AVU erhöht Wasserpreise: Kaum Gestaltungsmöglichkeiten

EN-Kreis. Nach fast 20 Jahren erhöht die AVU die Allgemeinen Tarife für Wasser. Die Wasserpreise steigen ab 1. Januar 2018 um 0,16 Euro/m³ beim Mengenpreis auf 2,05 Euro/m³ (alle Angaben brutto mit 7% Mehrwertsteuer). Der Grundpreis ist abhängig von der Art der Messung und der Größe des Zählers und steigt um rund zehn Prozent.

Am häufigsten kommt die Verbrauchsmessung über einen Zähler (Durchflussmenge 2,5-5 m³ pro Stunde) vor: Hier beträgt die Erhöhung 16,56 Euro auf dann 187,25 Euro im Jahr. Das sind rund drei Euro mehr im Monat oder ein Anstieg von neun Prozent für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von rund 120 m³ .

„Anspruchsvolles“ Versorgungsgebiet

AVU-Vorstand Uwe Träris machte deutlich: „Wir haben die Wasserpreise seit 20 Jahren nicht erhöht.“ Geringe Veränderungen nach oben und unten habe es nur wegen des Wasserentnahmeentgeltgesetz NRW gegeben. Er wies auf die Besonderheiten für das Unternehmen hin: Im Versorgungsgebiet habe man im Vergleich zu anderen Wasserversorgern weniger Kunden bzw. Anschlüsse pro Kilometer Netzlänge. Außerdem sei der Ennepe-Ruhr-Kreis ein „anspruchsvolles“ Versorgungsgebiet mit insgesamt 35 Druckzonen zwischen Breckerfeld und Wetter. Das Trinkwasser wird auf dem Weg zum Kunden so manchen Berg hochgepumpt, der Druck also erhöht. Und beim Transport bergabwärts muss der Druck wieder gemindert werden.

Noch wichtiger sei aber der demographische Faktor: Der Bevölkerungsrückgang in den vergangenen 25 Jahren sei stärker als im Landesdurchschnitt. Andere Regionen verzeichnen sogar einen Zuwachs an Bevölkerung und damit auch an Trinkwasser-Verbrauchern.

Unternehmerische Gestaltungsmöglichkeiten habe man kaum noch, so Träris. Und er betonte: „Wir haben dieses Vorgehen mit der Landeskartellbehörde abgestimmt.“

Kaum noch Gestaltungsmöglichkeiten gibt es auch beim Strompreis. Zwar spielen durch die Energiewende erneuerbare Energien und Energieeffizienz eine immer größere Rolle in der Stromversorgung. Finanziert wird dies aber durch staatliche Abgaben und Entgelte, auf die die AVU keinen Einfluss hat. Deshalb erhöht das Unternehmen ab 1. Januar 2018 die Strompreise – und zwar um 1,19 Cent brutto pro verbrauchte Kilowattstunde (kWh). Der Grundpreis bleibt unverändert. Die Preiserhöhung gilt für die Grundversorgung und alle Vertragsarten bei Haushalts- und Gewerbekunden. Eine gute Nachricht gibt es auch noch: Der Gaspreis bleibt stabil.

„Inkasso-Einrichtung“ für den Staat

„Wir sind quasi die Inkasso-Einrichtung für den Staat: Als Energielieferant leiten wir nämlich die Steuern, Abgaben und Entgelte nur weiter – ohne davon zu profitieren. Kostensteigerungen seit der letzten Preiserhöhung vom 1. März 2016 haben wir bisher übernommen. Ab 2018 steigen vor allem die Netzentgelte. Da bitten wir unsere Kunden um Verständnis, dass wir einen Teil dieser Preisanstiege jetzt weitergeben müssen“, erläuterte AVU-Vorstand Uwe Träris.

Ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 2.000 kWh zahlt monatlich etwa 1,98 Euro mehr. Bei 3.500 kWh Jahresverbrauch sind es rund 3,47 Euro (alle Angaben brutto mit 19% Mehrwertsteuer). Das entspricht jeweils einer Steigerung von vier Prozent. „Weniger als 20 Prozent des Preises werden vom Markt bestimmt. Rund 80 Prozent, also ein Großteil, entfällt auf Steuern, Abgaben und Netznutzungsentgelte“, sagte Träris.