An der Schwenke (fast) alles im grünen Bereich

Hagen. (ME) Ältere Hagener können sich bestimmt erinnern: An der Schwenke existierte früher die Federnfabrik Grueber. 1978 zog das Unternehmen ins Lennetal und machte das Gelände zwischen Augusta-, Berg- und Elberfelder Straße frei für eine Neubaumaßnahme. Bald entstand das Schwenke-Zentrum mit Tiefgarage, Verbrauchermarkt („Plaza“) und etlichen weiteren Geschäfts- und Büroräumen. Wiederum zwanzig Jahre später befand sich die Schwenke im „Abseits“ – die meisten Ladenlokale und Büroräume standen fortan leer. Der Eigentümer, ein Frankfurter Fonds, hatte lange Zeit kein großes Interesse an einer zeitgemäßen Vermarktung. Der Bau gammelte vor sich hin. Etwa zehn Jahre lang…

Holger Jüngst, Geschäftsführer der A+H Bauträger- und Verwaltungsgesellschaft: „Wir haben eine Menge bewegt und die Schwenke in eine durch und durch positive Richtung gelenkt. Auch vom drohenden Wegzug des ProMarkts lassen wir uns nicht beirren. Ich bin überzeugt: Für die Nachfolge finden wir schnell eine Lösung.“ (Foto: Michael Eckhoff)

Neuer Schwung

Im März 2010 kam endlich wieder Schwung ins Zentrum. Ein heimischer Bauträger – das Eilper Unternehmen A+H – kaufte den Komplex, schaltete das städtische „Servicecentrum Wirtschaft“ (die heutige Hagen-Agentur) ein und startete einen umfangreichen Vorbereitungsprozess, wobei die gesamte Genehmigungs- und Ausführungsplanung vom Hagener Architekturbüro Schenten & Partner für den Bauherrn erstellt wurde. Im Oktober 2010 konnte schlussendlich von der Stadt die Baugenehmigung erteilt werden.

Weiter bergauf

Seit der Eröffnung vor gut einem Jahr ging es weiter steil bergauf. „Rund 95 Prozent aller Büro- und Geschäftsflächen sind bereits vermietet oder werden in Kürze genutzt – das heißt: wir können aktuell von einer Vollvermietung sprechen,“ freut sich Holger Jüngst, Geschäftsführer der A+H Bauträger- und Verwaltungsgesellschaft mbH.

Den Löwenanteil an der rund 10.000 Quadratmeter großen Fläche nimmt derzeit noch der Elektronikfachhändler ProMarkt ein. Der will aber seine Geschäftstätigkeit in Hagen dem Vernehmen nach demnächst beenden. Weitere große Mieter sind die Lidl-Filiale, der Bahlsen-Outlet-Verkauf „Keks & Co“ sowie der Outdoor-Spezialist McTrek. Hinzu kommen mehrere kleinere Ladenflächen – unter anderem für Backwaren, Blumen, Zeitschriften und einen Schlüsseldienst. Ein großer Pluspunkt ist das eigene Parkhaus, das weit über 400 Stellplätze bietet. Hinzu kommt ein ebenerdiges Parkdeck an der Augustastraße, das weitere 70 Stellplätze offeriert.

Hagen-Agentur

Auch die Vermarktung des Büro-Turms, Elberfelder Straße 95, hat seit dem Umbau große Fortschritte gemacht. Der letzte große Raumkomplex wird Ende des Jahres von der Hagen-Agentur bezogen. Die Hagen-Agentur, die als eine Art städtische Tochter für die Wirtschaftsförderung und den Tourismus-Bereich zuständig ist, residiert bislang in der oberen Fleyer Straße, also fernab vom eigentlichen Geschehen. Der Umzug zur Schwenke beschert der Agentur mehrere Vorteile: Zum einen die Nähe zu beiden Rathäusern am Berliner Platz beziehungsweise am Ebert-Platz. Und zum anderen günstigere Mietkonditionen. Obendrein hat man künftig weniger Park-Probleme und eine bessere Anbindung an die Hagener Straßenbahn. Überdies wollte die Agentur auch gerne ein Zeichen setzen für die weitere Aktivierung des unteren „Elbe“-Bereiches, der es in den letzten Jahren nicht immer ganz leicht hatte.

Genutzt wird der Büroturm ferner vom Bauträger selbst, also von A+H, sodann von einer diakonischen Einrichtung, von einer Fortbildungsfirma, einer Arbeitsvermittlung, einem Steuerberater und einer Maklerfirma. „Man sieht,“ freut sich Holger Jüngst, „ wir haben eine Menge bewegt und die Schwenke in eine durchweg positive Richtung gelenkt.“

Gespräche führen

Und wenn der ProMarkt die Schwenke tatsächlich in naher Zukunft verlässt, was passiert dann? Gemunkelt wird, dass ProMarkt in den letzten Monaten in Deutschland hohe zweistellige Millionenverluste verzeichnen musste, weshalb es auch im Februar einige Wechsel im Management gab. „Das Unternehmen ProMarkt ist eine REWE-Tochter,“ erläutert Holger Jüngst. Die Rewe-Group wiederum gehört zu den bedeutendsten Handels- und Touristikkonzernen in Europa. Die Kölner Unternehmensgruppe setzt rund 53 Milliarden Euro um und ist mit 310.000 Mitarbeitern in 14 Ländern präsent.

„Wir werden so schnell wie möglich mit der ’Mutter’ reden, um zu schauen, wie wir gemeinsam den Standort Schwenke sinnvoll weiterentwickeln können. Ich bin überzeugt, dass es eine gute Lösung geben wird und dass die Übergangszeit zu einer neuen Nutzung so kurz wir möglich ist.“ Die Hagener dürfen folglich gespannt sein, welche Lösung Jüngst findet. Er ergänzt: „Handel ist Wandel – da muss man immer damit rechnen, dass nicht jedes Konzept auf Dauer funktioniert.“