Appell an Tierschützer

Hagen. (ME) Der Hagener Haupt- und Finanzausschuss (HFA) tagt am morgigen Donnerstag. Auf der Tagesordnung steht auch das Thema Tierheim. Der HFA soll den Neubau beschließen.

Die Baukosten dürfen 1,6 Millionen Euro betragen – 1,5 Millionen kommen aus dem Konjunkturpaket II und 100.000 Euro von der Sparkasse. Ursprünglich waren weitere 500.000 Euro einkalkuliert, die der Tierschutzverein zur Verfügung stellen wollte. Diese Summe war den Tierschützern von etlichen Sponsoren gespendet worden. Weil sich aber die Stadt Hagen nicht an abgeschlossene Verträge hält, ist der Verein vorerst ausgestiegen. Das heißt allerdings auch, dass momentan nur eine Schmalspurlösung verwirklicht werden kann.

Alternativlos

„Aber,“ sagt Bürgermeisterin Brigitte Kramps (SPD), „mir ist eine Schmalspurlösung lieber als gar kein neues Tierheim.“ Die Bürgermeisterin hat zusammen mit dem Tierschutzverein monatelang für den Neubau gekämpft. Jetzt ist sie froh, dass endlich Bewegung in die leidige Angelegenheit kommt. Dabei sei – so betont sie – der gefundene Kompromiss „alternativlos“. In einer Presseerklärung schreibt Brigitte Kramps:

„Ich unterstützte die Entscheidung des Oberbürgermeisters zum Neubau des Tierheims sowie die jetzt veröffentlichte vorliegende Planung, da das Projekt unter enormen Zeitpunkt steht und ich mich seit längerem unter anderem stets für einen zügigen Baubeginn eingesetzt habe und auch jetzt einsetze. Bis Ende des Jahres muss gebaut und abgerechnet sein. Das erscheint schon fast nicht mehr einzuhalten.

Wenn dies nicht gelingen sollte, bin ich mir sicher, dass es auf sehr lange Sicht kein neues Tierheim geben wird. Das wäre meiner Meinung nach niemals im Sinne unserer schutzbedürftigen Tiere in Hagen. Doch gerade dafür machen wir die enormen Anstrengungen.

Da ich einen Großteil der Spenden eingeworben habe – und zwar ausschließlich für den Bau eines neuen Tierheims –, kommt für mich, auch aus rechtlicher Sicht, kein anderer Verwendungszweck der Spenden in Betracht. Ich möchte allen Spendern nochmals herzlich für die Geduld danken, die ihnen in diesem Zusammenhang abverlangt wird.

Des weiteren glaube ich fest daran, dass natürlich auch der Tierschutzverein in einer Mitgliederversammlung ein positives Votum für die Tiere setzen wird und wir alle gemeinsam Ende des Jahres das neue Tierheim an der Hasselstraße einweihen können. Aber bitte, bitte schnellstens anfangen, sonst ist es zu spät!“

Spenden für das Tierheim

In eine ähnliche Richtung zielt auch die Erklärung von Hildegund Kingreen (Grüne), Vorsitzende des Umweltausschusses:

„Endlich liegt eine Planung für den Neubau des Hagener Tierheims vor, die den gesetzlichen Bestimmungen entspricht, die sich finanziell im Rahmen der 1,5 Millionen aus dem Konjunkturpaket 2 bewegt und die in der gesetzlich vorgeschriebenen Zeit verwirklicht werden kann, wenn Architekt und Stadt mit äußerster Anstrengung den Bau vorantreiben.

Auf den dem HFA vorliegenden Plänen ist gut zu sehen, welche Ergänzungen notwendig beziehungsweise wünschenswert sind: Mehr Hunde- und Katzenboxen und Räumlichkeiten für die Arbeit des Tierschutzvereins. Ebenso kann sofort ein Kleintierhaus gebaut werden, wenn denn Spenden vom Tierschutzverein dazukommen.

Ein Großteil der Spenden ist dem Tierschutzverein zweckgebunden für die Errichtung eines neuen Tierheims zugeflossen. Ich appelliere nun an die Mitglieder des Tierschutzvereins, sich wieder in das Projekt einzuklinken. In der Vergangenheit gab es für alle Beteiligten unerfreuliche Auseinandersetzungen. Aber den notleidenden Tieren nützen rechtliche Streitigkeiten nichts. Damit würden nur weitere Spendengelder verbraucht. Die Mehrheit aller Hagener Tierschützer/innen ist sicherlich der Meinung, das Geld lieber den Tieren zugute kommen zu lassen, die endlich eine angemessene Unterbringung und die dort Beschäftigten bessere Arbeitsbedingungen brauchen. Wenn alle an einem Strang ziehen, können die Tiere in ein paar Monaten einziehen. Auf diesen Tag freue ich mich heute schon!“

Gute Gründe

Dass der Tierschutzverein gute Gründe hatte, aus dem Projekt auszusteigen, sollte dennoch nicht unter den Teppich gekehrt werden. Schließlich hatte die Stadt einen Vertrag vorgelegt und unterzeichnet, den sie selbst schon nach kurzer Zeit zur Makulatur erklärte. Obendrein hat sie kurzerhand – und auch gegen den Vertrag – eine Standortverlagerung vorgenommen. Zwar soll das Tierheim nach wie vor an der Hasselstraße entstehen – aber nicht am ursprünglich von der Stadt selbst vorgeschlagenen Ort. Das heißt aber auch, dass möglicherweise die alten Lärmgutachten nicht mehr gültig sind. Sollte ein Anwohner dies zum Gegenstand einer rechtlichen Auseinandersetzung machen, könnte es rasch neue Probleme geben.

Treffen mit OB

Dass sich der Tierschutzverein nicht gänzlich ausgeklinkt hat, zeigt die Tatsache, dass sich Oberbürgermeister Jörg Dehm und die Vorsitzende des Tierschutzvereins, Ursula Kalhöfer-Sander, sowie weitere Vorstandsmitglieder am gestrigen Dienstag zu einem Gespräch getroffen haben. Dabei ging es im Wesentlichen um die aus Sicht der Tierschützer notwendige Optimierung der aktuellen Planung.

Der Oberbürgermeister sicherte zu, die Änderungsvorschläge des Vereins ganz kurzfristig prüfen zu lassen, sofern eine kostenneutrale Umsetzung möglich ist“. Im Übrigen bestand Einvernehmen, dass vor weiteren Entscheidungen das Ergebnis der Ausschreibung abgewartet werden sollte. Der OB hofft zwar, dass der Tierheimneubau mit den zur Verfügung stehenden Geldern möglich ist, Gewissheit ergebe aber erst das Ausschreibungsergebnis, zu erwarten Ende März.

Die Stadt und der Tierschutzverein bitten deswegen gemeinsam die Spender und die interessierte Öffentlichkeit, bis dahin noch Geduld zu bewahren.