Architekten starten Blauen Tisch

Am Freitag, 1. Juli, steht ab 18 Uhr der Blaue Tisch vor der ehemaligen Gaststätte „Zum Dreieck“ im Drerup-Viertel, Ecke Düppel-/ Dreieckstraße. Auf viele Hagener Besucher freuen sich (v.l.n.r.): Bernhard van der Minde, Prof. Daniel Thulesius, Hartmut Nitsche und Tycho Oberste-Berghaus. (Foto: Klaus Meyer, bau-werk GmbH)

Altenhagen. (ME) Der Architekten- und Ingenieurverein (AIV) Mark-Sauerland hat bald einen richtig runden Geburtstag – 2012 wird er 100 Jahre alt (der wk berichtete). Zum Jubiläum hat sich der AIV allerlei öffentliche Veranstaltungen ausgedacht, bei denen jeweils ein „Blauer Tisch“ im Mittelpunkt steht. Los geht’s am kommenden Freitag, 1. Juli 2011. Dann lädt der AIV dazu ein, Historisches und Kurioses über das Drerup-Viertel in Altenhagen zu erfahren.

Dem „Blauen Tisch“ werden die Hagener in den nächsten Wochen und Monaten noch häufiger begegnen. Er stellt gleichermaßen Symbol und Treffpunkt dar, ins Leben gerufen vom AIV. Überall dort, wo der Blaue Tisch aufgestellt wird, gibt es Veranstaltungen, die zum Ziel haben, Stadtgeschichte und aktuelle Stadtentwicklung anhand ausgesuchter Orte zu veranschaulichen. Stefan Bild, 1. Vorsitzender des AIV Mark-Sauerland e.V.: „Stadtentwicklung ist die Geschichte von Menschen in ihrer Stadt. Architekten und Ingenieure planen Infrastruktur. Nun wollen wir Stadtgeschichte und Stadtplanung für den Bürger auch erlebbar machen.“ Johann Dieckmann, ehemaliger Stadtbaurat Hagens und Initiator der Veranstaltungsreihe, fügt hinzu: „Der besondere Charme unserer Industriestadt im Grünen mit ihren Ecken und Kanten soll durch die Aktion der ’Blauen Tische’ deutlich werden.“

Das Drerup-Viertel

„Das Drerup Viertel – Stadtbild und Funktion des Stadtteils im Wandel der Zeit“ lautet das Thema der ersten Veranstaltung, die am 1. Juli stattfindet. Zur Diskussion stehen die individuelle Geschichte des Ortes bis in die heutige Zeit hinein und die Konsequenzen für die Menschen, die in dem Viertel wohnen. „Wir wünschen uns, dass die bewusst geführte Auseinandersetzung des Bürgers mit seiner gebauten Umwelt zu einer intensiveren Wahrnehmung seiner Umgebung führt“, hofft Architekt Tycho Oberste-Berghaus, der gemeinsam mit dem Vermessungsingenieur Hartmut Nitsche als Pate der ersten Veranstaltung handelt.

„In einer Diskussion um diese Ziele“, so Oberste-Berghaus weiter, „muss man schon ein bisschen um die Entstehung der Orte wissen, in denen man lebt, wohnt und arbeitet. Wir möchten mit den Bürgern des Drerup-Viertels, das von der Altenhagener Straße bis zum Funcke-Park und vom Märkischen Ring (früher Kaiserstraße) bis zur Berghofstraße reicht, ins Gespräch kommen, um Anregungen für die Zukunft zu bekommen, die dann in die künftige Stadtentwicklung einfließen sollen.“

Stadtnähe

Jens Bergmann, Hartmut Nitsche und Tycho Oberste-Berghaus (v.l.n.r.) stellen am Freitag, 1. Juli, im Drerup-Viertel den „blauen Tisch“ auf. Mit Anwohnern und Verantwortlichen der Stadt soll über die Geschichte und Zukunft des Viertels diskutiert werden. (Foto: AIV Mark-Sauerland e.V.)

Die Vorzüge des Drerup-Viertels in Hagen beschreibt Hartmut Nitsche wie folgt: „Mit seinem Mix aus Geschosswohnungsbau, Einzel- und Doppelhausbebauung hat das Drerup-Viertel auf Grund der Stadtnähe (10 Minuten Fußweg) auch heute noch seine Attraktivität. Zudem befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft die Sportstätten des Ischelandes, das neu errichtete Stadtbad sowie ein kleines Naherholungsgebiet rund um den Ischelandteich. Wenn auch der Villencharakter durch die immensen Zerstörungen des Zeiten Weltkrieges stark gelitten hat, findet der aufmerksame Wanderer noch viel Sehenswertes. Durch die enge und schmale Straßenführung, die seit der Gründerzeit nicht verändert wurde, bedarf dieses Wohngebiet eigentlich keiner aufgenötigten Verkehrsberuhigung. Es ,beruhigt‘ sich sozusagen von selbst.“

Persönliche Geschichten gesucht

Interessierte Bürgerinnen und Bürger werden den Blauen Tisch am 1. Juli 2011 ab 18 Uhr an der Ecke Düppel-/ Dreieckstraße vorfinden. An einem blauen Bauwagen, der neben dem Tisch jeweils bei den Veranstaltungen zugegen sein wird, werden historische Dokumente zum Wohnviertel gesammelt. Anwohner sind aufgefordert, ihre persönlichen Geschichten vorzustellen. Umrahmt wird das Ganze vor authentischer Kulisse: Vereinzelte Gebäude mit besonderer Bedeutung werden durch Unterstützung der Firma Alliander-Stadtlicht angestrahlt.

Die Architekten Bernhard van der Minde und Prof. Daniel Thulesius werden vor Ort Zeichnungen anfertigen, Aktionen für Kinder sind geplant. Darüber hinaus wird der Lokalhistoriker Jens Bergmann zu einem Spaziergang einladen.

Alle vier Wochen

Durch die gesamte „Blauer-Tisch“-Aktion entsteht bis 2012 ein besonderes Stadtporträt. Weitere Veranstaltungen werden ab September – also nach den Ferien – in einem etwa vierwöchigen Rhythmus folgen. Die Auswahl der Orte eignet sich auch für eine künstlerische Auseinandersetzung („Kunstroute der Orte“). Die gesamte Aktion soll als Film, DVD und als Buch zur 100-Jahr-Feier des AIV Mitte des Jahres 2012 präsentiert werden. Die Vorführung des Films erfolgt anlässlich einer großen Feier.