Beruflich am Ende

SonnTalk – Von Claudia Eckhoff

Traumberufe? – Och, früher war das ganz einfach. Lokführer. Polizist.
Tierärztin. Lehrerin. Pilot oder Stewardess. Ach ja, der Feuerwehrmann stand
natürlich auch ganz oben auf der Liste.

Finanzbeamter, Steuerprüfer, Rechtsanwalt – so was war wahrscheinlich zu
wenig kostümtauglich, um im Kindergarten- oder Schulalter eine ernsthafte Chance
auf einen Listenplatz zu haben.

Heute, heute ist das alles viel komplizierter. Heute gibt es neben den
Konditoren, Mechatronikern, Ingenieuren, Ökotrophologen, Sozial-Pädagogen,
Ergotherapeuten, Coaches, Logopäden, Systemadministratoren und Controllern noch
hunderttausend andere Berufe, die man erst mal begreifen muss.

Und es kommen offenbar immer neue dazu. Täglich entstehen unerhörte
Berufe! Wie wär’s zum Beispiel damit: „My Ultra-Baby“ heißt der Laden des
Fotografen, der sich auf Baby-Fotos spezialisiert hat. – Auf ungeborene Babys,
wohl­bemerkt.

So ein schmuckes Sechster-Monat-Ultraschall-Portrait macht sich bestimmt
super überm Sofa. Ich würde – etwas makaber – vorschlagen, den Service zu
erweitern auf „My Last Picture“. Da kommt dann der Fotograf ans Totenbett und
schießt ein allerletztes Bild auf Erden. So was hat ja schließlich auch noch
nicht jeder.

Apropos „allerletztes“: Großer Nachfrage erfreut sich der englische
Bestatter, der sich auf Biker spezialisiert hat. Ein echter Zweirad-Fan will
doch auf seinen allerletzten Erden-Kilometern auf keinen Fall in einem
vierrädrigen Kasten fahren müssen. – Nein, muss er auch nicht. Wie bei
Schneewittchen im Märchen geht’s auch: Da fährt der Bestatter das schwarze
Trauer-Motorrad, während der Sarg in einem gläsernen Sozius daher saust.

In den USA haben sich zwei Männer völlig „durchgeknallt“ spezialisiert:
Sie füllen die Asche von verstorbenen Schießwütigen in Patronenhülsen um.


Damit können dann die trauernden Hinterbliebenen wiederum auf die Jagd
gehen und sich mit jedem „Peng“ dem Geliebten eng verpufft fühlen.

Ist das irre?
Schönen Sonntag.