Bismarck: Umstrittener Politiker

Hagen. (Red./ME) Auch 200 Jahre nach seiner Geburt ist Otto von Bismarck eine hochgradig umstrittene, von Mythen umwobene Gestalt. Christoph Nonn, Professor an der Heinrich Heine-Universität zu Düsseldorf, schaut am Sonntag, 12. April 2015, 15 Uhr, im Kunstquartier Hagen hinter die Legenden und entdeckt einen Mann, dessen Zeit unserer heutigen verblüffend ähnlich ist. Kriegstreiber oder Friedenspolitiker, Modernisierungsverhinderer oder weißer Revolutionär? Nationalheld oder Dämon der Deutschen? Die Liste der Beinamen, die Bismarck gegeben worden sind, ist lang.

Doch der „Reichsgründer“ war weder ein Übermensch noch ein Monster. Er feierte spektakuläre Erfolge und erlebte die größten Pannen, er war ein jähzorniger Choleriker und ein liebevoller Ehemann, ein treuer Freund Wilhelms I. ebenso wie ein rücksichtsloser Vollblutpolitiker.

Der Mensch

Auch 200 Jahre nach seiner Geburt ist Otto von Bismarck eine hochgradig umstrittene, von Mythen umwobene Gestalt. In einem Vortrag im Kunstquartier wird hinter die Legenden geblickt. (Foto: Bundesarchiv)
Auch 200 Jahre nach seiner Geburt ist Otto von Bismarck eine hochgradig umstrittene, von Mythen umwobene Gestalt. In einem Vortrag im Kunstquartier wird hinter die Legenden geblickt. (Foto: Bundesarchiv)

Aus solchen scheinbaren Widersprüchen setzt Christoph Nonn in seiner neu erschienen und von der Fachwelt hoch gelobten Biographie eine ganz andere Sicht auf den „Eisernen Kanzler“ jenseits der Mythen zusammen und zeichnet das Bild eines pragmatischen preußischen Konservativen. Dabei wird der Preuße Bismarck zum ersten Mal konsequent in die europäische Geschichte des 19. Jahrhunderts eingeordnet, die durch wachsende internationale und globale Vernetzung geprägt war – wie unsere heutige Welt auch. Otto von Bismarck wird bei Nonn als Mensch und weniger als Held oder Dämon der Deutschen gesehen.

Bismarck und Hagen! Hoch über der Stadt steht als weithin sichtbares Wahrzeichen der 1901 eingeweihte Bismarckturm. Das Monument bildet in Hagen eine Linie mit dem Eugen-Richter-Turm und dem Kaiser-Friedrich-Turm als Teil des Hagener Premium-Wanderweges. Hier steht das Denkmal für den Reichskanzler neben einem Erinnerungsturm für einen seiner schärfsten Gegner im Reichstag für den Wahlkreis Hagen: Eugen Richter.

Doch auch der seinerzeitige Hagener Landrat Georg von Vincke, der auf Haus Busch das Licht der Welt erblickte und hier seine politischen Wurzeln hatte, zählte zu den Bismarck-Gegnern. Am 27. März 1852 kam es sogar zu einem Pistolen-Duell zwischen Vincke und Bismarck – beide Kontrahenten überlebten den Ehrenstreit.

Die Verehrung

Doch Bismarck war auch in der Gesellschaft präsent. Das belegt nicht nur der Bismarckturm. Natürlich gab es auch in Hagen eigene Bismarckfeiern, es gab Bismarck-Stammtische, die obligatorische Bismarckstraße und weitere Formen der Verehrung. Nach seinem Vortrag stellt sich Prof. Dr. Christoph Nonn in einer kurzweiligen Talkrunde den Fragen der beiden Historiker Thomas Walter und Dr. Ralf Blank.

Es wird ein Eintritt von 5 Euro erhoben, der den kulturhistorischen Veranstaltungen des Hagener Fachbereichs Kultur zugutekommt. Eine Kartenreservierung (Vorverkauf an der Kasse des Kunstquartiers) ist sinnvoll, da im Hörsaal des Kunstquartiers an der Hochstraße (Osthaus-Museum) aus Sicherheitsgründen nicht mehr als 140 Personen zugelassen sind.