Am liebsten bodenständig

Haspe. (san) Zwar will Ansgar Schocke in seinem ersten Jahr als Priester in Haspe seine Gemeinden erst einmal nur begleiten statt selbst schon zu gestalten, und doch tut sich auf dem Heiligen Berg St. Bonifatius schon so manches. Bereits am 1. September 2010 trat der Seelsorger als Leiter des Pastoralverbunds von St. Bonifatius, St. Michael und St. Konrad seinen Dienst und damit die Nachfolge von Werner König an.

Quer durch die Lande

Kloster Oesede heißt sein Geburtsort bei Osnabrück und verheißt im Namen quasi schon die berufliche Zukunft. Obwohl diese eigentlich anfangs für den jungen Schocke gar nicht so klar ist. Denn zunächst hängt er an den Realschulabschluss ein soziales Jahr in der Krankenpflege und wird auch Krankenpfleger. „Aber ich habe dann gemerkt, dass das nicht mein eigentliches Ziel ist“, berichtet der 48-Jährige. Auf dem zweiten Bildungsweg macht er das Abitur, dann geht’s zum Philosophie- und Theologiestudium nach Münster und Innsbruck. Nach der Priesterweihe 1997 in Frankfurt am Main schickt man ihn in eine “Diaspora-Gemeinde“ am Edersee, wo es in manchem Dorf nur einen einzigen Katholiken gab, später weiter nach Oberbayern. Absolut traditionell katholisch ging es in dortiger Gemeinde zu.

2001 beendete Ansgar Schocke seine 10-jährige Mitgliedschaft im Deutschen Orden und wechselte in die Diözese Paderborn. Von dort wird er auch nach Hagen geschickt, nach Boelerheide, um genau zu sein. Irgendwann reizt ihn die Herausforderung, eine Alternative zum traditionellen Gemeindeleben suchte der Priester, um dem Auftrag des Evangeliums konkreter gerecht zu werden. So weilte er vor seinem Antritt in Haspe als Wohnungslosen-Seelsorger in Dortmund, in der Hoffnung, den gestrauchelten Menschen eine neue Perspektive aufzeigen zu können. Eine nicht immer fruchtbare Aufgabe, muss Schocke gestehen.

In Haspe angekommen

Priester Ansgar Schocke mag’s bodenständig, aber er geht auch neue Wege, so will er den wunderschönen Pfarrgarten hinter der Berliner Straße auch den Kindergartenkindern von St. Bonifatius öffnen. (Foto: Schievelbusch)

Als Nachfolger von Pfarrer Werner König hat er sich nun an der Berliner Straße eingerichtet. Als größte der drei Gemeinden in seinem Pastoralverbund mit exakt 5603 Schäflein, stellt sie den Hauptsitz – und weil sie geographisch in der Mitte liegt. Nur acht Wochen vor seinem Kommen hat die Gemeinde Bescheid darüber gehabt, „und doch war die Pfarrwohnung innerhalb dieser Zeit – und das in den Sommerferien – frisch renoviert. Das war ein wunderbares Willkommenszeichen,“ fühlt sich Schocke gleich angenommen.

Für einen ’Tanz im Mai’ hat er seinen Pfarrgarten zur Verfügung gestellt. Demnächst sollen auch die Kindergartenkinder von St. Bonifatius darin spielen können. Die Kirche müsse sich heutzutage mehr denn je auf die Situation der Leute einstellen. Gerade für die Jüngeren müsse einiges anders gestaltet werden, der Schulalltag lasse ein Festhalten am Bestehenden kaum noch zu. Aber Schocke ist kein Mensch der Alleingänge – „dahinter muss das ganze Team stehen“. Zudem ist die Katholische Kirche in Hagen wie vielerorts in einer Zeit der Umstrukturierungen, das müsse erst einmal gemeistert werden.

Eine Zusammenarbeit mit der evangelischen Gemeinde findet in vielen Bereichen bereits statt: sei es bei der Corbacher 20, den Schulgottesdiensten oder Veranstaltungen zu den 150. Jubiläen beider Kirchengemeinden, so die Aktion “Hand in Hand gegen Armut“ am heutigen Samstag, 4. Juni. Um 11 Uhr beginnt der ökumenische Gottesdienst in der evangelischen Kirche in der Frankstraße, anschließend bilden die Teilnehmer eine Menschenkette durch die Hasper Innenstadt. Ab 12.30 Uhr wird auf dem Gelände der St. Bonifatius-Gemeinde zum Erbsensuppenessen geladen.

Blick auf die Hasper

In der Zeit seit September hat Ansgar Schocke die Hasper auch schon ein wenig kennen gelernt – als eigenständige, selbstbewusste, aber auch traditionsverbundene Menschen, was ihren Stadtteil angeht. Seiner Meinung nach habe der Hasper mitunter eine verklärte Eigenansicht. „Ich würde mir wünschen, dass die Hasper ihren Blick für das Ganze weiten,“ so der Priester. „Wenn man sie aber argumentativ überzeugen kann, zeigen sie durchaus Offenheit,“ lobt Ansgar Schocke die kritische Haltung seiner Schäfchen.

Herzerfrischend geht Pfarrer Schocke in seinen Gemeinden – neben St.Bonifatius leitet er ja noch St. Michael in Wehringhausen und St. Konrad in Westerbauer – auf deren Mitglieder zu. Erholung und Kraft für sein Wirken findet er in seinem Hobby: Wandern und Laufen. Und seitdem er vor zehn Jahren mit dem Rauchen aufgehört hat, begann er das Kochen. „Daran habe ich Spaß und esse auch sehr viel“, schmunzelt er. Ein Leibgericht? Ja, das hat er, aber das schmeckt nur „von Mama“: Bratkartoffeln mit Spiegelei und Gurkensalat. Da der katholische Gottesmann aber auch oft auswärts ist, verteilt er übrigens ein dickes Lob an die Hasper Gastronomie.