Bahnhofshinterfahrung: Baustopp

Bei diesem Beitrag handelt es sich natürlich um einen Aprilscherz.
Die Bauarbeiten an der Hinterfahrung finden (hoffentlich) wie geplant statt.
– Die Redaktion, 4. April 2016

Hagen. (ME) Dem Weiterbau der Hagener Bahnhofshinterfahrung drohen massive Verzögerungen. Die Stadtplanungsbehörden haben am heutigen Freitag, 1. April, bereits einen Baustopp verfügt. Schuld ist die Entdeckung einer seltenen Tierart.

Ein sichtlich aufgebrachter Oberbürgermeister informierte die Öffentlichkeit über den Baustopp an der Bahnhofshinterfahrung. (Foto: Wk)
Ein sichtlich aufgebrachter Oberbürgermeister informierte die Öffentlichkeit über den Baustopp an der Bahnhofshinterfahrung. (Foto: Wk)

Das ist binnen einer Woche die zweite Hiobsbotschaft für die Bauabteilung der Stadtverwaltung. Bereits zu Beginn der Woche war bekannt geworden, dass an den Gestaden des Kettelbachs in Haspe ein Haselhuhn entdeckt worden ist. Durch diese Entdeckung könnte der Start zum Bau des Baumwipfelpfades am Kaiser-Friedrich-Turm erheblich verzögert werden. Spötter behaupten zwar, das Tier sei von Anwohnern des Kettelbachtals ausgesetzt worden, um den Wipfelpfad zu verhindern. Doch das muss erst einmal bewiesen werden.

Sauerländer Unterart

Jetzt ist also auch die Bahnhofshinterfahrung betroffen. Entdeckt wurde hier eine kleine Population der „Sauerländischen Gebirgsratte“, fachlich richtiger: Gebirgstaschenratte – „Thomomys bottae winterbergensis“.

Diese Tierart war früher auf der gesamten Nordhalbkugel verbreitet, wurde aber im Laufe der vergangenen Jahrzehnte überall von der örtlichen Rattenkonkurrenz vernichtet. Nur noch im westlichen Teil der USA, in Nordmexiko und bei uns im Sauerland rund um den Kahlen Asten – hier in Form der Unterart „Winterbergensis“ – hat sich diese possierliche Art erhalten können. Gebirgs-Taschenratten sind kompakt gebaut, haben einen großen Kopf, kurze Beine und kräftige Krallen.

Die Tiere weisen eine Länge in Amerika von mehr als zwanzig, bei uns meist unter 20 Zentimetern auf und haben eine Schwanzlänge von 48 bis 85 mm. Sie leben von Pflanzenteilen, die sie bevorzugt unter der Erde verfuttern.

Für Biologen eine Sensation, für die Stadt ein Desaster: In Hagen wurde eine Population der „Sauerländischen Gebirgsratte“ entdeckt. (Foto: Wk)
Für Biologen eine Sensation, für die Stadt ein Desaster: In Hagen wurde eine Population der „Sauerländischen Gebirgsratte“ entdeckt. (Foto: Wk)

Sensationelle Entdeckung

Entdeckt wurde die Hagener Population von Bodo Schlötzer. Er ist ehrenamtlicher Umweltwächter und von der Biologischen Station Volmetal damit beauftragt, regelmäßig große Baustellen zu inspizieren und darauf zu achten, „dass keine Umweltschweinereien passieren“. Er erzählt: „Am Dienstagabend habe ich mal wieder den Mündungsbereich von Ennepe und Volme unter die Lupe genommen. Und auf einmal dachte ich, ich traue meinen Augen nicht – da spielten doch tatsächlich unmittelbar vor mir ein paar Ratten im Ufergebüsch. Sie hatten mich offenbar nicht bemerkt. Sofort fiel mir auf, dass ich es nicht mit den üblichen Ratten zu tun hatte, sondern mit einer Art, die mir bislang nur ein einziges Mal begegnet war – nämlich am Oberlauf der Lenne.“

Schlötzer ist dann sofort nach Hause geeilt, um Bestimmungsbücher zu wälzen und um Experten der Biologischen Station am Kahlen Asten zu Rate zu ziehen. Am Donnerstag war allen Beteiligten klar: Schlötzer hatte eine Sensationsentdeckung gemacht. „Im Rathaus war man über meine Entdeckung wenig erfreut“, erzählt er weiter. „Die Stadt Hagen war erst bereit zu handeln, als wir damit gedroht haben, nötigenfalls vor dem Landgericht eine ‚Einstweilige Anordnung für einen Baustopp‘ zu erwirken.“

Teure Neuplanung

Warum sich die Tierchen von der Unterart „Thomomys bottae winterbergensis“ ausgerechnet am Zusammenfluss von Ennepe und Volme erhalten konnten, kann er sich momentan noch nicht erklären. Er mutmaßt: „Dieser Bereich war jahrzehntelang von Werkshallen der Firma Funcke & Hueck überbaut. Wahrscheinlich konnte der kleine Nager hier überleben, weil er gut vor seinen Feinden geschützt war.“

Die Stadtplaner sind einigermaßen ratlos, wie sie nun weiter verfahren sollen. Eins scheint sicher zu sein: Der Verlauf der Straße wird neu geplant werden müssen. Das wird mindestens eine Million Euro verschlingen. „Und das nur wegen ein paar Ratten“, regte sich ein Planer im Exklusiv-Interview mit dem Wochenkurier auf, natürlich möchte er namentlich nicht genannt werden.

Schlötzer als rühriger Hobby-Biologe sieht das anders: „Wenn eine seltene Tierart erhalten werden kann, müssen wir Menschen halt Opfer bringen.“