionalstammtisch Hagen findet man auch auf der mehrfach von Ford mit dem FanAward ausgezeichneten Homepage www.alt-ford-freunde.de.

Und noch was…

Die Alt-Ford-Freunde präsentieren sich vom bis 21. bis 25. März 2012 im Rahmen der Techno-Classica – der Weltmesse für Oldtimer, Classic-, Prestige-Automobile, Motorsport, Motorräder, Ersatzteile und Restaurierung – in Essen. Wer ein Oldtimerfan ist und die AFF dort besuchen möchte, der findet den Verein in Halle 3 auf dem großen Ford-Club-Stand.