Bilder von der „Heimatfront“

Hagen. (lwl/ME) Vor hundert Jahren brach der Erste Weltkrieg aus. Der wochenkurier berichtet seit Wochen in einer Serie über das Jahr 1914. Heute wollen wir in diesem Zusammenhang auf zwei Aktivitäten des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) hinweisen – zum einen auf eine DVD und zum anderen auf eine Ausstellung: Das Stadtmuseum Hagen zeigt im Historischen Centrum, Eilper Straße 75, seit Sonntag eine Ausstellung, die die Kriegszeit aus dem Blickwinkel der Zivilbevölkerung in der Region beleuchtet.

Der Erste Weltkrieg, die viel beschworene „Urkatastrophe“ des vorigen Jahrhunderts, beeinflusste alle Lebensbereiche. Front und Heimat waren dabei eng miteinander verbunden. Unter dem Eindruck des Kriegsverlaufs wich die anfänglich vielfach positive Stimmung – Not, Hunger, Entbehrung, Krankheit und Tod bestimmten schlussendlich den Alltag der Menschen.

Ein Bild des Alltags und gleichsam ein Bild des Schreckens: Kriegsversehrte im Schwimmbad. (Foto: Schulte/Stadtarchiv Münster)
Ein Bild des Alltags und gleichsam ein Bild des Schreckens: Kriegsversehrte im Schwimmbad. (Foto: Schulte/Stadtarchiv Münster)

Der Alltag

„Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Frage, wie der Alltag in Westfalen und Lippe in den Jahren 1914 bis 1918 im Zeichen von Not, Entbehrung, Krankheit, Trennung und Verlust aussah,“ sagt Ausstellungsmacherin Dr. Silke Eilers (LWL). Dietmar Freiesleben vom Stadtmuseum ergänzt: „Die Präsentation berücksichtigt Aspekte wie Kriegsbeginn, Familienleben, Versorgungslage, Fürsorge, Arbeitswelt, Heimkehr, Kriegsende und -erinnerung.“

Zeugnisse persönlicher Erfahrungen und Empfindungen vermitteln einen Eindruck von der Lebenswirklichkeit. Gezeigt werden Hausrat, Ersatzstoffe, Kleidung, Spielzeug sowie Andenken an Kriegshochzeiten und andere Feste. Gegenstände aus Sammelaktionen, Kriegsproduktion und Gefangenenlagern, „Liebesgaben“, „Hurra-Kitsch“, Kunstwerke, Trauerschmuck und Gegenstände der Erinnerungskultur gehören ebenso dazu.

Für Schulklassen gibt es zur Ausstellung „Heimatfront“ spezielle, auf die jeweilige Altersgruppe abgestimmte Angebote. Für die Sekundarstufe I bildet das Kriegstagebuch der 14-jährigen Lisa Beuge den Anknüpfungspunkt. Mit diesem Tagebuch entsteht ein beeindruckendes Bild der Kriegserfahrungen eines Teenagers vor 100 Jahren.

Die Ausstellung wurde am Sonntag, 6. April, um 15 Uhr durch den Kulturdezernenten der Stadt Hagen, Thomas Huyeng, eröffnet. Sie ist bis zum 1. Juni 2014 zu sehen. Weitere Auskünfte – auch zum pädagogischen Programm – gibt es unter der Rufnummer 207-2740, E-Mail: info@historisches-centrum.de.

Neue CD

Der LWL beleuchtet fener mit einer neuen Film-DVD die Geschehnisse der Jahre 1914 bis 1918. Im Mittelpunkt steht die Frage: Wie ging es den Menschen hier im Westfälischen? Wie sah der Alltag aus? Damit stellt die DVD „An der ‚Heimatfront’“ eine Besonderheit unter den aktuellen Veröffentlichungen zum 100-jährigen Gedenken an den Ersten Weltkrieg dar.

Drei Zeitzeugen berichten

„Die DVD nimmt das Leben an der westfälischen ‚Heimatfront‘ in all seinen Facetten in den Blick: vom Hurrapatriotismus 1914 über den zunehmenden Arbeitseinsatz von Frauen und Kriegsgefangenen bis zu Versorgungsengpässen und Hungerrevolten am Kriegsende“, so Dr. Hermann-Josef Höper, Produktionsleiter im LWL-Medienzentrum. „Die DVD verbindet dabei historisches Bild- und Textmaterial einfühlsam mit den Aussagen dreier ganz unterschiedlicher Zeitzeugen, wie der Schülerin Lise Beuge, der Arztgattin Antonia Helming und des Stadtarchivars Eduard Schulte“, so Höper weiter.

Zu den umwälzenden Neuerungen, die diesen Krieg von früheren Waffengängen unterschieden, gehörte, dass auch die „Daheimgebliebenen“ bedingungslos in den Dienst des Krieges gestellt und so zur „Heimatfront“ wurden. „Front“ und „Heimat“ waren dabei eng miteinander verbunden.

„Die Zivilbevölkerung sollte nicht nur wirtschaftlich und finanziell zu einem siegreichen Verlauf des Krieges beitragen, sondern die Soldaten an der Front auch moralisch unterstützen“, sagt Dr. Silke Eilers. Gelang diese Unterstützung auf Dauer? Auch solchen Fragen geht Filmemacher Markus Schröder in seinem neuen Film nach, den das LWL-Museumsamt für Westfalen und das LWL-Medienzentrum für Westfalen mit Unterstützung des Stadtarchivs Münster produziert haben.

Fotos konnten Welt verändern

Eine Besonderheit beim Ersten Weltkrieg, der ganz Europa veränderte, war die inzwischen weit verbreitete Fotografie, so dass viele Facetten des Krieges fotografiert worden sind. Zumeist inszeniert, wirken die Fotos dennoch realer als Zeichnungen und Gemälde. Sie zeigen auch andere Motive des Geschehens, als dies zuvor der Fall gewesen ist. So nahm der münstersche Stadtarchivar Eduard Schulte für seine „Kriegschronik“ mehrere hundert Fotografien auf. Auf der LWL-DVD spielen Schultes Aufnahmen eine wichtige Rolle. Aber auch Fotos aus vielen anderen westfälischen Städten sind auf der DVD zu sehen.

„An der ’Heimatfront’“, DVD mit Begleitheft, Preis 14,90 Euro. Bezug: LWL-Medienzentrum, Fürstenbergstraße 14, 48147 Münster, E-Mail: medienzentrum@lwl.org, Fax: 0251/ 591-3982.