Bedeutender Hagener Architekt gewürdigt

In seiner Heimatstadt Hagen hat Architekt Leopold Ludwigs auch noch in den 1950er Jahren mit Planungen von Geschäftsbauten (unser Beispiel zeigt die Errichtung des Hauses Salamander an der Mittelstraße) das Stadtbild geprägt. (Foto: Archiv Mattes)

Hagen. (ME) Er gehörte zu den bedeutendsten Architekten, die Hagen jemals hervorgebracht hat: Leopold Ludwigs. Zahlreiche Bauten in der Volmestadt entstanden auf seinem Reißbrett – das beeindruckende Gebäude der Spedition Schenker in Kückelhausen (Berliner Straße) gehört ebenso dazu wie beispielsweise das bekannte Eckhaus Concordia-/Hochstraße (Polizeipräsidium in den 1920er Jahren) und so manche ungewöhnlich gestaltete Villa in Eppenhausen/Emst, etwa das „Haus Nest“ an der Haßleyer Straße.

Das „Haus Nest“ an der Haßleyer Straße: Es zählt zu den auffallendsten Villen-Bauwerken der Gebrüder Ludwigs. (Foto: Archiv Mattes)

Jetzt wurde dem Baumeister eine Broschüre gewidmet. „Vom Kunstmaler zum Architekten“ heißt das Büchlein. Es ist als 8. Heft erschienen in der Reihe „kunstdialog hagenwest“, hat die ISB-Nummer 978-3-942184-30-4 und umfasst 36 Seiten in Farbe. Auf den Markt gebracht wurde es vom Ardenkuverlag (Petra Holtmann) und kostet im Buchhandel 9,50 Euro. Autor ist der Ende 2012 im Alter von 80 Jahren verstorbene Franz Josef Mattes. Der einstige Fernuni-Regisseur hat sich intensiv mit dem Leben des Architekten Ludwigs beschäftigt und im Laufe der letzten 20 Jahre zahlreiche Beiträge über ihn verfasst – erschienen sind sie meist im Hagener Jahrbuch und im Hagener Heimatkalender.

Prägend für Hagen

Leopold Ludwigs zählt zu den Hagener Architekten des frühen 20. Jahrhunderts, die nennenswerte überregionale Aufträge ergatterten und Anerkennung fanden. Der Deutsche Werkbund – zu dessen frühesten Mitstreitern auch der Hagener Mäzen Karl Ernst Osthaus zählte – präsentierte die Arbeiten seines Mitglieds Leopold Ludwigs unter anderem in seinen berühmten Jahrbüchern und auf der Aufsehen erregenden Kölner Werkbundausstellung 1914.

In seiner Heimatstadt Hagen hat der Architekt unter anderem in den 1920er Jahren mit seinen Entwürfen für Siedlungen der Hagewe – beispielsweise am Ischeland – und in den 1950er Jahren mit Planungen von Geschäftsbauten (Beispiel: das Haus Salamander an der Mittelstraße) das Stadtbild geprägt. Sein eigenes Büro betrieb Leopold Ludwigs – anfänglich zusammen mit seinem 1916 verstorbenen Bruder Heinrich – in Hagen seit 1907. Zuvor waren die Brüder in der Schweiz tätig (St. Gallen).

Wiederentdeckt

Nach seinem Tod 1964 geriet der bei Peter Behrens an der Kunstgewerbeschule Düsseldorf ausgebildete Ludwigs trotz seiner über fünf Jahrzehnte währenden schöpferischen Tätigkeit in Vergessenheit.

Es war dann ein Mitverdienst der Fernuni und des wochenkurier, dass Ludwigs „wiederentdeckt“ wurde. Eine Zeitlang gab es die TV-Serie „Fernuni im Dritten“. Der Abspann enthielt seinerzeit auch immer ein „“Porträt“ eines Hagener Bauwerks, gemeinsam verfasst von Franz Josef Mattes und wk-Chefredakteur Michael Eckhoff. Jedes dieser Porträts wurde damals auch im wochenkurier veröffentlicht. Im Mittelpunkt stand hierbei lange Zeit das Werk von Leopold Ludwigs.

Franz Josef Mattes, der als Regisseur für Wissenschaftsfilme zur Fernuniversität Hagen kam und der zuvor unter anderem für die Parfüm-Firma Avon gearbeitet hatte, fand dann unglaublich viel Spaß am Thema „Ludwigs“. Er entwickelte schnell den Ehrgeiz, dem Ludwigsschen Werk nicht nur in Hagen nachzuspüren, sondern beispielsweise auch in der Schweiz, im Sauerland und in Duisburg. Vornehmlich Mattes ist es daher zu verdanken, dass der bedeutende Hagener Gestalter heute wieder von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen wird.

Die beeindruckende Spedition Schenker in Kückelhausen (Berliner Straße) gehört zu den architekturgeschichtlich wichtigsten Bauwerken in Hagen, geplant 1910 von Leopold und Heinrich Ludwigs. (Foto: Archiv Mattes)

„Herr Ludwigs“

Durch mehrere Jahrzehnte intensiver Forschungsarbeit entwickelte sich Mattes zu einem gefragten Ludwigs-Kenner und wurde mitunter schon mit dem Namen „Herr Ludwigs“ angesprochen. Mattes hatte die Gelegenheit, mit Zeitzeugen, Mitarbeitern und der Familie Ludwigs zu sprechen und konnte deshalb so manche Forschungslücke zum Werk der Gebrüder Leopold und Heinrich Ludwigs schließen.

Mit der vorliegenden Broschüre präsentiert Mattes, ausgehend von der künstlerischen Ausbildung, den Lehr- und Wanderjahren bis hin zu den prägenden Arbeiten, eine Lebens- und Werkskizze zu Leopold Ludwigs. Darüber hinaus gibt er einen vertieften Einblick in den künstlerischen und persönlichen Werdegang dieses vielseitigen Hagener Gestalters. In Verbindung mit zahlreichen farbigen und historischen Schwarz-Weiß-Abbildungen gelang F. J. Mattes eine überzeugende Schau zum Schaffen von Leopold Ludwigs.

Den eigenen 80. Geburtstag am 14. Juni 2012 nahm Franz Josef Mattes zum Anlass, sich auf der Grundlage seiner jahrzehntelangen Forschung ganz nach Leopold Ludwigs’ Lebensmotto „ICH WILL“ noch einmal dieser Publikation zu widmen, die letztendlich dank der Unterstützung der Familie Ludwigs nach dem Tod von Mattes realisiert werden konnte.