Angesäuselt in der Schwangerschaft?

Hagen. (Red.) Der 9. September wird als der „Tag des alkoholgeschädigten Kindes“ begangen. Auch der wochenkurier will anlässlich dieses Tages auf die Gefahren aufmerksam machen, die drohen, wenn Frauen während der Schwangerschaft trinken: Betroffene (oder ihre Familien) können sich am Experten-Telefon Rat holen.

Beantworten Fragen rund um das Thema Alkohol: Thomas Weßling und Dr. Dorothee Köpsell. (Fotos: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung)

Mit der Bierflasche in der Hand sitzen sie bereits am frühen Morgen in der Ecke und löschen ihren „Durst“, mit „Fahne“ geht es abends schon vor der Disco rund, immer öfter spielt der Alkohol im Alltag eine große und gefährliche Rolle: Bereits rund 9,5 Millionen Deutsche zwischen 18 und 64 Jahren konsumieren Alkohol in einer gesundheitlich riskanten Menge. Etwa 1,3 Millionen von ihnen sind alkoholabhängig. Darunter sind auch immer häufiger Frauen.

Körper nimmt Schaden

Da Alkohol durch das Blut im ganzen Körper verteilt wird, kommt es bei regelmäßig zu hohem Alkoholkonsum zu Zellschädigungen in allen Geweben. Die Leber ist am meisten betroffen. Sie muss 95 Prozent des Alkohols allein abbauen. Eine Fettleber, Leberentzündungen oder eine Leberzirrhose können die Folgen sein. Aber auch das Gehirn nimmt Schaden. Bei einem Vollrausch sterben mehrere tausend Gehirnzellen ab. Das vermindert auf Dauer die geistige Leistungsfähigkeit. Zu viel Alkohol belastet außerdem die peripheren Nervenzellen, zum Beispiel in den Beinen. Es kann zu Lähmungen und Gangstörungen kommen. Die Bauchspeicheldrüse reagiert auf ständige Trinkgelage häufig mit Entzündungen. Auch die Insulinproduktion wird gestört, was Diabetes zur Folge haben kann. Das Herz reagiert auf zu viel Alkohol häufig mit Herzmuskelerkrankungen und Herzrhythmusstörungen.

Schon Babys betroffen

Besonders schwer sind Kinder im Mutterleib betroffen, wenn die werdende Mutter Alkohol trinkt. Um auf diese Gefahren aufmerksam zu machen, wird der 9. September in vielen Ländern der Welt als der „Tag des alkoholgeschädigten Kindes“ begangen. In Deutschland kommen jährlich rund 10.000 Babys mit Alkoholschäden zur Welt. Etwa 4000 davon haben das Fetale Alkoholsyndrom (FAS) und sind ihr Leben lang körperlich und geistig schwer behindert. Obwohl diese Auswirkungen eigentlich bekannt sind, trinkt mehr als jede zweite Frau in Deutschland während der Schwangerschaft Alkohol.

Experten am Telefon

In einer wochenkurier-Telefonaktion beantworten Experten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung alle Fragen rund um den Alkohol, zum Beispiel: Trinke ich zu viel Alkohol? Schadet ein Gläschen in der Schwangerschaft? Kann ich meinen Mann vom Trinken abhalten? Was tun, wenn Sohn oder Tochter trinken? Antworten geben natürlich anonym am Donnerstag, 8. September 2011, von 15 bis 17 Uhr die Fachleute Dr. Dorothee Köpsell und Thomas Weßling unter der Telefonnummer 02 21 / 89 20-31 (deutsches Festnetz).

Über das Ergebnis wird der wochenkurier in einer der folgenden Ausgaben berichten.