Bettina Meuser gewinnt mit Zufallsgedicht

Mit Begeisterung leitet sie den Hasper Kinder- und Jugendpark, in aller Stille schreibt sie nächtelang, was ihr in den Sinn kommt und findet Erfüllung darin: Bettina Meuser. (Foto: Schievelbusch)

Hagen. (san) „Taube, Du Sanfte,…“ kommt es ihr spontan in den Sinn, als das gefiederte Tier vor ihrem Auto über die Straße trippelt. Erst Wochen später entsteht aus dieser kleinen Zeile ein Gedicht, und noch viel später erst entschließt sich Bettina Meuser dazu, damit beim XIII. Gedichtwettbewerb der Bibliothek deutschsprachiger Gedichte teilzunehmen. Nun ist die Hagenerin Preisträgerin des wohl größten deutschsprachigen Lyrikprojekts. Ihr Beitrag erhielt eine professionelle Vertonung sowie eine Veröffentlichung in der Zusammenfassung „Ausgewählte Werke“.

Schreiben als Ausgleich

Immer schon schreibe sie, so die Leiterin des Hasper Kinder- und Jugendparks. Ihr Tauben-Gedicht sei nur eines von unzähligen, aber eines der wenigen, dass nicht im Papierkorb gelandet sei. Und sie findet es auch gar nicht erwähnenswert. Besonders die Nacht gehört der Schreibenden – ein wertvoller Ausgleich zu ihrer Arbeit als Sozialarbeiterin. „Unsere Jugendlichen sind zum überwiegenden Teil Migranten, da höre ich tagsüber eine sehr mangelhafte Sprache. Artikel und ordentliche Sätze gibt es da gar nicht,“ beschreibt Bettina Meuser die Situation ihrer Besucher – mit viel Verständnis für „ihre“ Kids und der Betonung, dass der 56-Jährigen die Arbeit viel Freude macht.

Seit sie es kann

Aber nicht erst seit ihrer Tätigkeit in der Jugendeinrichtung schreibt sie. „Das geht so, seit ich überhaupt Lesen und Schreiben gelernt habe.“ Da Bettina Meuser jedoch keinen Zweck mit dem Verfassen ihrer Texte verfolgt, wandert das meiste gleich wieder in die „Tonne“. Was Bestand hat, sind die Briefbücher, die sie mit ihrer Tochter pflegt. Seit nunmehr 25 Jahren wandern die Kladden zwischen ihr und der 31-Jährigen hin und her, ganze Regale füllt die stille Korrespondenz mittlerweile. Das Briefe-Schreiben mag sie und pflegt sie, aber nie am Computer. Wem Bettina Meuser eine Freundin ist, der bekommt Handschriftliches, ausschließlich.

Ausschließlich Hobby

Sie hat in jungen Jahren mal daran gedacht, Bibliothekarin zu werden, aber die Fachschule war der Hasperin zu weit weg. Zudem wurde sie lange krank, hatte eine Risikoschwangerschaft auszuhalten. 40 Jahre war sie bereits, als sie das Studium wieder aufnahm. Und seit gut zehn Jahren arbeitet sie nun am Zipp. „Genau in diesen Pavillon ging ich schon als Kind ganz oft, war doch hier die Hasper Bücherei untergebracht. Und nun ist ausgerechnet hier meine Wirkungsstätte – ist doch eigenartig, oder?“ Dass Beruf und Hobby nicht viel miteinander zu tun haben, empfindet sie überhaupt nicht als Mangel. Und so ganz stimmt es ja auch nicht: Ihr Erlebtes spielt in ihre Gedanken hinein, die fließen wiederum ins Schreiben.

Die Vertonung ihres Werkes hat sich Bettina Meuser noch gar nicht angehört – das ist ihr überhaupt nicht wichtig. Natürlich hat sie sich gefreut über die Auszeichnung. Mittlerweile hat die Bibliothek deutschsprachiger Gedichte zum nächsten Poesie-Wettstreit unter den Hobbyautoren aufgerufen. Ja, sie habe da noch Zeilen über ein Schaf – inspiriert von einem Rügenurlaub. „Mal sehen, vielleicht wird bis Einsendeschluss noch etwas draus. Vielleicht aber auch nicht,“ antwortet sie ganz bescheiden auf die Frage nach der erneuten Teilnahme. Es ist ihr eben nur ein ganz privates Hobby.

Und hat damit die Jury aus Verlagsleuten, Germanisten und Literaturwissenschaftlern überzeugt:

Taube, Du Sanfte

Taube, Du Sanfte/ einstmals Symbol für Frieden,/ heut klagt man Dich an,/ erklärt Dir den Krieg -/ und ich senke den Blick,/ denn das Urteil ist längst schon gefällt.

Taube, Du Sanfte,/ einstmals Symbol für Liebe,/ heut tötet man Dich,/ zerstört Deine Brut – / und ich wende mich ab, / denn Begnadigung findet nicht statt.

Taube, Du Sanfte,/ noch im Stürzen / den Ölzweig umklammernd…