Breitband im Lennetal?

Hagen. (hc) Die Frage ist nicht ob, sondern wann und wie der Breitbandausbau im Lennetal kommt. Das war die Kernaussage aller Beteiligten, die in das Märkische Bank-Forum eingeladen hatten.

Rund 45 Unternehmer waren der Aufforderung gefolgt und ließen sich insbesondere über die Breitbandgenossenschaft informieren. Denn die Genossenschaft ist das Kernelement des Lennetaler Breitbandausbaus. Die Unternehmer müssen wohl oder übel selbst die Initiative ergreifen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Selbst Handwerksbetriebe, die sich bisher eher nicht an dem langsamen Internet störten, sind von der Entwicklung der Industrie 4.0 betroffen und müssen reagieren. „Wir brauchen die Bereitschaft der Unternehmen“, erklärt Hermann Backhaus, der Vorstandsvorsitzende der Märkischen Bank.

Mehr Geschwindigkeit fürs Lennetal

Die Unternehmen verfügen derzeit teilweise nur über eine Geschwindigkeit von zwei Mbit pro Sekunde. Ziel der Landesregierung ist es allerdings bis 2018 einen flächendeckenden Ausbau auf 50 Mbit zu schaffen. Und selbst dieses Kennzahl wird von den Experten der SIHK als zu gering eingestuft.

„100 Mbit sollten das Ziel sein“, erklärt Andreas Lux von der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer und er verweist auf den internationalen Vergleich. „Andere Länder sind sehr schnell beim Ausbau.“ Als Vorreiter gilt die USA, die in den nächsten Jahren die Ein-Gbit/S-Grenze erreichen will.

Arbeiten laufen

Seit gut drei Monaten laufen die Arbeiten im Hintergrund, jetzt wurden erstmals Zahlen veröffentlicht. Um die 247 im Lennetal befindlichen Betriebe komplett an das Glasfasernetz anzuschließen, müssen knapp 40 Kilometer Kabel verlegt werden. „Ein Kleinprojekt im Vergleich zu vielen anderen Standorten“, erklärt Dr. Martin Fronefeld vom Strategieberatungsbüro Micus.

Die Berater aus Düsseldorf haben die Kalkulationen gemacht. Dabei konnten sie auch die beiden wichtigsten Fragen klären. Zwischen 3.000 und 4.000 Euro wird ein Anteil an der Genossenschaft kosten und im bestmöglichen Fall kann noch in diesem Jahr mit den ersten Hausanschlüssen gerechnet werden.

Dafür müssten sich allerdings zwischen 20 und 30 Prozent der Unternehmen dafür entschließen, bei der Genossenschaft mitzumachen.

Minister Duin informiert Unternehmer

Um die dringende Notwendigkeit zu unterstreichen, war auch der Minister für Wirtschaft, Energie, Mittelstand und Handwerk des Landes NRW, Garrelt Duin, in die Volmestadt gereist. „Alles, was digitalisiert werden kann, wird auch digitalisiert werden“, lautet die Formel des Ministers. „Wir haben viel Geld in die Hand genommen, um in den kommenden eineinhalb Jahren unsere Ziele zu erreichen“, sagt Duin.

Die komplette Versorgung mit Glasfaser ist die Zielsetzung. Denn bei Glasfaser sind derzeit keine Leistungsgrenzen bekannt – im Gegensatz zu Kupfer, das derzeit noch vielfach genutzt wird.

Ausbaukosten deutlich gesenkt

In Gesprächen mit dem Tiefbauamt haben die Berater der Breitbandgenossenschaft die Zulassung untiefer Verlegungsmethoden erreicht, was eine Kostenersparnis von bis zu 55 Prozent brachte. Und auch in den Gesprächen mit den Providern sind erste Zahlen bekannt. Business-Pakete werden für unter deutlich 100 Euro angeboten.

„Diese Bandbreite ist nichts, was man für 9,99 Euro bekommt“, ruft Backhaus den Unternehmern noch einmal ins Gedächtnis.

„Wir können nur die Rahmenbedingungen schaffen“, erläutert Oberbürgermeister Erik O. Schulz. „Breitband gehört zur Geschäftsausstattung und die Unternehmen sind zu 100 Prozent schlecht versorgt“, lautet die Einschätzung von Schulz.

Genossenschaft der richtige Weg

Einigkeit herrscht bei den Beteiligten, dass die Genossenschaft die richtige Wahl der Geschäftsform ist.  In Hagen wird es eine Genossenschaft von Unternehmen werden, an anderen Standorten sind kommunale Genossenschaften eine Option. Das Hagener Projekt soll ein Leuchtturm werden, denn wie Minister Duin sagt: „Für alle das Gleiche ist nicht zielführend.“

Die Vorteile liegen auf der Hand. Genossenschaftsanteile können wieder veräußert werden, der Beitritt gelingt ohne große formale und bürokratische Hürden; die Insolvenzquote liegt bei 0,4 Prozent. Auch Privathaushalte können an der Genossenschaft teilnehmen und partizipieren.

Offene Fragen werden geklärt

Auf die Frage, wer bei der Genossenschaft einsteigen wolle, gab es zunächst nur vereinzelte Handmeldungen. Doch sowohl Minister Duin als auch die anderen Podiumsgäste konnten offene Fragen noch klären und damit zumindest unter den Anwesenden einige Bedenken zerstreuen.

Das Heft des Handelns liegt nun in der Hand der Unternehmer. Sie können durch eigene Initiative den schnellen, gemeinsamen Anschluss an die Informationstechnologie der Zukunft schaffen oder andere Lösungen suchen. Doch eins scheint sicher: Der Breitbandausbau im Lennetal wird kommen.