Biotop vergammelt im Ruheforst

Hagen. (ric) Ute Winning steckte mitten in ihren Hochzeitsvorbereitungen, als das Schicksal gleich zwei Mal zuschlug: Innerhalb von nur drei Monaten verstarben erst die Mutter, dann der Vater. Zum Traualtar führte sie dann der Bruder und nicht, wie ursprünglich traditionell geplant, der Vater. „Beerdigt wurden meine Eltern im Ruheforst auf der Philippshöhe“, berichtet Winning.

In diesem Biotop setzte Ute Winnings Vater vor 30 Jahren Wasserlilien an. Es ist der Hagenerin ein persönliches Anliegen, dass das Biotop wieder gepflegt wird. (Foto: ric)

Zweites Zuhause

„Der Wald ist fast so etwas wie ein zweites Zuhause, ich bin auf der Philippshöhe aufgewachsen“, schmunzelt sie. Schon als Kind verbrachte sie dort viel Zeit, spazierte mit ihren Eltern über Stock und Stein, tobte sich aus, spielte mit Freunden. „Meinen Eltern war es immer wichtig, uns Kindern die Natur nahe zu bringen.“ Im heimischen Garten wurden Rasen und Pflanzen ausgiebig gepflegt. „Vor etwa 30 Jahren ging mein Vater mit seinem Neffen in den Forst. Wenn man die Zufahrt geradeaus durchfährt, befindet sich oben auf dem Berg auf der rechten Seite ein Biotop. Dort setzten die Beiden Wasserlilien aus unserem Garten an.“

Wasserlilien gedeihen

Den Blumen tat die Umgebung gut: Schnell vermehrten sie sich und bereichern bis heute das Bild. „Aber leider ist das Biotop bis zur Unkenntlichkeit verkommen“, bedauert Ute Winning. Zwar sind die hübschen Wasserlilien noch da. Doch das Biotop selbst ist komplett verschlammt und versandet. Mannshohe Brennesseln wachsen zwischen weiteren Pflanzen hervor.

Vom Grab der Eltern aus kann die Hagenerin direkt auf das Biotop mit den Lilien blicken. „Sobald ich hier stehe, kommen die Erinnerungen hoch. Und irgendwie ist es doch schön, dass mein Vater in Sichtweite seiner Pflanzen bestattet wurde. So schließt sich der Kreis.“

Andenken bewahren

Einen großen Wunsch hätte Ute Winning jedoch: „Ich würde mich so freuen, wenn das Biotop wieder gepflegt und als solches kenntlich gemacht werden würde. Das ist mir ein ganz persönliches Anliegen in Erinnerung an meinen Vater. Aber es würde natürlich auch dem Wald und der Natur zugute kommen. Sicherlich würden sich auch andere Besucher und Trauernde über den Anblick eines schönen Biotops freuen.“

Der Ruheforst

Den Ruheforst Philippshöhe gibt es seit 2006. Da sich viele Menschen wünschen, auf eine individuelle Art bestattet zu werden, ist die Nachfrage groß: Im Forst kann man sich in einer natürlichen, harmonischen und ruhigen Umgebung beerdigen lassen. Da der Erhalt der Natur eine zentrale Rolle spielt, wird auf Kränze, Grabschmuck und -steine gänzlich verzichtet. Es besteht jedoch die Möglichkeit, den Namen und die Lebensdaten auf kleinen Metalltäfelchen, die an einem Baum neben dem Grab angebracht werden, gravieren zu lassen.