Boelerheider Bienen fliegen in ganz Europa

Keine Angst vor den fleißigen Insekten hat Jovita Lange: Fast wirkt es so, als würde sie mit ihnen kuscheln... (Foto: Anja Schade)
Keine Angst vor den fleißigen Insekten hat Jovita Lange: Fast wirkt es so, als würde sie mit ihnen kuscheln… (Foto: Anja Schade)

Boelerheide. (AnS) Warum der Biene die Eigenschaft fleißig zugeschrieben wird, kann man im Garten von Jovita und Ramunas Lange beobachten. Da summt und brummt es 1000-fach, die Insekten schwirren aus, um emsig Nektar zu sammeln…

Die Imkerei ist ihre Leidenschaft: Jovita und Ramunas Lange. (Foto: Anja Schade)
Die Imkerei ist ihre Leidenschaft: Jovita und Ramunas Lange. (Foto: Anja Schade)

„Wir sind vom ’Virus Biene’ befallen“, lachen die beiden, die ihr anfängliches Hobby mittlerweile zum Beruf gemacht haben. Jovita Lange steckte dabei ihren Mann an: Als Agrarwissenschaftlerin und Diplom-Ingenieurin spezialisierte sie sich in ihrem Studium auf den Fachbereich Bienenhaltung. Ein Thema ihrer Magisterarbeit war die Königinnenzucht, auch heute noch ihr Spezialgebiet. „Meine Frau“, erzählt Ramunas Lange stolz, „gehört zu den größten Bienenzüchterinnen in Europa.“

Königinnen-Zimmer

Hinter dicken Boelerheider Hausmauern befindet sich das „Babyzimmer“, wo die Königinnen in Mini-Brutkästen bei 34 Grad in wenigen Tagen heranwachsen, liebevoll bis zum Verschicken betreut von Jovita Lange. Hochwertig ist jedes einzelne dieser Insekten: Eine Zuchtkönigin kann dann schon mal genauso viel Geld kosten wie ein nagelneuer Motorroller.

Besonders friedlich sind die Bienchen der Rasse Buckfast und Carnica. Das Imkerpaar arbeitet oft ohne jegliche Schutzkleidung mit ihren Honiglieferanten. Fast scheint es, als würde Jovita Lange sogar mit ihren Schützlingen kuscheln…

Aus Boelerheide kommen die Königinnen, die in alle Welt verschickt werden. (Foto: Anja Schade)
Aus Boelerheide kommen die Königinnen, die in alle Welt verschickt werden. (Foto: Anja Schade)

Honig-Kreationen

In Hagen schwärmen die Bienen „nur“ in Wald und Wiese aus, Ramunas Lange geht mit seinen Völkern aber in ganz Deutschland auch auf Wanderschaft. Zehn Sorten von Buchweizen über Raps bis hin zur Robinie kann er ernten. „Dem Laien sei gesagt“, erklärt er, „dass Bienen blütentreu sind. Jede hat mit der Geburt ihre Aufgabe. Bestimmte Insekten suchen in unmittelbarer Umgebung besonders zuckerhaltige Blüten, geben dies weiter und so entsteht der Sortenhonig.“ Gerne experimentieren die Hagener, stellen kreative Mischungen her: Vom fruchtigen Brotaufstrich über das herb-süße Bier bis hin zur Schokolade und zu Kerzenfiguren aus Wachs, kreative Arbeit in der Wintersaison: für einige dieser Schöpfungen heimsten die Langes sogar schon Preise ein.

250 Bienenvölker nennen sie mittlerweile ihr eigen. Auch wenn die fleißigen Tiere drei bis fünf Millionen Blüten anfliegen, um Nektar für einen Kilogramm Honig einzusammeln: In diesem Jahr wird es wohl weniger süßes Frühblütengold geben. „Das Frühjahr war einfach zu kalt, Bienen mögen es wärmer.“ Ab 18 Grad aufwärts fühlen sie sich wohl.

Gelbe Zimmertüren

Ihre Leidenschaft sieht man auch dem Innenleben des Hauses an: Die Zimmertüren und ihre Rahmen sind honiggelb gestrichen, überall duftet es nach Honig, Auszeichnungen schmücken die Wände. „Das Imkern liegt uns halt im Blut.“ An Honig können sie sich nicht satt sehen und essen. Zucker gibt es in dem Boelerheider Haushalt übrigens nur noch für Gäste. Und das Imkerpaar hat noch einen Tipp für alle, die es gerne süß mögen: „Probieren Sie Ihren Kaffee mal mit einem Löffel Honig.“ Ein ganz besonderes Geschmackserlebnis…