„Anderen helfen, ein eigener Mensch zu sein“

Ulrich Lilie

Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland, war zu Gast bei der Diakonie Mark-Ruhr. (Foto: Diakonie Mark-Ruhr)

Hagen/Iserlohn. „Es ist uns eine große Ehre, den Präsidenten der Diakonie Deutschland, Ulrich Lilie, bei uns begrüßen zu dürfen“ freute sich die Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Iserlohn, Martina Espelöer, die auch Vorsitzende des Verwaltungsrates der Diakonie Mark-Ruhr ist. Vor kurzem konnte sie Ulrich Lilie im Kreise des Verwaltungsrats der Diakonie Mark-Ruhr willkommen heißen. Lilie eröffnete als Gastredner die Klausurtagung des Aufsichtsorgans.
Herausforderungen stellen
„Ich möchte Ihnen Mut machen, sich den gesellschaftlichen Herausforderungen als evangelische Kirche und diakonisches Unternehmen gemeinsam zu stellen“, so Lilie. „Dabei stehen wir in gemeinsamer Verantwortung mit anderen Gruppen der Zivilgesellschaft. Nur gemeinsam und nur in Netzwerken werden wir sozialraumorienterte Lösungen entwickeln können, die wir für eine humane Gesellschaft brauchen.“ Ein Beispiel hierfür ist die Unterstützung geflüchteter Menschen. „Kirchengemeinden und Diakonie haben gemeinsam mit weiteren Institutionen und Initiativen in der Region in den zurückliegenden Monaten beispielgebend Hilfe und Unterstützung geboten“, sagt der theologische Geschäftsführer der Diakonie Mark-Ruhr, Pfr. Martin Wehn, im Rückblick auf das Jahr 2016.
Ulrich Linie nahm die Entwicklung der Sozialpolitik in Deutschland in den Fokus und spannte den Bogen zur Diakonie. „Die Zuwendung zum hilfsbedürftigen Nächsten ist Grundimpuls der Diakonie, aber ebenso auch Grundimpuls der Kirche. Diakonisches Handeln meint immer die Person des anderen in der Einheit von Leib und Seele, in der Pflicht, hinter der Hilfsbedürftigkeit den Menschen zu entdecken, also anderen zu helfen, ein eigener Mensch zu sein.“
Wurzeln der Diakonie
Die Wurzeln der Diakonie in der Moderne gehen auf Johann Hinrich Wichern zurück. Ulrich Linie benannte in diesem Zusammenhang Meilensteine: „Die Epoche ‚Wichern I‘ reagierte auf die gesellschaftlichen Umbrüche der Industrialisierung, die Folge war eine Vernetzung lokaler diakonischer Initiativen.“
„Wichern II“ stehe im Kontext der gesellschaftlichen Neuordnung nach 1945 und einer Neubestimmung des Verhältnisses von Staat und Zivilgesellschaft.
„Die letzten Jahre können wir als ‚Wichern III‘ zusammenfassen, diese Phase steht für die Vernetzung in Zivilgesellschaft und Gemeinwesen sowie für die Vernetzung von Kirche und Diakonie.“ Ganz aktuell stehe man vor der Frage, „wie sich unsere Gesellschaft verändern wird, wenn die Digitalisierung und Automatisierung viele Arbeits- und Lebenswelten verändern wird. Werden wir neu über ein bedingungsloses Grundeinkommen diskutieren?“
Und: „Werden wir stärker über Alternativen zur Integration durch und in Arbeit nachdenken müssen? Wird es bald ein Wichern 4.0 geben – Diakonie in der Digitalen Vernetzung?“