Brutale Sinnsuche: Schillers „Räuber“

Kjell Brutscheidt spielt den brutalen Räuberhauptmann Karl Moor, Tatiana Feldman (in einer Doppelbesetzung mit Kristine Larissa Funkhauser) Karls sinnliche Geliebte Amalia. (Foto: Theater Hagen)

Hagen. (Red/ce) Mit gerade einmal 16 Jahren fing Friedrich Schiller die Arbeit an seinem Stück „Die Räuber“ an. Als der heutige Klassiker am 13. Januar 1782 in Mannheim Premiere feierte, war der junge Autor erst 22 Jahre alt.
So alt ist jetzt auch Kjell Brutscheidt, der Schauspieler, der am heutigen Samstag, 12. Januar, um 19.30 Uhr bei der Premiere am Theater Hagen die Rolle der Hauptperson mit Leben füllen mit.

Schonungslos bis zur Katastrophe

Auch der Hauptmann der Bande von Schillers „Räubern“, Karl von Moor, ist jung, vielleicht Anfang Zwanzig. Er schlägt aus der feinen Art seiner Von-und-zu-Familie, er rebelliert und haut fern der Heimat mit seinen Jungs mächtig auf alles drauf. Er verübt brutale Verbrechen gegen rechtschaffene reiche Bürger, Advokaten, Priester, schließlich ganze Städte. Mord und Totschlag, Vergewaltigung, Raub und Kinderschändung sind für die Bande üblich.
Sein hinterhältiger Bruder Franz von Moor hat derweil zu Hause den Vater betrogen und Karl enterben lassen. Politik, blanke Gewalt, Betrug, Liebe, Sex, die Suche nach dem eigenen Ich und die Frage nach dem Sinn, Verrat, Verzweiflung – nichts Menschliches lässt dieses wortgewaltige Schauspiel aus, bis es zur finalen Katastrophe kommt.
Karls Bruder Franz erhängt sich, sein treuester Räuber begeht Selbstmord, die Bande revoltiert. Karl sagt sich von ihnen los, tötet mit eigener Hand die geliebte Amalia vor aller Augen und geht fort, um sich der Justiz zu stellen. Alles ist vorbei.

Sinnlich, jung und aktuell

Aus dem mächtigen Prototyp des klassischen „Sturm- und Drang“-Dramas macht die Hagener Inszenierung von Intendant Francis Hüsers ohne Firlefanz ein modernes, sinnliches und für heutige Zuschauer auf knapp drei Stunden konzentriertes spannendes Theatererlebnis, das es in sich hat. Es bleibt Schillers Sprache treu und schafft dennoch ohne Umwege den Sprung aus dem Zeitalter von Postkutsche und Pergamentpapier direkt in die Jetzt-Zeit. Dabei helfen die minimalistische Ausstattung, Musik, Gesang, Tanz und moderne Theatertechnik wie Licht und Video-Projektionen.
„Wir besinnen uns damit auf das große Erbe der deutschen Dramatik, aber nehmen Bezug zum heutigen Alltag“, sagt Francis Hüsers. „Jugendlichkeit ist dabei ganz wichtig. Das Stück ist heute genauso aktuell wie 1782, denn es stellt die Frage: Wer bin ich? Wie definiere ich meine Identität?“

Die jungen Gast-Schauspieler Kjell Brutscheidt als Karl und Harry Schäfer als dessen fieser Bruder Franz sind schon auf vielen Bühnen in Deutschland aufgetreten. Die Amalia ist doppelt besetzt mit Ensemblemitglied Kristine Larissa Funkhauser und Tatiana Feldman. Ein weiterer Gast ist die auf den Hagener Bühnen bestens bekannte Darstellerin Kristina Günther.

Weitere Vorstellungen

Weitere Vorstellungen finden statt am 20. Januar um 15 Uhr mit einer anschließenden „Stunde der Kritik“ um 17.30 Uhr im Theatercafé und jeweils um 19.30 Uhr am 30. Januar, 9. Februar, 16. März und 5. April. Die Produktion „Die Räuber“ sollen alle Schülerinnen und Schüler sehen können. Deshalb ermöglicht ihnen der Theaterförderverein mit dem Projekt „Jeder Schüler ins Theater Hagen“ einen kostenlosen Theaterbesuch im Klassen- oder Kursverband.