„Bei uns regiert der Bär!“

Hagen. (tau) Sie heißen Peanuts, Randy, Dennis, Hanni oder Josefine und wohnen – gemeinsam mit vielen großen und kleinen Geschwistern – in Wehringhausen bei Andrea Störring. Noch – denn bald werden sie auf der „Euro-Teddy“ in Essen einem internationalen Publikum präsentiert und finden dort vielleicht neue Eltern. So richtigen Trennungsschmerz hat ihre „Schöpferin“ keinen; nur ihre allererste Bärin, die Vicki, die würde sie nicht hergeben. „Da müsste schon jemand die ‚richtige Summe‘ bieten, dass ich sie verkaufen würde,“ betont die 43-Jährige.

Wie alles begann

Vor rund 12 Jahren wurde Andrea Störring, bis dato bereits Sammlerin und Bastlerin, auf einer heimischen Bären-Börse so richtig von der Begeisterung erfasst, endlich einmal ihre eigenen Pelztiere zu entwerfen. Bei einem mehrwöchigen Wochenend-Kurs holte sie sich das nötige Knowhow und darf sich seitdem offiziell „Bärenmacherin“ nennen.

Weit über 100 Tierchen hat die Wehringhauserin seitdem „designed“ und hergestellt. Und zwar ohne Nähmaschine. Jeder Bär, von 12 bis 30 Zentimetern, ist reine Handarbeit. „Der Ausdruck wird dadurch einfach besser,“ weiß die Expertin, die auch schon größere oder bekleidete Exemplare auf Bestellung gefertigt hat. Für die Teilnahme an einem Wettbewerb bei der Landesgartenschau in Hemer beispielweise entstand Florian, der Gartenbär – mit Biene auf der Nase!

Mehrere Bären gleichzeitig

Zwei bis drei Tage braucht Andrea Störring pro Bär, am Stück gerechnet. Tatsächlich aber hat sie meist fünf bis sechs Tiere gleichzeitig in der Mache, an denen sie abwechselnd arbeitet. Auch ein paar Elefanten tummeln sich in ihrer „Stube“ – und Wukis: Das sind Hasenbären mit langen Ohren, die über dem Kopf geknotet sind. Sie stammen aus der Ideenschmiede ihres Mannes, der irgendwann auch mit dem Bärenvirus infiziert wurde und seither eigene Entwürfe kreiert. „Die Näharbeit übernimmt allerdings meine Frau“, lächelt er.

Jeder ist anders

Kenner lieben die Vielseitigkeit der Bären aus dem Hause Störring. Keiner sieht aus wie der andere, und sie alle haben eine unverwechselbare, niedliche Ausstrahlung – nicht zuletzt durch ihre charakteristisch großen Füße sowie kleine Extras wie Umhängetaschen, Mützchen oder Anhänger. Ein Bärchen trägt sogar Bauchnabelpiercing und Ohrring!

Viel Kleinarbeit

Kopf, Arme und Beine sind durch Gelenkscheiben voll beweglich. Doch bis sie montiert werden können, ist einige „Vorarbeit“ zu leisten. Wenn Andrea Störring den Stoff zugeschnitten hat – rund 30 eigene Muster hat sie bereits entworfen -, werden die einzelnen Körperteile zusammengenäht, in mühevoller Fummelei auf rechts gedreht, die Nähte glatt gebürstet, bis sie fast unsichtbar sind. Dann wird gestopft, der Kopf zuerst. Die Augen werden eingenäht und in Form gezogen, bis sie richtig ins Gesicht passen und ihr Blick der Bärenmutter „gefällt“. Misslungen ist ihr noch keiner, aber manchmal wird ein bisschen umoperiert. „Bei zweien habe ich nachträglich auch mal die Augen ausgetauscht,“ erklärt sie.

Mädchen oder Junge?

Erst wenn der Kopf fertig ist, entscheidet es sich, ob der Bär ein Mädchen oder ein Junge wird. „Das weiß man vorher nicht“, schmunzelt Andrea Störring. Und dann fließt natürlich auch erst die Inspiration zur Namensfindung. So gehören Mia mit der Schleife am Ohr, Marty mit Traumfängerkette oder die gelbe Hanni mit Lurex im Fell zur aktuellen „Truppe“, die im Oktober Messeluft schnuppern wird. Zum vierten Mal stellt Andrea Störring bei der „Euro-Teddy“ aus, insgesamt ist sie drei- bis viermal im Jahr auf internationalen Veranstaltungen vertreten. Im Angebot hat sie neben ihren „Schätzchen“ eigens kreierte Bastelpackungen und Accessoires wie Bärenketten.

Auf den Messen findet sie wiederum auch die Stoffe für das Fell und die Pfoten ihrer Kreationen, fast ausschließlich Naturmaterialien: Schafswolle für die Füllung, Alpaka oder Mohair für das Fell, Kaschmir für die Fußsohlen.

Bunte Bären beliebt

Zu ihren Schöpfungen gehören nicht nur klassisch braune, sondern ebenfalls rote oder lila Pelzkinder. „Früher bin ich belächelt worden, weil ich bunte Bären genäht habe. Heute sind sie Trend und sehr beliebt“, schmunzelt sie.

Besonders edel und „schön alt“ wirkt Etienne, hergestellt aus einem Antikstoff. „Damit muss man vorsichtig nähen, der reißt aufgrund seines Alters natürlich leicht“, weiß Andrea Störring.

Zum Sammeln

Zum Spielen sind ihre Bären sowieso nicht wirklich geeignet, dafür sind sie nicht pflegeleicht und beispielsweise die Augen nicht gesichert genug. „Sie sind eher was für große Kinder, eben Sammlerstücke!“ erklärt die Wehringhauserin, die von einer Fachzeitung im Januar dieses Jahres bereits als „Bärenmacherin des Monats“ vorgestellt wurde.

Auch ihre beiden Katzen lieben die Kuscheltiere und „begutachten“ sie gerne hin und wieder. „Da verschwindet schon mal ein Ohr oder ein Bein“, lacht die Bärenmutti, die näht, wann immer sie nach ihrem Job im Krankenhaus Zeit dafür findet. Oft und gerne auch vorm Fernseher.

Ob sie sich vorstellen kann, einmal hauptberuflich als Bärenmacherin zu arbeiten? „Nein, nein“, schmunzelt Andrea Störring. „Das soll auf jeden Fall ein Hobby bleiben!“ Da kann man sich schließlich auch mal problemlos kreative Pausen gönnen

Wer mehr über die Bären wissen möchte, finde alle Infos im Internet unter www.andibearsandfriends.com.