Blätterhöhle in Hagen: In einer Zeit vor 11.000 Jahren

[1/2] Bei der diesjährigen Grabunngskampagne an der Blätterhöhle durften auch Archäologie-Studenten zwischen den ­Felsen „praktisch“ arbeiten. (Foto: Michael Eckhoff) [2/2] Zum „A und O der Archäologie“ gehört die genaue Dokumentation aller Funde. Unser F

[1/2] Bei der diesjährigen Grabunngskampagne an der Blätterhöhle durften auch Archäologie-Studenten zwischen den ­Felsen „praktisch“ arbeiten. (Foto: Michael Eckhoff) [2/2] Zum „A und O der Archäologie“ gehört die genaue Dokumentation aller Funde. Unser F

Hagen. (ME/lwl) Im Holthauser Taleinschnitt zwischen Weißenstein und Hünenpforte ist ein lautes Hämmern zu vernehmen. Handwerker? Heimwerker? Straßenbauarbeiter? Nein, es sind Archäologen, die hier eifrig am Werk sind. In der berühmten Blätterhöhle, einem der bedeutendsten Steinzeit-Fundplätze Westdeutschlands, und auf ihrem Vorplatz ist dieser Tage die 10. Grabungeskampagne im vollen Gange.
Dr. Michael Baales, Chef der LWL-Archäologie-Außenstelle und Professor an der Ruhr-Universität Bochum, schaut „seinen“ Studenten und Archäologen-Kollegen gutgelaunt zu. „Seit acht Wochen graben wir hier wieder – dabei konnten wir uns durch etwa tausend Jahre ‚arbeiten‘.“
Bei der aktuellen Grabung in der Blätterhöhle in Hagen drangen die Wissenschaftler des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und ihre Kooperationspartner – inklusive etlicher Studentinnen und Studenten – tiefer in die Schichten aus der letzten Eiszeit vor über 11.000 Jahren vor. Ziel war es, den Übergang von der Alt- zur Mittelsteinzeit näher zu erforschen.
In Nordwest­europa gehört die Blätterhöhle zu den wenigen Plätzen, die diesen Übergang vor Augen führen. Die Jäger, die hier seinerzeit übernachteten und sozusagen „Picknick“ machten, folgten vielleicht Rentierherden durchs Lennetal. Sonderlich viel weiß man über diese Zeit bislang nicht. „Was wir aber wissen, ist“, so Baales, „dass es am Ende der letzten Eiszeit zu dramatischen Klima- und Umweltveränderungen kam – mit einem drastischen Wandel der Lebensverhältnisse.“
Knochenfunde
Im Inneren der engen Höhle stießen die Archäologen sogar auf „neue“ Menschenknochen. „Diese Knochenfunde und die Abfolge der Erdschichten haben unsere Kenntnis von den Bestattungen in der Jung- und Mittelsteinzeit enorm erweitert“, so Dr. Jörg Orschiedt von den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim. Auch Tierknochen kamen zutage. Darüber hinaus fanden die Forscher einige Pfeilspitzen (Mikrolithen) aus der Mittelsteinzeit.
Besonders interessant sind die Ausgrabungen auf dem Vorplatz der Höhle. Schon im vergangenen Jahr fanden die „Ausgräber“ überregional bedeutende Siedlungsspuren aus der Spätphase der letzten Eiszeit. Die Funde konnten in diesem Jahr ergänzt werden um weitere Werkzeuge aus Feuerstein und Kieselschiefer. Dazu zählen Pfeilspitzen, ein Kratzer zur Fellbearbeitung sowie ein Stichel zur Bearbeitung von Geweih und Knochen.
Besser verstehen
Die Forschungen in der Blätterhöhle und auf dem Vorplatz wurden 2006 gestartet und dann fast jährlich fortgesetzt. Prof. Michael Baales, Leiter der LWL-Archäologie für Westfalen in Olpe, koordiniert die Ausgrabungen. Dabei arbeitet er eng mit dem langjährigen Forschungsleiter Jörg Orschiedt zusammen.
„Steinwerkzeuge, Tierknochen oder Holzkohlen sind für uns wichtige Quellen“, erläutert Wolfgang Heuschen, Grabungsleiter vor Ort. „Sie ermöglichen uns, Umwelt und Lebensweise der Jäger und Sammler am Ende der letzten Kaltzeit besser zu verstehen.“
Noch bis zum 30. September ist das Grabungsteam im Rahmen einer Lehrgrabung im Gelände tätig. Das Team besteht aus 16 Archäologie-Studierenden sowie zwei studentischen Volontären der LWL-Außenstelle Olpe. „Es ist toll, die praktischen Fertigkeiten der Archäologie auf einer Forschungsgrabung erlernen und vertiefen zu können“, so Annika Manz, Studentin der Ruhr-Universität Bochum.
Für die nächsten zwei bis drei Jahre sind weitere Grabungskampagnen geplant. Grundlegend dafür ist – wie in den vergangenen zwei Jahren – eine Finanzierung durch das Denkmalförderungsprogramm des Landes NRW.