Balkonbepflanzung ade!

Seitdem sich nicht nur die Eigentümergemeinschaft, sondern jetzt auch noch die Vermieterin von Rainer Voss an der Balkongestaltung des Pensionärs stören, schneidet er die Brombeeren, die ihm als Sichtschutz und Vitaminspender dienten, komplett herunter. (Foto: Anna Linne)

Hagen. (anna) Dass sich der 71-jährige Pensionär Rainer Voss von seiner Blumenpracht auf dem Balkon in der Malmedystraße trennen soll, war Thema des Artikels „Blumen müssen weg“ im wochenkurier. Die Eigentümerversammlung hatte beschlossen, die überhängende Blumenpracht zu Gunsten der Einheitlichkeit der beiden Häuser mit Eigentumswohnungen zu opfern.

Seit 12 Jahren wohnt Rainer Voss mit Ehefrau Carmen dort zur Miete und genauso lange hegt und pflegt er sein Blumenparadies, das in diesem Jahr für so großes Aufsehen sorgt.

Rainer Voss hatte gehofft, dass sich die Wogen wieder glätten und der alberne Streit um seine Blumen beigelegt werden kann. Doch es kam noch schlimmer. Auch seine Vermieterin will nun, dass Blumen und Brombeerhecke, die Rainer Voss als Sichtschutz dient, beseitigt werden. Dann kam auch noch ein Brief vom Anwalt, der ihm eine Geldstrafe androhte, wenn er Gefordertem nicht nachkäme.

Rainer Voss, der Mitglied im Mieterschutzverein ist und sich mit dessen Hilfe wehren könnte, gibt nun auf. Beim Blättern im Mieterschutzgesetz findet Voss folgenden Passus:

Gestaltet der Mieter seine Balkonbepflanzung derart, dass sie in erheblichem Umfang über die Brüstung herüberragt, obwohl sich unterhalb des Balkons eine Terrasse befindet, und verursacht die Balkonbepflanzung durch herabfallende Blüten, Pflanzenbestandteile und Vogelkot dort Verunreinigungen, kann der Mieter der Erdgeschosswohnung vom Vermieter fordern, dass er gegen diesen Mieter vorgeht und von diesem verlangt, die Bepflanzung zurückzuschneiden, so dass diese nicht mehr über die Brüstung herüberragt. AG Brühl, Urteil vom 31. Oktober 2000, Az: 21 C 256/00.

Doch unter Rainer Voss’ Balkon befindet sich keine Terrasse, sondern nur ein Stück Vorgarten, so dass man heruntergefallene Blüten nicht als Verschmutzung bezeichnen kann.

Doch weiter heißt es:

Das Abstellen eines Blumenkastens auf dem Fensterblech außerhalb der Wohnung oder außerhalb der Balkonbrüstung stellt eine Sondernutzung dar, auf die der Mieter keinen Anspruch hat. Die Außenseite der Balkonbrüstung zählt zur Hausfassade und liegt damit außerhalb des gemieteten Objektes. Das bedeutet, dass Rainer Voss die beiden Blumenampeln an der Außenseite des Balkon wohl tatsächlich entfernen muss.

Allerdings heißt es auch:

Hat der Vermieter die Sondernutzung jahrelang geduldet, kann er Entfernung des Blumenkastens nur bei Vorliegen eines sachlichen Grundes verlangen. AG Schöneberg, Urteil vom 11. Oktober 2001, Az: 13 C 367/00 Grundeigentum 2001, 1678

Der Pensionär ist jedoch des Kämpfens müde. Mit einer Heckenschere entfernt er vorsichtig seine geliebten Brombeeren, die nicht einmal reif sind. Traurig steht er vor dem dürren Schnittwerk. Er vermutet, dass es andere Gründe sind, warum man sich jetzt plötzlich über seine Pflanzen hermacht. Ändern kann es jedoch nichts und vertreiben lässt er sich gar nicht…