„Blumen müssen weg!“

Rainer Voss hat sich auf seinem Balkon in der Malmedystraße ein grünes Paradies geschaffen. Viele Spaziergänger blieben stehen, um es zu bestaunen. Jetzt soll der Pensionär Blumen und Himbeeren beseitigen. (Foto: Anna Linne)

Hagen. (anna) Es ist schon verflixt mit den Nachbarn. Auch Schiller wusste schon, dass der Frömmste nicht in Frieden leben kann, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt. In unserem Fall haben es der 71-jährige Pensionär Rainer Voss und seine Ehefrau Carmen gleich mit einer ganzen Eigentümergemeinschaft aus zwei Häusern zu tun. Und die hat laut Protokoll beschlossen, dass die üppige Blumenpracht auf dem Balkon des Rentnerehepaares das einheitliche Bild des Eigentumkomplexes mächtig stört. Die Vossens verstehen die Welt nicht mehr.

Diese Himbeerhecke, die reichlich Früchte trägt, hat sich Rainer Voss als Sichtschutz auf seinem Balkon erschaffen. Nachbarn fühlen sich davon gestört und verlangen deren Beseitigung. (Foto: Anna Linne)

12 Jahre schon wohnt das Ehepaar in einer Wohnung in der Malmedystraße 41 hinter dem Rembergfriedhof. Früher einmal gehörte ihnen die Wohnung. Jetzt, nach dem Verkauf, haben sie ein lebenslanges Wohnrecht eingeräumt bekommen. Als Mieter dürfen sie natürlich nicht mehr an den Eigentümerversammlungen teilnehmen.

Ihre 80-jährige Vermieterin bevollmächtigte eine Außenstehende, die an der Eigentümerversammlung teilnehmen sollte. Auf der Tagesordnungsliste gab es keinen Punkt, der eine Diskussion der Balkonblumen auf dem Voss’schen Balkon behandeln sollte. Trotzdem beschlossen die Eigentümer von zwei verschiedenen Häusern, insgesamt elf Parteien, einstimmig, dass die über den Balkon ragenden Blumen wegen des einheitlichen Gesamteindrucks beseitigt werden müssen. So steht es im Protokoll, was Rainer Voss fassungslos in den Händen hält. Auch die zum Sichtschutz angepflanzte Himbeerhecke soll verschwinden.

„12 Jahre lang haben wir immer ein üppiges Blumenmeer auf dem Balkon gepflegt und gehegt“, beschreibt der Pensionär die Situation. „12 Jahre lang hat es keinen gestört. Warum soll ich mein grünes Paradies jetzt beseitigen? Nur weil die Nachbarn keine Bepflanzungen haben? Das ist doch paradox.“

In seiner Verzweiflung sprach der Pensionär andere Eigentümer an und fragte, wen genau denn seine Blumenpracht so sehr störe. „Aber keiner wollte es gewesen sein“, berichtet Voss, „alle sagten, die Blumen wäre ihnen völlig egal.“ Ein Eigentümer berichtete, dass sich auf der Versammlung nur einer über seine Balkon-Säuberungsaktion und die Blumen beschwert habe, für alle anderen sei es kein Thema gewesen.

Jetzt hat Rainer Voss erst einmal einen Schiedsmann eingeschaltet, der die Wogen, wie immer sie auch entstanden sind, glätten soll.