Beständig unbeständig

Von Anja Schade

Ja, wo ist er denn, der immer wieder angekündigte, so heiß ersehnte Sommer? Hat der Siebenschläfer verschlafen? Wo bleiben die heißen Hundstage? Bikinifigur hat in diesen überaus kühlen Augusttagen ausgedient. Die Fettröllchen sieht ja eh‘ keiner, wenn wir vermummt in Pullis und langen Hosen unterwegs sind.

Besonders betroffen: die daheimgebliebenen Ferienkinder. Statt Strandbadspaß ist Pfützenspringen angesagt. Die Textil-Händler bleiben bei dem Dauerregen auf ihren Sommersachen sitzen. Herbstware ginge gut, lassen sie verlauten. Wen wundert’s?

Unsere skandinavischen Nachbarländer sind bei kühlen Temperaturen deutlich gelassener. Regen, na und? Kälte, wieso? Motto: „Schlechtes Wetter gibt es nicht, nur die falsche Kleidung.“ Wer jetzt an einen dicken Norwegerpulli und Friesennerz denkt, liegt falsch. Denn auch im wenig sonnenreichen Sommer tragen der Däne, der Schwede und der Norweger bei 15 Grad und Dauerregen Flip-Flops und kurze Hosen. Da sitzt der Urlauber bereits fröstelnd vor dem Kamin im Ferienhaus. Gewöhnung ist alles.

Auch in Bezug auf Winterkleidung sind die Nordeuropäer härter als unsereiner: Mützen trägt Frau selbst bei Eiseskälte nicht, die Jugend zieht auch bei größtem Schneematsch Leinenturnschuhe und dünne Pluderhöschen an. Und mag es noch so schauern, Nordmann oder Nordfrau kommen selbstredend mit dem Fahrrad zum Treffpunkt – das Beinkleid in die Strümpfe gestopft.

Lange Unterhosen? Fehlanzeige! Fleecejacke? Hä? Nein, ein T-Shirt trägt Mann unter der lockeren Jacke. Na ja, und manches Mal fehlt sogar diese bei Nullgraden.

Da will sich auch die Kollegin mit dem Tick für nordische Landstriche und seine Bräuche – soeben frisch heimgekehrt – anpassen und mehr die Ruhe antun angesichts des wechselhaften Wetters hier. Sie trägt fortan den Kleidungsstil der Nachbarn. Gnadenlos Röckchen und Top auch bei kühlen 15 Grad. Entweder es tritt das langerwartete Sommersonnengefühl ein – oder es gibt eine dicke Erkältung.

Schönen schnupfenfreien Sonntag!