Beängstigendes Thema: Bildersucht & Cyberflucht

Hagen. Das Thema brennt. Immer mehr Jugendliche, aber auch Erwachsene verbringen endlose Stunden vor dem Bildschirm oder am Smartphone. Sie versinken völlig in der digitalen Schattenwelt, stürzen sozial ab, vereinsamen und verlieren komplett die Bodenhaftung im realen Leben. Schon die Kleinen sind „medienverseucht“. Junge Eltern geben oft mit ihrem eigenen Medienkonsum schlechte Vorbilder. Bereits manche Fünft­klässler können sich kaum noch wirklich auf irgendetwas Nicht-Digitales konzentrieren.

Ein Jahr lang wird die Ausstellung „Bildersucht & Cyberflucht“ als Erlebnisinstallation und Präventionsprojekt durch Deutschland wandern. Am Sonntag, 4. November, um 12 Uhr wird sie in Hagen im „Jungen Museum“ des Osthaus-Museums am Museumsplatz 1 eröffnet. Dort kann sie bis zum 2. Dezember kostenlos besichtigt werden.

Multimedial und begehbar

In einem begehbaren Kubus verdeutlicht eine Fülle von Bild-, Film-, Ton- und Textmaterialien die Ursachen und Auswirkungen von Medienabhängigkeit. Filmcollagen geben Einblicke in die suggestiven Bilderwelten, die suchtauslösend sein können. Hintergrundwissen, Bildmontagen sowie Interviews mit Betroffenen und Helfern klären auf über das noch junge Phänomen. Zielgruppe sind besonders Jugendliche, aber auch Eltern, Lehrkräfte, Pädagogen und Mediennutzer aller Art.

Maximales Scheitern im echten Leben

„Ganz Deutschland will die Digitalisierung“, sagt der Kurator der Ausstellung, der renommierte Hagener Regisseur Hansjörg Thurn („Die Wanderhure“). Aber wo verläuft die feine rote Grenzlinie zwischen dem gesunden Nutzen der digitalen Welt und ihrem gefährlichen Suchtfaktor? Wie schnell der virtuelle Kosmos der magischen Bilder besonders Jugendliche in fantastische Parallelwelten abdriften lässt, hat Thurn selbst an den eigenen Söhnen erlebt. „Ich war als Filmemacher zunächst sehr wohlwollend den virtuellen Spielwelten gegenüber, die meine Söhne für sich entdeckten, als sie um die 13 Jahre alt waren“, sagt er. Aber dann ist etwas schiefgelaufen und Hansjörg Thurn hat es nicht bemerkt.

Heute sind seine Söhne 25 Jahre alt. „Sie haben sich völlig an die digitale Welt verloren und sind maximal in der realen Welt gescheitert“, gesteht ihr Vater ein. Deshalb hat er die Ausstellung ‚Bildersucht & Cyberflucht‘ konzipiert und auch zu einem Viertel selbst finanziert.

Bildersucht & Cyberflucht
Ein großes Netzwerk trägt die Ausstellung zur Medienabhängigkeit in Hagen: Kurator Hansjörg Thurn (4.v.l.), Dr. Tayfun Belgin (2.v.l.) , Direktor des Osthaus-Museums, und Dr. Elisabeth May (l.), Leiterin des Jungen Museums, werden unterstützt von Experten aus der Drogenhilfe Hagen, der Fachstelle Suchtvorbeugung, der Awo und etlichen anderen Akteuren. (Foto: Claudia Eckhoff)

Führungen und Vorträge

Eingebettet ist die Ausstellung in Hagen in ein Rahmenprogramm mit Führungen und Angeboten für Klassen. Ein Infotisch gibt viele praktische Tipps etwa zur Sicherheit im digitalen Netz. Neben dem Osthaus-Museum engagieren sich hier die Drogenhilfe Hagen und die Fachstelle Suchtvorbeugung, sowie das Kulturzentrum Pelmke und das Comic-Center Hagen.

„Internetsucht – Wann sprechen wir davon? Wege in die Sucht und aus der Sucht heraus“ lautet das Vortragthema am Mittwoch, 7. November, um 17 Uhr im Osthaus-Museum. Unter dem Titel „Und jetzt zieh ich dir den Stecker!“ spricht Diplom-Psychologe Stephan Pitten am Dienstag, 20. November, um 18 Uhr in der Aula des Theodor-Heuss-Gymnasiums über funktionalen und dysfunktionalen Mediengebrauch. Die Awo und die Suchtvorbeugung der Kommunalen Drogenhilfe laden am Mittwoch, 14. November, um 16.30 Uhr ins Osthaus-Museum ein. Sie geben praktische Hinweise für den Medien-Erziehungsalltag mit besonderem Fokus auf Computerspiele.

Lesung, Film und Buchvorstellung

Weitere Angebote sind eine Lesung mit Thomas Feibel zum Thema Medienkompetenz im Kulturzentrum Pelmke am Mittwoch, 28. November. Das Kino Babylon zeigt am Montag, 19. November um 19 Uhr den Film „Ben X“ und im Comic-Centrum findet am Samstag, 24. November, um 16 Uhr eine Autorinnenlesung des Jugendromans „Instagirl“ für Mädchen ab 12 Jahren statt.