Archäologie in Hagen

Hagen. (Red./ME) Auf zwei unbedingt beachtenswerte „Geschichtstermine“ möchte der wochenkurier hinweisen:

Zunächst wird am Sonntag, 6. April 2014, 15 Uhr im Historischen Centrum an der Eilper Straße 75 die vom Museumsamt des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) zusammengestellte Ausstellung „An der Heimatfront 1914-18“ eröffnet. Zur Einführung sprechen Hagens Kulturdezernent Thomas Huyeng und Dr. Silke Eilers (LWL). Die Schau beleuchtet die Geschehnisse zur Zeit des Ersten Weltkriegs aus dem Blickwinkel der Menschen in unserer Region. Das heißt, es geht vorrangig um den Alltag der westfälischen Zivilbevölkerung (mehr zur Ausstellung im nächsten wochenkurier).

Vier Tage später – am Donnerstag, 10. April 2014, – unternimmt Dr. Ralf Blank ab 18 Uhr eine „Zeitreise“ zur „Archäologie in Hagen“. Zu hören ist sein Vortrag im Hagener Kunstquartier (Osthaus-Museum), Museumsplatz 1/Hochstraße 73.

Herausragend

„Die Stadt Hagen liegt in einer herausragenden Geschichtslandschaft, die überregional bedeutend und bekannt ist“, weiß Ralf Blank. „Schon Neandertaler gingen vor über 40.000 Jahren in den Tälern von Ruhr und Lenne auf die Jagd.“ Am Ende der Eiszeit, vor etwa 12.000 Jahren, waren hier Rentierjäger unterwegs. Sie hinterließen auf den Flussterrassen und auf den Vorplätzen von Höhlen zahlreiche Steinwerkzeuge, wie ihre in typischer Weise bearbeiteten Pfeilspitzen. Aus der Mittelsteinzeit, vor rund 11.500 bis 7.500 Jahren, liegen besonders viele Fundplätze vor. Aus dieser Zeit stammen auch die Funde aus der Blätterhöhle in Holthausen. Die Blätterhöhle, die seit 2006 wissenschaftlich untersucht wird, ist Fundort der frühesten bekannten nacheiszeitlichen Menschen in Europa.

In die vor rund 7.500 Jahren angebrochene Jungsteinzeit sind zahlreiche Siedlungsfunde aus der Region einzuordnen. Zu dieser Zeit wurden in der Blätterhöhle zahlreiche Menschen bestattet. Die wissenschaftliche Untersuchung der menschlichen Überreste förderte in den letzten Jahren interessante und spannende Ergebnisse zutage, die international viel beachtet wurden.

Uralte Siedlungsspuren

Eine dreijährige Grabungskampagne beim alten Adelssitz Haus Herbeck im Lennetal förderte Siedlungsspuren aus der jüngeren Bronzezeit vor rund 2.800 Jahren sowie aus der folgenden vorrömischen Eisenzeit und römischen Kaiserzeit bis hin zum Frühmittelalter zutage. Die Befunde der Grabungen haben unser bisheriges Bild von der Besiedlungsgeschichte in der Region in wesentlichen Punkten ergänzt und korrigiert. Wie lebten die Menschen in den Metallzeiten im Raum Hagen? Diese viele Jahrzehnte kaum zu klärende Frage lässt sich heute ein kleines bisschen besser beantworten.

Aus dem Frühmittelalter stammen große Wallanlagen. Die bekannteste Anlage ist dabei die Hohensyburg, doch auch auf dem Letmather Burgberg und bei Ambrock sind die Überreste von Wallburgen erhalten. Die Hohensyburg hat eine besondere Bedeutung. Durch ihre Erwähnung in den fränkischen Reichsannalen in den Jahren 775/776 tritt das heutige östliche Ruhrgebiet als Lebensraum der sächsischen Westfalen in die durch Schriftquellen überlieferte Geschichte ein.

Zahlreiche Burgen

Blanks Zeitreise führt weiter ins Mittelalter. Im 12. und 13. Jahrhundert entstand an Ruhr, Lenne und Volme eine regelrechte Burgenlandschaft. In den Tälern entstanden kleine Wohnsitze des Niederadels, auf strategisch gut gelegenen Bergen entlang der Ruhr und Lenne Dynasten- und Landesburgen. Zu den frühesten steinernen Burgen im Rheinland und in Westfalen zählt die im ersten Viertel des 12. Jahrhunderts erwähnte Burg Volmarstein. Vor ihr sowie später auch von der Raffenburg wurde die kölnische Herrschaft Volmarstein, zu der das damalige Kirchdorf Hagen gehörte, verwaltet und gesichert. Die Mittelalterarchäologie finden in Hagen spannende Befunde und Bodendenkmäler.

Ralf Blank ist Fachdienstleiter für Wissenschaft, Museen und Archive im Fachbereich Kultur der Stadt Hagen. Zahlreiche Abbildungen illustrieren Funde, Grabungen und Forschungsergebnisse aus der über 40.000 Jahre zurückreichende Siedlungsgeschichte.