Baby darf nicht nach Hause

Anja Dodt hält für ihren kleinen Sohn, der seit seiner Geburt bei einer Bereitschaftspflegefamilie untergebracht ist, alles bereit. Nach drei Monaten sollte der Junge endlich nach Hause kommen, doch das Jugendamt weigert sich, das Baby herauszugeben. (Foto: Anna Linne)

Hagen. (anna) Als die 34-jährige Anja Dodt aus Haspe im Juni dieses Jahres ihr viertes Kind zur Welt brachte, gab sie wenig später dem Drängen des Jugendamtes nach, das Neugeborene drei Monate lang bei Bereitschaftspflegeeltern unterzubringen. Erst sollte sich die alleinerziehende Mutter mit ihren bisherigen drei Kindern – Dominik (13), Vanessa (9) und Tobias (7) – eine neue Bleibe suchen, denn die Wohnung an der Kölner Straße wurde vom Jugendamt für zu klein befunden. Nun hat Anja Dodt ein neues Zuhause im Hasperbruch gefunden, eine helle 82 Quadratmeter große Wohnung, doch das Baby mit Namen Samuel Ilai darf trotzdem nicht nach Hause zurück.

Die junge Mutter ist verzweifelt, sie weiß nicht, was sie machen soll. Sie fühlt sich von der Behörde komplett verschaukelt, denn man habe ihr versprochen, dass die „Inobhutnahme“ des Säuglings nur kurze Zeit gelte.

Ohne Hartz IV

Elf Jahre lang war die gelernte Hauswirtschaftshelferin mit dem Vater ihrer drei Kinder verheiratet. Dann ging die Ehe in die Brüche. Heute verkehren die Beiden freundschaftlich miteinander. Der Vater kümmert sich um seine Kinder und zahlt auch für deren Unterhalt, so dass die Mutter auf Hartz-IV-Leistungen verzichten kann.

Doch das Geld ist natürlich immer knapp. Ihre Schulden schätzt Anja Dodt auf circa 20.000 Euro, die meisten hat sie bei der Krankenkasse. Eine Summe, die sie sehr belastet. Obwohl alle drei Kinder auf eine Förderschule gehen, die beiden Jungen sind sogar bis 16 Uhr dort untergebracht und nur die Tochter kommt schon mittags nach Hause, fühlt sich die Mutter manchmal überlastet. So auch nach der Trennung von ihrem Mann. Ihre vier Geschwister sowie ihre vier Halbgeschwister rieten ihr deshalb, sich Hilfe beim Jugendamt zu suchen.

Bitter bereut

Die bekommt sie dann auch in Form einer Familienhilfe. „Den Schritt habe ich später bitter bereut“, berichtet Anja Dodt, „denn die Leute vom Jugendamt sahen immer noch mehr Schwierigkeiten als ich eigentlich hatte. In alles mischten sie sich ein, ich kam überhaupt nicht zur Ruhe.“

Dann lernt Anja Dodt im Internet einen Mann aus Gelsenkirchen kennen, verliebt sich und wird schwanger. Pech nur, dass sich der Mann nach dieser Nachricht komplett zurückzieht und seine Vaterschaft bis heute nicht anerkennt.

„Das Jugendamt rät mir, das Kind zur Adoption frei zu geben“, berichtet Anja Dodt, doch sie denkt nicht daran. Sie will ihr Kind behalten. Eine schwere, nicht in den Griff zu kriegende Schwangerschaftsdiabetes macht ihr und dem Kind zu schaffen. „Schließlich war der Herzmuskel des Babys durch meinen Zucker schon so angegriffen, dass die Ärzte die Geburt in der 37. Schwangerschaftswoche einleiten müssen.“ Samuel Ilai kommt mit schwerem Zucker zur Welt und muss seine drei ersten Lebenswochen auf der Intensivstation des Allgemeinen Krankenhauses verbringen.

Erst einmal…

„Das Jugendamt befand es für besser, den Kleinen erst einmal bei Pflegeeltern unterzubringen. Nach Rücksprache mit meinem Rechtsanwalt gab ich der Behörde eine schriftliche Einverständniserklärung. Man versprach mir, dass ich das Kind dann nach drei Monaten wiederbekommen würde“, berichtet Anja Dodt. „Der Anwalt meinte damals, wenn ich dem nicht zustimme, könne das Jugendamt per einstweiliger Verfügung das Kind für längere Zeit von mir fernhalten und der Kampf ums Kind könne Jahre dauern. Ich habe das damals eingesehen.“

Jetzt sind die drei Monate herum, die neue Wohnung ist bezogen und Kinderbett und Kinderwagen warten auf ihren Gebrauch. Noch am Mittwoch hatte die 34-Jährige, zusammen mit ihrem Ex-Mann, einen Termin beim Jugendamt.

Nie wieder…

Dort soll man ihr gesagt haben, dass sie ihr Kind nie wieder bekommen wird. „Sie haben sogar versucht, meinen Ex-Mann zu überreden, dass er das Sorgerecht für unsere drei Kinder beantragen soll“, ereifert sich die Mutter, „nur weil ich mir vom Jugendamt keine Finanzberaterin vor die Nase setzen lassen wollte. Ich habe das Gespräch abgebrochen und erst einmal sämtliche Hilfen abgelehnt“, meint die Hasperin, „ich kann den Beamten einfach nicht mehr vertrauen.“

Ihr Baby darf Anja Dodt alle 14 Tage für eine Stunde im Beisein der Pflegemutter sehen. „Die Pflegemutter ist wirklich sehr nett, aber mein Junge kennt mich überhaupt nicht“, schluchzt die vierfache Mutter, die auf die baldige Rückkehr ihres Kleinen hofft. „Wenn ich Samuel Ilai wiederhabe, darf mich auch die Familienhilfe wieder aufsuchen“, meint die junge Mutter, die gerne beweisen möchte, dass sie durchaus vier Kinder großziehen kann.