„Autofit“ im Alter

Hagen. (ME/ pr-nrw) Um das Thema „im Alter sicher mit dem Auto unterwegs“ ging es in der vergangenen Woche am wochenkurier-Lesertelefon. Das Telefon stand kaum still – das Thema brannte offenkundig unter den Nägeln. Über einige Fragen und Antworten informiert. Heute folgt der 2. Teil:

Die Expertinnen am Lesertelefon waren: Sandra Demuth, Referatsleiterin beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) in Bonn; Dr. med. Martina Albrecht, Oberregierungsrätin, Referat Verkehrspsychologie und Verkehrsmedizin in der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt), Bergisch Gladbach; Tatjana Contzen, Pädagogische Leiterin der Verkehrs-Kolleg GmbH, Leverkusen.

Ich habe eigentlich nur in der Dunkelheit Probleme beim Fahren, besonders bei Nässe …

Dr. Martina Albrecht: Eine Verschlechterung des Sehvermögens bei Nacht und eine erhöhte Blendempfindlichkeit sind typisch für das höhere Lebensalter. Hier hilft in der Regel auch keine neue Brille, sondern einzig die Vermeidung von Nachtfahrten.

Mir als älterem Autofahrer begegnen andere Autofahrer oft aggressiv und rücksichtslos. Ständig dieses Drängeln und Rasen – warum wird dagegen nichts unternommen?

Tatjana Contzen: Drängeln und Rasen sind durch die Straßenverkehrsordnung im Rahmen der Geschwindigkeits- und Abstandsregelung untersagt und werden auch bestraft. Unabhängig davon, dass ein solches Verhalten inakzeptabel ist, sollten Sie sich fragen, wie häufig Ihnen das passiert und ob es dafür möglicherweise einen Grund gibt. Denn auch zu langsames Fahren ohne Grund ist laut Straßenverkehrsordnung verboten. Überprüfen Sie kritisch, wann, wo und wie häufig Sie in solche Situationen geraten. Möglicherweise bringt Ihnen ein Fahrfitnesscheck oder die Rückmeldung durch einen Fahrlehrer Gewissheit.
Mein Mann ist 78 und ich merke, dass er zunehmend unsicherer fährt. Ich mag fast gar nicht mehr mitfahren, weiß aber nicht, wie ich das Thema ansprechen soll

Sandra Demuth: Bei diesem sensiblen Thema sollte das Gespräch gut vorbereitet sein: Machen Sie sich klar, welches Ziel Sie mit dem Gespräch verfolgen, zum Beispiel, ob der Partner einen Gesundheitscheck machen oder ein Sicherheitstraining absolvieren soll. Formulieren Sie Ihre Bedenken nicht als Vorwurf, sondern gehen Sie auf Befürchtungen und Ängste ein. Schildern Sie Ihr Erleben und die Bedenken, die Sie haben. Sie können auch den Hausarzt hinzuziehen, der als neutrale Instanz vermitteln und entsprechende Lösungen vorschlagen kann.

Ich bin Mitte siebzig und will ein neues Auto anschaffen. Gibt es besonders geeignete Modelle?

Tatjana Contzen: Grundsätzlich eignen sich Modelle mit bequemem Einstieg und erhöhter Sitzposition und Karosserieformen, die vor allem hinten eine gute Übersicht gewährleisten. Viele Hersteller haben sich auf die Sicherheitsbedürfnisse älterer Autofahrer eingestellt und bieten Fahrerassistenzsysteme an. Ein Spurhalteassistent hilft, die Fahrspur einzuhalten, ein Toter-Winkel-Assistent verhindert, dass Sie seitlich Fahrzeuge übersehen. Eine enorme Erleichterung sind Einparkhilfen, die je nach Modell das Auto fast selbstständig einparken. Lassen Sie sich vor dem Kauf beraten oder informieren Sie sich unter www.bester-beifahrer.de. Dort werden alle Systeme verständlich erklärt.

Wir wohnen auf dem Land und sind für Einkäufe und Arztbesuche auf das Auto angewiesen. Wie soll das gehen, wenn wir nicht mehr fahren können?

Sandra Demuth: Zugegeben – auf dem Land fällt der Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel manchmal schwer. Es entstehen jedoch immer mehr örtliche Initiativen wie Bürgerbusse oder Fahrdienste, die Sie in Anspruch nehmen können. Übrigens: Auch eine Taxifahrt zum Arzt oder in die Stadt ist gar keine so große finanzielle Belastung.

Ich bin Anfang siebzig, aber noch sehr fit. Allerdings nehme ich regelmäßig Medikamente gegen meinen Diabetes ein. Können diese die Fahrtüchtigkeit beeinflussen?

Dr. Martina Albrecht: Besprechen Sie das Thema auf jeden Fall mit Ihrem behandelnden Arzt. Bei Medikamenten treten Probleme vor allem zu Beginn einer Behandlung auf und wenn die Dosierung verändert oder ein Medikament abgesetzt wird. Bestimmte Medikamente machen müde oder erfordern eine längere Pause, bevor Sie sich wieder ans Steuer setzen. Speziell bei Diabetes ist eine gute Einstellung des Blutzuckerspiegels wichtig. Eine Unterzuckerung am Steuer kann sogar zu Bewusstlosigkeit führen.

Fahrsicherheitstrainings für ältere Autofahrer: Was bringt ein solches Training – und wer bietet es an?

Tatjana Contzen: Fahrsicherheitstrainings finden auf speziellen Übungsplätzen statt und erlauben es, Situationen zu trainieren, deren Beherrschung im Alltag Leben retten können. Sie trainieren Gefahrbremsungen, Ausweichmanöver und Kurventechniken mit dem eigenen Auto. Angeboten werden solche Trainings von den Verkehrswachten und Automobilclubs. Oder wenden Sie sich an eine Fahrschule vor Ort, die Ihnen Adressen nennen kann.

Fit genug zum Fahren? – Machen Sie den Test!

Sehen, Hören, Informationsverarbeitung, Gedächtnisleistung – der Selbsttest des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) schafft erste Klarheit, ob man noch sicher mobil ist. Der Test kann zu Hause am Computer in Ruhe und anonym durchgeführt werden. Das Programm führt durch die verschiedenen Aufgaben und fasst am Ende zusammen, wie die Testperson abgeschnitten hat. Einen Besuch beim Arzt ersetzt der Selbsttest jedoch nicht: www.dvr.de/aktionen/aktion-schulterblick_selbsttest.htm.