Arbeitswelt des Mittelalters live erleben im Freilichtmuseum Hagen

Mittelalterliche Handwerkskunst aus nächster Nähe erleben können die Besucher des Freilichtmuseums am nächsten Wochenende. Museumsmitarbeiterin Fenja Reuter (Mitte) hat dafür Gasthandwerker eingeladen – und Museumskollegen kostümiert. (Foto: Claudia Eckhoff)

Hagen. (ce) Späne fliegen, Funken sprühen und Schwerter klirren. Töpfer, Schmiede, Weber, Färber, Drechsler, Münzpräger, Bogenbauer und Buntgießer längst vergangener Zeiten tummeln sich im Mäckingerbachtal.

„Potgeiter, Bilderbakker & Co.“ werden für zwei Tage das Hagener Freilichtmuseum bevölkern. Unter diesem Motto wird die Handwerkswelt des Mittelalters am Samstag, 21., und Sonntag, 22. Juli, in der Selbecke lebendig.

Wie es wirklich war

Die Nachfrage nach „Mittelalterlichem“ ist groß. Das wissen die Veranstalter. „Dennoch: Für uns ist das zunächst ein Experiment und ein ganz schöner Sprung“, sagte die stellvertretende Museumsleiterin, Dr. Anke Hufschmidt, bei der Pressekonferenz. „Unsere Gebäude und die Techniken, die wir darin zeigen, stammen ja nicht aus dem Mittelalter, sondern aus dem 18. bis 20. Jahrhundert.“

Dr. Manuel Zeiler ist Archäologe. Mit vielen anderen Spezialisten experimentiert er mithilfe eines Rennofens rund um die damals erstaunlich effiziente keltische Eisengewinnung. Gespannt erwartet er den Ofenstich am Sonntag, 22. Juli, um 12 Uhr. (Foto: Claudia Eckhoff)

Was das Museum am nächsten Wochenende auf die Beine stellt, schlägt einen weiten Bogen. Die derzeitige Ausstellung „Echt alt!“ präsentiert archäologische Grabungsfunden rund um mittelalterliches Handwerk. Handwerker in mittelalterlichen Gewändern zeigen verteilt auf das gesamte Museumsgelände live und aus nächster Nähe „wie es wirklich war“, wie die Arbeitsschritte tatsächlich aussahen, wie mühevoll sie waren und wie lange sie dauerten.
In den Museumsgebäuden selbst können die Besucher das soeben Erlebte gleich wieder vergleichen mit den weiter entwickelten Techniken späterer vorindustrieller Zeiten.

Tief eintauchen und selbst versuchen

„Schon am Eingang wird eine ‚Stadtwache‘ die Besucher richtig einstimmen“, verrät Museumsmitarbeiterin Fenja Reuter, die für das mittelalterliche Veranstaltungsprojekt verantwortlich ist. „Im unteren Museumsbereich schlagen die Handwerker ihre Zelte auf und geben so direkt Einblick in mittelalterliches Alltagsleben, ins Kochen und Wohnen.“
Ein kleiner Krämermarkt bietet Gewürze, Süßwaren, Beerenweine und Met. Die Besucher können sich an vielen Stellen selbst an den mittelalterlichen Handwerkstechniken ausprobieren. Wie schreibt es sich mit Gänsekiel und Tinte? Wie backte man vor Hunderten von Jahren Brot? Wie hält man ein Schwert richtig? Was macht einen guten Bogenschützen aus? Wie bearbeitet man Leder?

Archäologie zum Mitmachen, Führungen durch die Ausstellung, Namensforschung mittelalterliche Musik, Aktionen rund um das Schmelzen und Gießen von Buntmetall lassen tief eintauchen in die Arbeitswelt vergangener Zeiten.

„Knochen – das war praktisch der Kunststoff des Mittelalters.“

„Wir zeigen auch das gänzlich ausgestorbene Handwerk der Knochenschnitzer“, ergänzt Dr. Anke Hufschmidt.

Heißes Eisen

Ganz heiße Einblicke in die Vergangenheit offenbart der keltische Rennofen. An diesem Wochenende geht das archäologische Experiment rund um die Eisenverhüttung in die zweite Runde. „Das Museum stellt nicht nur aus, es forscht auch“, sagt der LWL-Archäologe Dr. Manuel Zeiler. In einem originalgetreuen Nachbau eines keltischen Verhüttungsofens versuchen die Archäologen mit prähistorischer Technik, Eisen zu gewinnen. „Im letzten Jahr hat der Ofen rund 40 Kilo erbracht“, so der Experte. „Wir haben die Techniken weiter erforscht und hoffen jetzt, bei der Öffnung des Ofens am Sonntag, 22. Juli, um 12 Uhr auf rund einhundert Kilo zu kommen.“

Geöffnet ist das Freilichtmuseum am Samstag, 21. Juli, von 11 bis 17.30 Uhr und am Sonntag, 22. Juli, von 11 bis 18 Uhr. Besucher in mittelalterlicher Gewandung sind besonders gern gesehen.