Chancen schaffen für indische Frauen

Hagen. (Red./AnS) Indien ist die größte Demokratie der Welt und hat in den vergangenen Jahrzehnten eine beachtliche Entwicklung genommen. Doch Mädchen und Frauen erfahren dort bis heute eine starke soziale Benachteiligung und Diskriminierung. Unter anderem bleibt ihnen oftmals der so wichtige Zugang zu Bildung verwehrt. Der Hagener Verein „Bildungschancen für Frauen in Indien“ setzt hier an: Er stellt gezielt Stipendien für die Ausbildung von jungen Frauen aus ärmsten Verhältnissen zur Verfügung. In den nächsten vier Jahren fördert der Verein 35 angehende Krankenschwestern in den südindischen Bundesstaaten Kerala und Tamil Nadu.

„Wir wollen jungen Frauen die Chance auf eine selbstbestimmte Zukunft ermöglichen. Eine gute Ausbildung ist dafür die Grundlage“, sagt der Hasper Unternehmer Hans-Georg Kraus, auf dessen Initiative hin der Verein gegründet wurde.

Kraus, Gründer einer Reise-Firma, ist seit vielen Jahren in der Entwicklungshilfe engagiert. Laut Kraus setzt der Verein auf Frauen als Multiplikatoren: Gut ausgebildet sollen sie positiv als Vorbilder in ihren Familien und auf heranwachsende Mädchen in ihrem Umfeld wirken. Die Botschaft ist einfach: „Eine gute Ausbildung lohnt sich.“

Arbeit von Ärzten

Auf dem Subkontinent ist die Ausbildung zur Krankenpflegerin ein regelrechtes Studium, das mit dem Bachelor-Grad abgeschlossen wird. „Eine solch umfassende Ausbildung ist allein deshalb erforderlich, weil Krankenschwestern in Indien Teile der Aufgaben übernehmen müssen, die in Europa eigentlich Ärzten obliegen,“ erklärt Dominic Ponattu, gebürtiger Hagener mit indischen Wurzeln und Vorstandsmitglied von BFI.

Indien stehe weltweit mit weniger als einer Pflegeperson und einer ärztlichen Fachkraft pro 1.000 Einwohner weit abgeschlagen auf den unteren Plätzen der medizinischen Versorgung. Die Arbeitsmarktaussichten für Krankenschwestern in Indien seien sehr gut, weil aufgrund des starken Bevölkerungswachstums und der steigenden Lebenserwartung immer mehr Pflegekräfte benötigt werden.

Studium dank Stipendium

Der Verein fördert Frauen an zwei südindischen Hochschulen. Dominic Ponattu, dessen Eltern aus jener Region stammen, besuchte Anfang Juni die beiden Ausbildungsstätten. Gemeinsam mit den deutschen Generalkonsuln Jorn Rohde und Achim Fabig eröffnete Ponattu die beiden Projekte vor Ort und tauschte sich mit den Stipendiatinnen aus. Diese wurden vor allem nach ihrer Bedürftigkeit ausgewählt. „Die meisten Stipendiatinnen haben mindestens einen Elternteil verloren oder wuchsen bei Eltern auf, deren gesundheitlicher Zustand kein geregeltes Familieneinkommen ermöglicht hat“, erklärt Ponattu. Beachtlich sei, dass die Frauen dennoch durchweg gute und zum Teil sogar herausragende schulische Leistungen gezeigt haben.

Ohne die Förderung durch den Hagener Verein wäre den jungen Frauen die Ausbildung nicht möglich oder allenfalls unter einer starken Verschuldung denkbar. Das Stipendium deckt vor allem die für indische Verhältnisse hohen Studiengebühren, die sich pro Krankenschwester auf jährlich etwa 1.000 Euro belaufen.

Der gemeinnützige Verein ist ausschließlich ehrenamtlich aktiv. Das begonnene Projekt trägt sich durch Spenden, die ohne jeden Abzug der Ausbildung der Krankenschwestern zugutekommen. Weitere Informationen können im Internet unter www.bildungschancen-indien.de und bei Dominic Ponattu per E-Mail unter info@bildungschancen-indien.de eingeholt werden.