Ausbildung im Handwerk

Hagen. (ric) Mit den Halbjahreszeugnissen wird es nun auch wieder dringend Zeit für Bewerbungen. Schließlich gilt es nun, im Endspurt auf Ausbildungsplätze noch einmal alles zu geben. Die Hagener Kreishandwerkerschaft hält mit rund 20 Ausbildungsplätzen in allen Bereichen von Anlagenmechanik bis Zahntechnik eine breite Angebotspalette bereit. Michaela Trzecinski, Leiterin des Projektes „SchulWerk – Schule trifft Handwerk“ bei der Agentur Mark, ist derzeit mit Achim Gilfert, Ausbildungsmanager der Kreishandwerkerschaft, an allen Hagener Hauptschulen unterwegs, um in den Abschlussklassen für eine Ausbildung im Handwerk zu werben.

Vermittlungsquote stark gestiegen

Michaela Trzecinski (vo.l.) und Achim Gilfert (dahinter) klären Schüler der Hauptschule Vorhalle im Rahmen der Aktion „SchulWerk - Schule trifft Handwerk“ über ihre Möglichkeiten und beruflichen Chancen im sicheren Handwerk auf. (Foto: ric)

Den Anfang machte dabei die Hauptschule Vorhalle. „Die Schüler wissen oft gar nicht, welche Berufe überhaupt zum Handwerk gehören“, klärt Michaela Trzecinski auf. Dies bestätigt auch eine Umfrage unter den Schülern. Doch dann sprudeln die Antworten: Vom Zimmermann über Maurer, Maler bis hin zu Konditoren ist alles vertreten.

Die Frage, ob Betriebe überhaupt Bewerber von Hauptschulen erhalten möchten, räumt die Mitarbeiterin bei der agentur mark auch direkt aus dem Weg: „Ihr habt alle eine Chance.“ Dies zeigen auch die Vermittlungsquoten der Schule. Schulleiterin Susanne Ruhkamp betont: „Mit einer Quote von gut 25 Prozent im letzten Jahr waren wir schon gut aufgestellt. Wir hoffen natürlich, dass das 2011 wieder klappt. Wenn wir heute noch den einen oder die andere überzeugen können, dass eine Ausbildung im Vergleich zum weiteren Schulbesuch die bessere Alternative ist, hat sich die Aktion gelohnt.“

Begonnen hat die Vorhaller Schule übrigens mit einer Quote von 12 Prozent. Man erkennt deutlich, dass sich die Anstrengungen und die enge Zusammenarbeit mit den Betrieben lohnt.

Studieren ohne „Abi“

Natürlich ist die Schulbildung wichtig. Doch sie ist nicht alles: „Tatsächlich schafft nur ein Drittel aller Schüler auch den höheren Abschluss“, klärt Achim Gilfert auf. Deshalb ist die Entscheidung für eine Ausbildung oft der bessere Weg. Und auch die Angst, sich bereits mit 16 Jahren für immer auf einen Beruf festzulegen, ist unbegründet. „Der Arbeitsmarkt heute verändert sich. Damit variieren aber auch die Bedingungen für euch Jugendliche“, weiß Michaela Trzecinski. Schließlich stehen nach der Ausbildung noch viele Wege offen: Mit Weiterbildungsmaßnahmen, Technikern, Meistern und einem universitären Studium stehen viele Optionen zur Verfügung.

Diese Information schlägt bei den Zehntklässlern ein wie eine Bombe: „Ich kann als Maurer auch Medizin studieren?“ fragt einer der Schüler entgeistert. „Doch natürlich. Nach der Ausbildung und drei Jahren Berufstätigkeit ist das möglich,“ antwortet Gilfert schmunzelnd. Weitere Informationen zum Studium ohne Abitur gibt es im Internet auf www.uebergangswelten.de.

Handwerk ist sicher

Aber es gibt noch weitere Vorteile in den handwerklichen Berufen: „Die Verdienstmöglichkeiten sind super“, erklärt Michaela Trzecinski. „Und es handelt sich um sichere Berufe.“ Als in der Wirtschaftskrise Tausende ihre Arbeit verloren, blieb das Handwerk weitgehend verschont, stimmt Gilfert ihr zu. Noten allein sind übrigens nicht ausschlaggebend für den Erfolg einer Lehre. Zwar spielt Mathematik in den meisten Berufen eine Rolle. Wichtiger als schulisches Wissen sind aber oftmals Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. Und auch die Chemie zwischen Handwerker und Azubi muss stimmen. Schließlich arbeiten die Kollegen im Team eng miteinander.

Damit die Jugendlichen gut auf den Beruf vorbereitet sind, unternimmt die Schule viel: Dazu gehört neben dem Jahrespraktikum auch eine intensive Beratung und Begleitung. Jörg Konieczka arbeitet an der Vorhaller Hauptschule als Studienkoordinator. Er betreut seine Schüler, hilft ihnen und fährt den ein oder anderen auch schonmal zu den Betrieben. „Man muss immer bedenken, dass die Jugendlichen ja noch sehr jung sind“, sagt Michaela Trzecinski und fügt hinzu: „Man kann aber nicht erwarten, dass es nur die Aufgabe der Schulen und der künftigen Azubis selbst ist, an die Betriebe heran zu treten. Vielmehr sollten auch die Unternehmen auf die Schüler zugehen.“

Damit dies geschieht, setzen sich die Kreishandwerkerschaft und die Agentur Mark unermüdlich ein. Schließlich haben fast die Hälfte aller Azubis im Handwerk einen Hauptschulabschluss.