Auf Kriegsfuß mit dem Müll: Eine unendliche Geschichte

[1/2] Nicht nur unmittelbar neben den Altglas- und Altpapiercontainern kommt es auf dem Altenhagener Marktplatz zu einem erhöhten Müllaufkommen. Kaum zu glauben

[1/2] Nicht nur unmittelbar neben den Altglas- und Altpapiercontainern kommt es auf dem Altenhagener Marktplatz zu einem erhöhten Müllaufkommen. Kaum zu glauben, reinigen die HEB den Markplatz ein- bis zweimal am Tag.(Foto: Christina Schröer) [2/2] Nicht

Hagen. (cs) Was tun gegen die Müllberge, die sich vor zahlreichen Altpapier- und Altglascontainern im Ruhrgebiet anhäufen? Das fragen sich viele Anwohner in den sogenannten „Problembezirken“. In Altenhagen hat es sich Ilona Reimann (53) zur Aufgabe gemacht, den Missbrauch der Müllcontainer zu kontrollieren und kommentieren.
Elektroschrott und Co.
Die Verstöße würden damit beginnen, grüne Flaschen in die Öffnung für braunes Glas zu werfen, und sie gipfelten darin, einfach große Mengen Elektroschrott und Kleidung auf dem Altenhagener Markplatz abzulegen. Dass die Container häufig vom Hagener Entsorgungsbetrieb (HEB) geleert werden, scheint keine Abhilfe mehr zu schaffen.
„Früher hatten wir außerdem noch einen Altkleidercontainer, dann lag auch Kleidung herum“, erklärt Ilona Reimann, während sie auf einer Bank auf dem Marktplatz sitzt, dessen Umfeld ebenfalls mit alten Getränkedosen und Plastikmüll übersät ist.
„Kein Zustand“
Hinnehmen möchte die 53-Jährige den Verfall ihres Stadtteils jedoch nicht und weist die Übeltäter gerne – auf frischer Tat ertappt – auf ihre Verstöße hin. „Die meisten interessiert das aber nicht“, sagt Ilona Reimann und macht ihren Unmut ganz deutlich: „Das ist doch kein Zustand.“
Wünschen würde sie sich Bürgerinitiativen wie in Wehringhausen, bei denen sich engagierte Anwohner oder sogar Politiker mit um die Sauberkeit ihres Stadtteils kümmern „Ich würde auch direkt bei der Stadt anfangen und als ‚Müll-Sheriff‘ arbeiten“, scherzt sie.
Was nun?
Doch was kann wirklich helfen, um den Müllbergen Herr zu werden? Zwar sind Aufräumaktionen wie unlängst in Wehringhausen eine tolle Möglichkeit, etwas für die direkte Nachbarschaft zu tun, jedoch hielt das Ergebnis auch dort nicht lange an.
Da stellt sich „alle Tage wieder“ die Frage, ob es überhaupt eine adäquate Lösung gibt, um die Müllprobleme in Altenhagen als auch in Wehringhausen zu lösen.
HEB in vollem Einsatz
Flyer, die auf 13 Sprachen und mit Illustrationen das Müllsystem erklären, regelmäßige Leerungen der Altglas- und Altpapiercontainer, ein HEB-eigener Mülldetektiv, der ständig vor Ort ist und die enge Zusammenarbeit mit dem Hagener Ordnungsamt sind nur einige der „Waffen“, die der HEB einsetzt, um gegen die Müllberge auf dem Altenhagener Markplatz vorzugehen. Gleich zwei Mal die Woche wird der riesige blaue Papiercontainer geleert, die Glascontainer immerhin einmal pro Woche.
HEB-Pressesprecherin Jacque­line Jagusch weiß: „An jedem Morgen wird dort von uns aufgeräumt, häufig sogar ein zweites Mal am Nachmittag.“ Und damit nicht genug: „Sowohl am Wilhelmsplatz als auch am Marktplatz in Altenhagen arbeitet eine Gruppe aus fünf Flüchtlingen und fünf Langzeitarbeitslosen gegen den Müll an“, erklärt sie.
Gemischtes Klientel
Auch die weit verbreitete Meinung, dass das Problem auf osteuropäische Zuwanderer zurückzuführen ist, kann im Allgemeinen nicht bestätigt werden. Aufnahmen des Mülldetektivs zeigen, dass jede Nationalität, jedes Alter, jede gesellschaftliche Gruppe, ja sogar Gewerbetreibende unter den Übeltätern sind.
Dabei kann man doch ein paar Meter weiter an der Müllverbrennungsanlage vor allem Elektroschrott, der sich gerne auf den Altenhagener Marktplatz sammelt, kostenlos entsorgen. „Natürlich hat nicht jeder ein Auto, aber irgendwie muss ja beispielsweise ein großer Kühlschrank auch auf den Marktplatz gekommen sein“, sagt Jacqueline Jagusch und plädiert an das offenbar nicht vorhandene Unrechtsbewusstsein mancher Personen.
Besonders ärgerlich sei es, dass durch das Vermischen von Altpapier und jeglichem anderen Müll vor den Containern auch das Recycling nicht mehr ohne Weiteres möglich ist. Was zusätzliche Kosten verursacht.
Bürgerengagement
Geht man nun also von dem Standpunkt aus, dass sowohl HEB als auch Ordnungsamt wirklich einiges tun, um gegen die Müllberge und die Verschmutzung der „Müll-Hotspots“ vorzugehen, bleibt die Frage nach der Lösung für diese hartnäckige Problematik, die bereits Jahrzehnte die Hagener Verwaltung beschäftigt.
Ein Beispiel aus Wehringhausen zeigt, dass es im Kleinen ganz einfach sein könnte, gegen den Dreck vorzugehen, jedoch häufig an der Einstellung der Verursacher scheitert.
Mitdenken und besser machen
Die Inhaberin eines Geschäftes am Wilhelmsplatz hatte nämlich einen Mülleimer aufgestellt, um der Verschmutzung durch Sonnenblumenkerne Herr zu werden.
Nach kurzer Zeit musste sie jedoch feststellen, dass eben dieser Eimer nicht genutzt worden war und sich die Kerne rings herum weiter verteilten. Tags drauf wurde das kleine gelbe Eimerchen Opfer eines Diebes – eine Geschichte, die nachdenklich stimmt.
Vielleicht sollte ein jeder Hagener nochmal über sein Umweltbewusstsein „sinnieren“ und versuchen die Hagener Müllwelt zu einer besseren zu machen.