Altem Gestein auf der Spur

agen. (ME, 19.05.10) Alle Welt redet von der Kulturhauptstadt. Auch die Geologen reden mit. Schließlich verdankt das Ruhrgebiet sein rasantes Wachstum zur europäischen Metropole im 19. und 20. Jahrhundert dem Steinkohlenbergbau und der Stahlproduktion und damit letztlich den hier anstehenden Bodenschätzen. Also den Rohstoffen, wozu beispielsweise auch „an vorderster Front“ das in Hagen abgebaute Dolomit gehört(e), das ein Garant für hochwertigen Thomasstahl war.

In kaum einer Region in Europa sind deshalb die Zusammenhänge zwischen den natürlichen, geologisch gegebenen Voraussetzungen und der regionalen Wirtschaftsentwicklung so eng verflochten wie im Ruhrgebiet. Die intensive Rohstoffgewinnung und die „Erdstruktur“ unserer Region haben zum Entstehen zahlreicher geologischer Aufschlüsse geführt, die nicht nur die Schichten des Kohle führenden Oberkarbons erfassen, sondern große Abschnitte der Erdgeschichte repräsentieren. Immerhin liegt das Hagener Stadtgebiet genau an der europäischen Karbon-Devon-Grenze, außerdem befinden sich in der Volmestadt mehrere Fossilfundstätten weltweiter Bedeutung – man denke nur an den berühmten Steinbruch in Vorhalle.

Erdgeschichte hautnah erleben

Erdgeschichte in einem Mix aus Natur-, Kultur- und Erlebnislandschaft hautnah erleben – das ist in einem Geopark möglich. Geoparks sind keine Naturschutzgebiete, sondern Regionen mit geologischen Sehenswürdigkeiten von herausragender Bedeutung, Seltenheit oder Schönheit. Durch diese anschaulichen Beispiele sollen die Besucher einen konkreten Einblick in die Erdentwicklung erhalten. In Deutschland verleiht das Bundesforschungsministerium nach Prüfung bestimmter Qualitätskriterien das Gütesiegel „Nationaler Geopark“. Auch in Teilen des Ruhrgebiets ist ein solcher „Geopark“ zu finden – mit zahlreichen „Geopfaden“. Das sind Wanderwege, die an geologischen Sehenswürdigkeiten vorbeiführen. In Hagen existiert ein solcher „Pfad“ in Vorhalle am Kaisberg und rund um Werdringen (Länge: 5,5 Kilometer). Zu entdecken gibt es hier unter anderem fossile Pflanzen im Kaisberg-Sandstein (Riesenbaumstämme), Relikte des ehemaligen Steinkohlebergbaus sowie typische Gesteine aus der Region.

Ferner erinnern im „Ruhrpott“ zahlreiche Denkmale der Industriekultur an die historische Epoche der Rohstoffgewinnung und haben dazu geführt, dass der „GeoPark Ruhrgebiet“ 2006 im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung als „Nationaler Geopark“ eingestuft worden ist. Der Geopark im Ruhrgebiet ist europaweit der erste und bislang einzige Geopark, der mitten im Herzen einer Metropole existiert.

Fachpublikum aus ganz Europa

Aus Anlass der Ernennung des Ruhrgebiets zur Kulturhauptstadt Europas 2010 wurde der der von einem gemeinnützigen Verein getragene „GeoPark Ruhrgebiet“ damit betraut, eine internationale Tagung zum Thema Geotopschutz auszurichten. Diese fünftägige Tagung – Titel: „GeoTop 2010“ – soll in der Zeit vom 29. Mai bis zum 2. Juni 2010 in der Stadthalle Hagen stattfinden und steht aus gutem Grund unter dem Motto: „Geotope – Bodenschätze für die Öffentlichkeit“. Themen wie Rohstoffabbau, Industriekultur oder „Bodenschätze – früher und heute“ sollen dabei angesprochen werden. Einen zweiten Tagungsschwerpunkt bilden die Komplexe „Paläontologie“ und „Geotopschutz“.

Zu dieser Tagung werden etwa 300 bis 400 Gäste aus ganz Europa erwartet. Für die Stadt Hagen besteht eine hervorragende Möglichkeit, sich einem internationalen Publikum zu präsentieren. Aus diesem Grunde unterstützt auch Oberbürgermeister Dehm diese Veranstaltung. Überdies gibt es eine Foto-Ausstellung, die vom 27. Mai bis 24 Juni in Hagens Stadtbücherei auf der Springe gezeigt wird. Unter der Leitung der Diplom-Geologin Antje Selter hat die Geologie AG des Ricarda-Huch-Gymnasiums das Thema „Geotope in Hagen“ aufbereitet. Ergänzt wird die Foto-Ausstellung durch eine Vielzahl von Fossilien und Mineralien, in Glasvitrinen zur Schau gestellt. Zustande kam diese Ausstellung durch die tatkräftige Hilfe vom Geopark Ruhrgebiet, der Stadt Hagen und der Hagener Firma Geotouring.