Auf zum Ende der Welt

Hagen. (anna) Der wochenkurier berichtete bereits mehrfach über das Dahler Paar Eleonore Schmitz-Hegemann und Jürgen Koppert, das eine über zweimonatige Reise durch Lateinamerika unternommen hat (Mit dem Wohnmobil ins Feuerland – 14.000 km durch Südamerika). Wir setzen unsere Serie heute fort. Noch ist das Paar in Argentinien.

Nachdem Eleonore Schmitz-Hegemann und ihr Partner Jürgen Koppert die Halbinsel Valdés traurigen Herzens verlassen hatten, fuhren sie weiter in Richtung Magellanstrasse. Die etwa 3625 Quadratmeter große Halbinsel Valdés liegt in der argentinischen Provinz Chubut an der Atlantikküste. Sie ist ein Naturreservat und wurde 1999 von der Unesco auf die Welterbeliste gesetzt.

Auf dem Weg zur Magellanstraße hatten die Dahler immer den Atlantik auf der linken Seite und auch immer den starken Wind vom Meer, der heftig über die Pampa fegt. „Das sind Kräfte, die man hier nicht kennt“, erklärt Jürgen Koppert. „Solange uns kein Lkw entgegen kommt, kann man sich beim Fahren auf den Sturm einstellen. In dem Moment allerdings, wenn ein Brummi links neben uns ist, herrscht für eine Sekunde Windstille. Dann findet eine heftige Verwirbelung und ein solcher Druck statt, dass unser Wohnmobil mit einem Satz fast einen Meter zur Seite springt.“ – „Mir standen immer die Schweißperlen auf der Stirn und Jürgen musste sich manchen Aufschrei von mir anhören“, erinnert sich Eleonore Schmitz-Hegemann.

Große Wohnmobile

Als die Beiden in Rio Grande waren, sahen sie große Wohnmobile von Man und Unimog, sogar große Amphibienfahrzeuge. Sie sprachen mit den Globetrottern und erklärten ihnen, dass sie nach Ushuaia, der südlichste Stadt Argentiniens wollten. Und weiter auf der „Carreterra Austral“ wieder in Richtung Norden. Die Fahrer sahen sie nur mitleidig an und erklärten dem Paar, dass diese Reise mit ihrem Auto ohne Allrad nicht möglich sei.

Hier sieht man die „Riesenautos“ der Globetrotter, die sich an Weihnachten in Ushuaia treffen. Unter Globetrottern ist der Spruch „Wir sehen uns an Weihnachten in Ushuaia“ weltbekannt. Das Fahrzeug der Dahler Globetrotter (m.) verfügt über kein Allrad und sonstigem „Überlebensutensil“ für die kalte Gegend. (Foto: privat)
Hier sieht man die „Riesenautos“ der Globetrotter, die sich an Weihnachten in Ushuaia treffen. Unter Globetrottern ist der Spruch „Wir sehen uns an Weihnachten in Ushuaia“ weltbekannt. Das Fahrzeug der Dahler Globetrotter (m.) verfügt über kein Allrad und sonstigem „Überlebensutensil“ für die kalte Gegend. (Foto: privat)

 

Sturm wird stärker

„So ganz unrecht hatten die Fahrer nicht, aber das haben wir erst später gemerkt“, meint Schmitz-Hegemann. „Sie hatten uns auch erklärt, dass im Moment wegen des Sturms keine Fähre über die Magellanstraße fahre. Wir sind trotzdem weiter, weil wir uns nur auf das verlassen, was wir sehen und nicht auf das, was uns erzählt wird.“

Eleonore Schmitz-Hegemann nach der Fahrt über der Magellanstraße. Sie kontrolliert das Wohnmobil, das auf der Fähre meterhohen Wellen ausgesetzt war. (Foto: privat)
Eleonore Schmitz-Hegemann nach der Fahrt über der Magellanstraße. Sie kontrolliert das Wohnmobil, das auf der Fähre meterhohen Wellen ausgesetzt war. (Foto: privat)

Nach einer Stunde wurde der Sturm so stark, dass der Druck eines vorbeifahrender Lkw das Fenster an der linken Seitenwand herausriss. Es war einigermaßen heile geblieben, als das Paar es im Straßengraben fand. Mit Gewebe-Panzerband wurde es wieder eingesetzt und klebt bis heute.

Auf ins Feuerland

An der Magellanstraße, der Überfahrt nach Feuerland, warteten viele Lkw und einige Pkw. Feuerland ist eine Inselgruppe an der Südspitze Südamerikas. Vom Festland ist Feuerland durch die Magellanstraße getrennt. „Wir sind zum Ticketschalter und haben uns nach der Überfahrt erkundigt. Der Kapitän signalisierte, dass er bald fahren werde“, erinnert sich das Dahler Paar. „Wir haben uns gedacht, dass der Kapitän weiß, was er macht. Uns wurde allerdings verboten, aus dem Wohnmobil auszusteigen. Das wäre auch gar nicht möglich gewesen, denn die Wellen schlugen etwa acht Meter hoch über die offene Fähre.“

Weihnachten

Ushuaia und Umgebung sieht aus wie Kanadas Norden oder Alaska. Gleiches kaltes Klima, gleiche Vegetation und Landschaftsform. „Es war der 24. Dezember, als wir in die Stadt fuhren. Die Geschäfte hatten noch bis 19 Uhr geöffnet und bei unserem Stadtbummel fanden wir direkt an der Promenade ein super schickes Restaurant“, erzählt das Paar. „Wir haben einen Tisch reserviert und sind mit unserer ’besten Globetrotter-Garderobe’ in dieses tolle Lokal. Alle kamen in Abendgarderobe, die Frauen im Cocktailkleid, toll geschminkt und mit Schmuck behangen.“

In diesem Spitzenrestaurant gab es nur ein Menü. Ein Vorspeisenbuffet, danach drei Hauptgänge zur Auswahl und dann das Überraschungs-Dessertbuffet. „Das Vorspeisen-Buffet zog sich bis 22 Uhr hin, dann erst kam der Hauptgang“, erinnern sich die Dahler, die von der anstrengenden Reise und dem guten Essen und Trinken völlig platt waren. Sie wollten zahlen, aber die Kellnerin weigerte sich. Die Globetrotter sollten unbedingt noch auf den Nachtisch um 24 Uhr warten.

„Dann ging das Licht aus, alle waren still, jeder hatte flackernde Wunderkerzen auf dem Tisch“, beschreibt Eleonore Schmitz-Hegemann die Situation. „Die Leute fielen sich um den Hals und wünschten sich frohe Weihnachten. Ein Spektakel wie bei uns zu Silvester. Als das Licht anging, stand ein überwältigendes Dessertbuffet auf dem Tisch. Die Geschenke wurden bei allen ausgepackt, und die Kinder sprangen durchs Restaurant. Die Mädchen tanzten, und wir wurden traurig, weil wir an zu Hause und unsere Enkelkinder dachten.“ Der Reisebericht wird bald fortgesetzt.

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