„Beharrlich“ auf dem Weg nach London

Hagen. (AnS) Inklusion meint: Gemeinsam mehr erreichen. Aus Fürsorge wird Selbstbestimmung, aus Integration wird Inklusion – diese Forderungen hat sich der Behindertensportverband Nordrhein-Westfalen e.V. längst auf seine Fahnen geschrieben. Nach den Spielen heißt beim BSNW dann auch vor den Spielen: Olympia 2012 ist lang noch nicht vorbei. Die Paralympics in London stehen vor der Tür und werden für Sportler und einige Zuschauer ein ganz besonderes Erlebnis werden.

Gemeinsam wollen 24 Menschen mit und ohne Behinderung zu den Paralympics in die Hauptstadt Großbritanniens reisen, ein ganz besonderer Weg steht ihnen bevor: unter Segeln auf dem Schiff „Tenacious“, das am Freitag, 24. August 2012, in Emden Richtung England ablegt.

Die Taschen sind gepackt: Segel setzen und Leinen los heißt es auch für den Hagener Otto Ahr. Der 62-Jährige ist seit 18 Jahren begeisterter Segler trotz einer rechtsseitigen Lähmung in Arm und Bein. „Ich bin nicht ganz so trittsicher und muss immer etwas zum Festhalten haben“, erklärt der Hasper, der sich riesig auf den Törn über den Kanal mit viel Seeluft und Ruhe freut. Einem langjährigen Segelfreund, mit dem er bereits privat auf nationalen und internationalen Gewässern unterwegs war, verdankt er das außergewöhnliche Erlebnis.

Teamgeist gefordert

Mehrere Generationen an Bord, Menschen mit den unterschiedlichsten Behinderungen – das ist eine Herausforderung, die vor allen Dingen Teamgeist und Rücksicht voraussetzt. Welche Aufgabe Otto Ahr an Bord haben wird, weiß er noch nicht. „Bereits im Vorfeld“, erzählt er, “wurde der Grad der Behinderung abgefragt. In die Rahen klettern kann ich nicht.“

Konsequente Mitarbeit ist aber in jedem Fall gefragt, jeder nach seinen individuellen Fähigkeiten. Ahr lässt sich überraschen und ist gespannt auf das Aufeinandertreffen: Welche Leute genau mitsegeln, wie das Schiff aussieht, wie die Crew das Team leitet. „Alle haben das gleiche Interesse“, weiß der Hobbysegler, „ein schnelles Kennenlernen ist kein Problem.“ Bordsprache ist übrigens Englisch, denn der Eigner ist die „Jubilee Sailing Trust“ mit Sitz in Southhampton. Bereits im Vorfeld wurden viele Formalitäten in dieser Sprache abgewickelt.

Beharrlich und barrierefrei

Die „Tenacious“ ist barrierefrei. Ein sprechender Kompass, Aufzüge, Hinweisschilder in Braille-, also Blindenschrift sowie die weitere Ausstattung erlauben es allen Teilnehmenden, sich frei zu bewegen. So kann jeder dazu beitragen, dass die „Tenacious“ pünktlich zur Eröffnungsfeier der Paralympics am 29. August an der Canary Wharf in London einläuft. „Männlein und Weiblein sind übrigens in den Kajüten nach Backbord und Steuerbord getrennt“, schmunzelt der Hasper, der die Bilder des Holzseglers eingehend studiert hat. Der im Jahr 2000 in Dienst gestellte Dreimaster hat eine Länge von 65 Metern, die größte Masthöhe beträgt knapp 38 Meter.

Nach fünf Tagen haben alle wieder festen Boden unter den Füßen: Nach der Ankunft über die Themse geht es zur Eröffnungsfeier ins Stadion, ein letzter Höhepunkt und krönender Abschluss für die Reise auf dem Seeweg. Einen Tag später wird die Heimfahrt angetreten: nicht zu Wasser, sondern mit dem Bus.

Der Schiffsname heißt übersetzt „beharrlich“ – passend zum paralympischen Gedanken: „Besinn dich auf das, was du hast, nicht was dir fehlt.“ Einer „inklusiven Überfahrt“ mit hoffentlich gutem Wind steht also nichts mehr im Wege…