Bahnhof und Elbers

Von Michael Eckhoff

Hagen.  Längst nimmt der „Tag des offenen Denkmals“ auf der bundesweiten Veranstaltungsliste einen prominenten Platz ein. Immer am zweiten September-Sonntag erscheint er auf dem Programm – natürlich stets auch in Hagen. Die meisten Veranstaltungen im Lande stehen für den 11. September mittlerweile fest – nachzulesen auch auf der von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz eingerichteten Internet-Seite „www.tag-des-offenen-denkmals.de“.

Das 19. Jahrhundert

„Romantik, Realismus, Revolution – Das 19. Jahrhundert“ heißt das 2011er Motto. Damit widmet sich der Denkmaltag heuer einer der stilistisch vielseitigsten und an technischen Neuerungen reichsten Epochen der Bau- und Kunstgeschichte.

Politisch wie gesellschaftlich war das 19. Jahrhundert von Umbrüchen geprägt: Durch die napoleonischen Kriege und den Rheinbund wurde das Heilige Römische Reich Deutscher Nation handlungsunfähig und erlosch. Napoleons Einfall, die Neuordnung Europas im Wiener Kongress 1815 und die Reichsgründung 1871 brachten weitreichende strukturelle Veränderungen mit sich. Infolgedessen wurden auch viele kirchliche Besitztümer – etwa das Stift Elsey und das Stift Herdecke – sowie deren Herrschaftsgebiete aufgelöst und von weltlichen Herren übernommen.

Weiterentwicklungen wie auch Rückgriffe prägten nicht nur das gesellschaftliche und politische Leben des 19. Jahrhunderts, sondern nahmen auch starken Einfluss auf die Architektur und die bildenden Künste dieser Zeit.

Verbesserte Transportmittel

Wirtschaftliche Blüte, verbesserte Reisewege und Transportmittel machten das Reisen im 19. Jahrhundert vielen Künstlern und Wissenschaftlern möglich. Ideen und Stile wurden neu miteinander kombiniert und über die Landesgrenzen hinaus ausgetauscht. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit der eigenen Geschichte sowie deren romantische Verklärung führten in Architektur und bildender Kunst zu einer Rückbesinnung auf die Formensprache der Vergangenheit: Von der Kunst der Antike bis zum Barock wurden die unterschiedlichen Elemente miteinander verbunden und quasi neu entwickelt („Historismus“).

Die Industrialisierung und die damit verbundene Landflucht verursachten tiefgreifende Veränderungen in der Baukultur der Städte. Gerade in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebten die Städte einen massiven Umbau, der auf neuen architektonischen Konzepten basierte: Neue Arbeiterquartiere entstanden und mit ihnen Schulen, Krankenhäuser, Kirchen und Volksparks, die noch heute das Bild vieler Städte prägen. Typisch hierfür sei stellvertretend der Hagener Stadtgarten genannt – seinerzeit geplant von einem der bedeutendsten Gartenarchitekten des 19. Jahrhunderts: von Heinrich Siesmayer.

Bahnhof und Elbers

In Hagen wird der Tag des offenen Denkmals vormittags an einem Ort eröffnet, der hervorragend zum Motto passt: am Hauptbahnhof. Schließlich waren es die Eisenbahnen, die die Industrielle Revolution extrem stark vorangetrieben haben. Und Hagener Bürger waren damals in besonderer Weise beteiligt – man denke nur an die Gebrüder Harkort.

Etwas Ähnliches wie eine „Revolution“ ergab sich auch in der Textilindustrie. Mit den neuen, hauptsächlich in England erfundenen und fabrizierten Maschinen konnte Baumwollware in gigantischer Menge zu günstigen Preisen produziert werden. Ab etwa 1850 knüpften deutsche Unternehmer an dieses Vorbild an – zum Beispiel im Münsterland. Oder auch im Raum Hagen, wo die Firma Elbers bald eine herausragende Rolle einnahm. Mit – in der Blütezeit – rund 1000 Beschäftigten gehörte sie im seinerzeitigen Kreis Hagen mit Abstand zu den größten Arbeitgebern. Dieser Textilfabrik zwischen Markt und Oberhagen will man sich am 11. September ebenfalls widmen. So wird es nachmittags Führungen über das Gelände mit seiner hochspannenden Architekturkulisse geben.

Das genaue Programm des diesjährigen „Tags des offenen Denkmals“ in Hagen wird demnächst noch im wochenkurier bekannt gegeben.