Braucht Wehringhausen Impulse „von außen“?

Hagen Wehringhausen
Zu den Wehringhauser Problem-Immobilien zählte lange auch das Eckhaus Bismarck-/Kottmannstraße. Früher erfreute sich hier die Kult-Kneipe „Bei Rainer“ großer Beliebtheit. Die Stadt Hagen hat das Haus über eine „Tochter“ erworben. (Foto: Michael Eckhoff)

Hagen. „Heimat Stadtquartier: Städtebau statt Siedlungsbau“ ist ein Vortrag überschrieben, den Prof. Wolfgang Sonne (TU Dortmund) am 5. Februar um 19 Uhr im Saal des Kulturzentrums Pelmke, Pelmkestraße 14, hält.

Spannender Ortsteil

Wehringhausen, die wahrscheinlich größte Stadterweiterung der Zeit um 1900 in Südwestfalen, war zwischen ungefähr 1970 und der Jahrtausendwende einer der spannendsten Ortsteile der Region. Viele Studenten, Musikerinnen wie Nena und zahlreiche andere kreative Köpfe lebten hier entweder ein Weilchen oder sogar ein Leben lang, wie der weltberühmte Maler Emil Schumacher.

Überdies war Wehringhausen lange Zeit der Dreh- und Angelpunkt der alternativen Hagener Politik und Kultur. Davon künden noch heute das Erzählcafé, die Pelmke und der Quadrux-Laden. Doch seit etwa der Jahrtausendwende ist der Lack in Wehringhausen ein Stück weit ab, zahlreiche Kultkneipen verschwanden ebenso von der Bildfläche wie auch viele kleine Läden der Alternativszene. Nur wenig ist vom „alten Glanz“ geblieben. Immerhin versuchen manche Initiativen, schwungvoll an die alten Zeiten anzuknüpfen und in Wehringhausen abermals eine kreative, lebendige, alternative, durchaus zukunfsorientierte Szene zu etablieren. Hier und da ist dies sogar gelungen.

Vor allem mit EU-Programmen und Fördergeldern wird versucht, das Ruder herumzureißen. Millionen Euro sind mittlerweile nach Wehringhausen geflossen. Das viele Geld wurde nicht immer sinnvoll angelegt, ein praktisch ungenutzter, aber sehr teurer Spielplatz an der Rehstraße ist hierfür ein signifikantes Beispiel.

Leider haben aber auch die Vermüllung vor allem in den Randbereichen und nahe der Bahntrassen, die Verschmutzung etwa durch Hundekot im Kerngebiet sowie der Wohnungsleerstand die Wohnqualität mancherorts ganz erheblich gemindert.

Eingeschränkt attraktiv

Hunderte von Wohnungen sind ungenutzt, andererseits mangelt es etwa an Kita-Plätzen und „Grün“ entlang der Lange Straße. Für junge Familien ist Wehringhausen aktuell nur eingeschränkt attraktiv. Ältere plagen sich mit den endlos wirkenden Treppen in den teils recht hohen gründerzeitlichen Mietshäusern. Aufzüge sind eher selten.

Um einige Schwachpunkte in den Griff zu bekommen, gibt es inzwischen sogar Pläne der Genossenschaft „GWG“, einen ihr gehörenden Block gänzlich abzureißen (Block 1) und durch eine Kita und einen Discounter zu ersetzen. Einen Denkmalswert haben die Häuser in diesem Block – entgegen einiger in Wehringhausen kursierender Gerüchte – nicht, lediglich einige wenige Bauten gelten hier aus städtebaulichen Gründen als erhaltenswert. Auch die oft zu hörende Aussage, hier stünde „schließlich das älteste GWG-Bauwerk“, stimmt nicht wirklich – ein genauso altes GWG-Haus aus dem Jahr 1899 steht am Steinplatz in Haspe.

Für den Erhalt

Allen Leerständen zum Trotz gibt es zahlreiche „Enthusiasten“, die sich für den weitgehenden Erhalt der alten Bausubstanz einsetzen. Bei einigen von ihnen liest sich das so: „Die Förderung des baukulturellen Erbes steigert die Identifikation der Bewohnerinnen und Bewohner mit der Stadt Hagen bei. Ein gutes Beispiel für ein baukulturelles Erbe ist die geschlossene Blockrandbebauung mit den Straßen und Plätzen des Quartiers Wehringhausen, die mit vielen Jugendstilgebäuden als Stadterweiterung in Verbindung mit der Industrialisierung um 1900 entstanden ist. Dieses Quartier hat stadtbildprägende Funktion für den Ortsteil und für die Stadt.“

Wenn hier vom „vielen Jugendstil“ die Rede ist, stimmt dies nur bedingt. Der wesentlich größere Teil der Bauten entstammt dem sogenannten Historismus oder der Weimarer Republik, vor allem viele sehenswerte „gemeinnützige Bauwerke“ sind erst um 1925/30 entstanden, errichtet unter anderem von der EWG, teils in Anlehnung an Bauhaus-Ideen.

Offene Diskussion

Die Bürger seien, heißt es in einer Presserklärung, von der Stadt Hagen bei der Erarbeitung des integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK) aufgefordert worden, die Zukunft der Stadt mitzugestalten.

So seien beispielsweise in der Ideenschmiede und im Rahmen der Beteiligungsprozesse mit den Wehringhauser Bürgern im Projekt „soziale Stadt“ eine Vielzahl von guten Ideen und Vorschlägen erarbeitet worden. Verschiedene Initiativen hätten sich mittlerweile zum Forum „Quartiers- und Stadtentwicklung Hagen“ zusammengeschlossen.

Sie wollten eine ergebnisoffene Diskussion durch „Impulse von außen“ fördern. Diesem Zweck soll auch der Vortrag „Heimat Stadtquartier“ am 5. Februar in der Pelmke dienen.