Beats – einfach großartig!

Hagen. (none) Großartig, was am Samstag mehr als 150 Jugendliche im Theater Hagen mit der Uraufführung des Musicals BEATS einem begeisterten Publikum boten! Nicht nur die circa vierzig Darstellenden mit ihrem Gesang, ihrer Sprache, ihrem Tanz; auch all jene, welche sich – ihren besonderen Fähigkeiten entsprechend – im gesamten Produktionsprozess hoch motiviert engagierten! Ob Licht, ob Ton, Bühne, Kostüme oder Maske, ob Plakate, Werbung (eigene Projekt-Homepage!) oder Dokumentationen mit Videokameras u.v.m. – diese begabten jungen Leute schufen vereint ein wohl deutschlandweit einzigartiges Theaterprojekt! Verdientermaßen endete denn auch keine einzige Szene ohne gewaltigen Applaus, ohne lautstarke Akklamationen!

Hut ab! Was die jungen Leute mit „Beats“ auf die Bühne gezaubert haben, ist großartig. (Foto: Theater)

Verwegen bereits der Plan der Theaterpädagogin M. Walter und des Berufsschullehrers J. M Schatz, die fünf Hagener Berufskollegs (Cuno I und II, Kaufmannschule I und II sowie Käthe-Kollwitz) für diese Mammutaufgabe zu gewinnen und aus den mehr als 10.000 Besuchern, von denen sich etwa 8.000 Jugendliche in rund 80 Ausbildungsberufen auf ihre Abschlüsse vorbereiten, das gesamte Personal für eine Musicalproduktion zu rekrutieren. Das alles wurde unter erheblichen Anstrengungen bravourös geschafft.

Seit Dezember

In Zusammenarbeit mit den leitenden Theaterprofis (Regisseur Th. Borowczak, Dirigent St. Müller-Gabriel, Choreograph R. Fernando; Bühne: J. Bammes etc.) begann im Dezember 2011 die Umsetzung. Vier Tage pro Woche wurde geprobt und gecoacht: Tanz, Gesang, Szene! Viele der Jugendlichen opferten ihre Freizeit, manche sogar ihren Urlaub!

Am Samstag – nach kurzer Zeit – hatte man vergessen, dass die meisten Akteure noch nie zuvor mit der Kunstform (Musik-)Theater in Berührung gekommen waren! A. Goldbeck, theatererfahrener Komponist, Arrangeur, Fachmann für Filmmusik, hatte eigens die Musik geschrieben. Sie trug die jungen Künstler durch den Abend, traf offensichtlich Ton und Geschmack der (Jugend-) Zeit und gab den jungen Leuten so Gelegenheit zu authentischem Ausdruck. Im kleiner besetzten Orchester dominierte eine Rockband. D. Weigmann, Gitarristin, Sängerin, Songwriterin, gab den mehr als zwanzig Liedern in BEATS die textlich-treffliche Gestalt.

Am Herzen

J. M. Schatz verfasste das Libretto, in das vieles einfloss aus den beinahe 100 Vorschlägen, die Jugendliche formuliert hatten; Themen, die am Herzen lagen. Das Spektrum reichte vom Kampf um den Erhalt eines Jugendzentrums über „Kulturkämpfe“ – E gegen U -, von gruppendynamischen Ressentiments gegenüber allem Fremden, vom Machogehabe potenzstrotzender Jünglinge bis zur rührenden Lovestory, die auch eine platinblond-intrigante Minirock-Tussi nicht gefährden kann. Sogar das Thema Gleichgeschlechtlichkeit wurde tapfer erörtert: eine junge Frau outet sich – und das war gut so! Ohne das lobenswerte Bemühen um eine zeitgemäße Sprache und Form für junges Theaterpublikum zu schmälern: bisweilen geriet der Plot verdächtig nahe an Vorabendserien à la GZSZ etc.!

Liebe zur Musik

Namentliche Würdigung hätten in diesem prachtvollen Kollektiv alle verdient, bis hin zu den vielen kleineren Parts. Stellvertretend für sie dennoch die sogenannten „Hauptrollen“ mit ihrem profinahen Spiel und ihren ausdrucksstarken Stimmen: L. Gonscherowsky (Lara), L. Packlidat (TC), C. Vogel (Alani), W. Czebotorowicz (Floh), C. Fisicaro (Fabi) und J. Baker (Thessa).

Was diese vom Theaterspiel angesteckten jungen Leute jedoch allesamt verbindet, ist treffend ausgedrückt im letzten Song des Musicals: BEATS – die Liebe zur Musik! Dass ein dermaßen aufwendiges Unternehmen viel Geld kostet, ist klar. Wer es aufbringt, wer sponsert, der muss natürlich öffentlichkeitswirksam genannt werden. Das taten Intendant Norbert Hilchenbach und der Theaterfördervereinsvorsitzende Klaus Hacker zu Beginn der Vorstellung ausführlich. Dem Genuss des prächtigen Abends tat es aber keinen Abbruch.

Die nächsten Vorstellungen: 22. April (15 Uhr), 7. Mai (11 Uhr) sowie 19. Mai 2012 (19.30 Uhr).