Auch in der Uniform steckt ein Mensch

Pfarrer Thomas Hammermeister-Kruse ist gerne Seelsorger der Hagener Polizistinnen und Polizisten und hat schon so manchem Beamten einen Weg aufzeigen können. (Foto: Schievelbusch)

Hagen. (san) Schlimme Unfälle, Gewaltverbrechen oder gar ein Amoklauf – das belastet nicht nur die beteiligten Opfer, auch die professionellen Rettungskräfte stoßen psychisch in vielen Fällen an ihre Grenzen. In der Regel werden sie durch die Notfallseelsorge gut aufgefangen. Nicht immer nur im spektakulären Großeinsatz, sondern oftmals auch in der Alltagsarbeit sind zahlreiche Polizistinnen und Polizisten allerlei Gewissenskonflikten, Schuldfragen oder unbestimmten Sorgen um den nächsten Einsatz ausgesetzt. Damit diese auch weiterhin so routiniert und gerne ihren Dienst verrichten, gibt es die Polizeiseelsorger. In diesem Jahr stehen sie den Polizeibehörden in Nordrhein-Westfalen bereits im 50. Jahr zur Seite.

Polizeipfarrer vor Ort

Einer von ihnen ist Thomas Hammermeister-Kruse. Der ehemalige Pfarrer der Hagener Stadtkirchengemeinde, der bereits seit Mitte der 90er Jahre vielen Ordnungshütern im Bereich des hiesigen Polizeipräsidiums mit offenen Ohren und Orientierungshilfen zur Seite steht, verrichtet diesen Dienst seit 2010 als hauptamtlicher Polizeipfarrer. Er sieht in erster Linie den Menschen, der in der Uniform oder hinter dem Titel beispielsweise eines Kriminalkommissars steckt. Sein Vorteil: Der Seelsorger steht außerhalb der polizeilichen Strukturen und kann seine Arbeit in “Freiräumen“ anbieten, ja er schafft diese geradezu.

Viele Polizisten haben ihr ganzes Berufsleben lang keinen Kontakt zu einem Polizeiseelsorger. Sie arbeiten in gefestigten Teams, haben einen fürsorglichen Vorgesetzten, außerdem gibt es Soziale Ansprechpartner (die “SAPs“) und darüber hinaus bestehen sogenannte Kriseninterventionsteams.

Da gibt es aber den ein oder anderen Beamten, den lässt ein früherer Fall emotional noch immer nicht los. Dort ist einer angetreten, demokratisch zustande gekommenes Recht und Gesetz durchzusetzen und stünde doch lieber auf der Seite der Demonstrierenden. Bei wieder einem anderen will die Angst nicht vergehen: Was ist, wenn das Amok-Training zum Ernstfall wird und es schief geht? „Das, was die Polizisten bewegt, was sie nicht in Ruhe lässt, ist recht vielfältig,“ berichtet Hammermeister-Kruse. Und oft, so sagt er, seien es die „Rand“-Gespräche, die bei dem ein oder anderen “Kollegen“ erst einmal den Stein ins Rollen brächten: Aus einem kleinen Plausch in der Pause ergibt sich mitunter ein späterer Gesprächswunsch.

Selbstverständlich Ökumene

Da ist es ganz gleich, dass der Pfarrer evangelisch ist. Bei dieser Tätigkeit versteht sich Ökumene von selbst. Auch die muslimischen Polizisten sind ihm nicht fremd und viele kennen ihn aus dem Ethikunterricht. Denn Thomas Hammermeister-Kruse ist Lehrbeauftragter an der hiesigen Fachhochschule für Öffentliches Recht und Verwaltung NRW als Dozent für Berufsethik. „Mich hat als friedensbewegter Mensch schon immer zu untersuchen gereizt, wie der verantwortungsvolle Umgang mit dem Gewaltmonopol funktioniert,“ begründet er diese Aufgabe.

Seminare und Bildungswochen werden zudem über das Landespfarramt für den Kirchlichen Dienst in der Polizei angeboten. Sie richten sich unter anderen an bestimmte Zielgruppen wie Todesermittlern oder Kontaktpersonen bei Suizidandrohungen. Es geht aber beispielsweise auch um das Verhältnis von Polizeiberuf und Familienleben. Eine derartige Vorbeugung (Prävention) ist für Thomas Hammermeister-Kruse selbst Alltagsgeschäft. Seinen persönlichen seelsorgerischen Auftrag sieht er wohl aber in der Begegnung mit dem Einzelnen. „Eine 5-Minuten-Seelsorge bei einer Mitfahrt im Streifenwagen stößt manchmal mehr an als ein Präventionskurs.“

Kein leichter Alltag

„Polizeiseelsorgerinnen und -seelsorger sind im partnerschaftlichen Miteinander von Staat und Kirche nicht wegzudenken,“ sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger anlässlich des 50-jährigen Bestehens dieser Einrichtung. Auch für die Hagener Polizeibeamte und diejenigen, die er im weiteren Umfeld betreut, sieht Thomas Hammermeister-Kruse die Notwendigkeit dieser unabhängigen Anlaufstelle. „Die Polizei muss sich permanent den Herausforderungen und dem Wertewandel dieser Zeit stellen. Alles wird zunehmend komplexer, aber der Mensch bleibt doch so wie er ist. Das macht es für den Berufsalltag nicht leichter,“ versteht er die Sorgen und Ängste der ’Freunde und Helfer’.

Dass sie weiter professionelle Arbeit im Sinne aller Bürger leisten können, dazu will der Pfarrer ein kleines Stück beitragen.