Blutrünstige Reisende: Die Bettwanzen kommen

Bettwanze
Lederwanzen, Feuerwanzen, rotbeinige Baumwanzen, Streifenwanzen oder hier die grüne Stinkwanze: Die Natur kennt weltweit eine Unmenge an Spielarten der fiesen Krabbeltierchen. Den übelsten Ruf in der gesamten Gattung hat aber die blutsaugende Bettwanze. (Foto: Pixelio/ Frank Hollenbach)

Hagen. Ein Alptraum und leider alles andere als Geschichte: Sie sind klein, blutrünstig, meist unsichtbar und neuerdings sehr reiselustig. Wer glaubte, Bettwanzen seien komplett von gestern, irrt gewaltig. Die blutsaugenden Winzlinge fallen im Zeitalter der Viel-Flieger, Häufig-Urlauber und Businessreisender neu in Europa ein.

Gut versteckt unterwegs

Erwachsene Tiere oder ihre Eier reisen ein sogar aus den USA, wo sich die „bedbugs“ schon massiv ausgebreitet haben. Die Winzlinge oder ihre Vorstadien sind unterwegs versteckt an Schuhen, Handys, Gürtel- oder Kofferschnallen, CD-Hüllen, Mitbringseln, Trolleyrädern oder in gebrauchten Möbeln und Antiquitäten. Ein hoher Gesellschaftsstand und viel Geld können sie nicht aufhalten: Sogar Luxusschiffe werden von ihnen befallen. Man muss nicht einmal selbst verreisen, um sich Bettwanzen nach Hause zu holen. Ein weitgereister Gast kann sie ebenso unbemerkt einschleusen.

Blind, nachtaktiv und einfach unauffindbar

Das Weibchen legt im Laufe seines Lebens ungefähr fünfhundert Eier. Daraus entwickeln sich – je wärmer, je schneller – neue Wanzen über fünf verschiedene Nymphenstadien, ohne sich zu verpuppen. Die erwachsenen Tiere sind braunrot, flügellos, papierdünn und mit fünf bis acht Millimetern etwa so groß wie eine Heftzwecke. Der Volksmund nennt sie „Tapetenflunder“, weil sich die nachtaktiven, fast blinden Tierchen tagsüber gern verstecken. Sie stecken in Ritzen, Verschalungen, Lüftungsschächten, Matratzenrändern, Lattenrosten, Büchern, Möbeln, Bildern, Papieren, Radios oder eben hinter Tapeten.

Sie lieben es warm und trocken. Nachts werden sie munter und suchen Futter. Ihre schlafenden Opfer finden sie praktisch blind: Die Körperwärme lockt sie an. Sie stechen mehrmals hintereinander bevorzugt in die Arme und Beine und hinterlassen dabei sogenannte „Wanzenstraßen“, Reihen von flachen, oft juckenden Rötungen ungefähr so groß wie der Nagel des kleinen Fingers.

Der Fachmann muss ran

Die Stiche lassen sich leicht mit den üblichen Präparaten behandeln. Viel wichtiger und aufwändiger aber gestaltet sich die Behandlung des Wohnraums, in dem den Bettwanze aufgetreten sind. Hier muss unbedingt der Experte ans Werk: Ein Kammerjäger, ein Schädlingsbekämpfer oder ein „Fachmann für Entwesung“.

Der Laie hat mit Hausmittelchen oder auch mit handelsüblichen Chemikalien keine Chance gegen die Bettwanzen, die bis zu sechs Monate ohne Nahrung in ihren Verstecken aushalten können. Eine professionelle Behandlung kann zwar richtig teuer werden und äußerst langwierig. Bettwanzen können aber eine Wohnung unbewohnbar, ein Haus praktisch wertlos machen. Eine Meldepflicht gibt es – bisher – noch nicht. Allerdings hat sich die Zahl der gemeldeten Fälle zuletzt allein in Berlin seit 2007 vervierfacht, Tendenz steigend.

„Einreise“ verhindern

Wer auf Reisen mit Bettwanzen in Kontakt gekommen ist, könnte sie bei der Rückkehr nach Deutschland einschleppen. Er sollte sofort duschen, frische Kleidung anziehen, das Gepäck möglichst komplett tieffrieren bei minus 18 Grad und die Textilien bei mindestens 60 Grad waschen. Wenn die eigenen vier Wände schon betroffen sind, wäre Scham ein schlechter Ratgeber: Je mehr Zeit verstreicht, umso stärker wird die Wanzenpopulation. Man sollte daher sofort einen Fachmann zur Hilfe rufen, um der Sache überhaupt noch Herr werden zu können.