Charles Paulo Mkwabi: Von Sansibar an die Volme

Charles Paulo Mkwabi (re.) hält sich während seines Deutschlandsaufenthalts unter den wachsamen Augen von Trainer Jendrick Kraft im Injoy fit. (Foto: Heiko Cordes)

Charles Paulo Mkwabi (re.) hält sich während seines Deutschlandsaufenthalts unter den wachsamen Augen von Trainer Jendrick Kraft im Injoy fit. (Foto: Heiko Cordes)

Hohenlimburg. (hc) Ein etwas schüchternes Lachen hat Charles Paulo Mkwabi, als er zum Gespräch kommt. Er schaut mit wachen Augen umher, ist aber sofort bereit loszulegen. Er soll über seine Heimat Sansibar reden. Die Inselgruppe im indischen Ozean ist ein halbautonomer Staat, der zu Tansania gehört. Etwas mehr als eine Million Menschen leben dort. Sie werden von einer eigenen Regierung angeführt.

Die große Liebe kommt aus Hagen
Mkwabi hat seine afrikanische Heimat aber für kurze Zeit verlassen – der Liebe wegen. Der 23-Jährige hat sie bei Janina gefunden. Die Hagenerin war zufällig in dem Hotel abgestiegen, in dem Mkwabi arbeitet. Er folgte seiner Liebe in die Volmestadt. Doch schon bald geht es wieder zurück in die Heimat.
Dort will das glückliche Paar eines Tages zusammen ein eigenes Hotel aufbauen und betreiben. Der Fokus wird dabei aber eher auf arabischen Gästen liegen, da sie den Großteil der Touristen auf Sansibar ausmachen. Das hat auch mit der religiösen Situation auf den Inseln zu tun. „99 Prozent der Menschen dort sind Muslime“, erklärt Mkwabi. Er würde sich aber freuen, wenn mehr Deutsche den Weg nach Sansibar finden würden und – wenn er sein eigenes Hotel hat – natürlich auch zu ihm. „Wenn ein Reiseveranstalter darauf Lust hätte, würde ich natürlich nicht nein sagen.“
Fremdes Land – andere Mentalität
Der junge Mann wirkt sehr aufgeweckt, wobei man ihm anmerkt, dass er mit der deutschen Mentalität noch einige Reibungspunkte hat. „Die Leute hier in Deutschland sind viel allein“, beschreibt er. Viele Menschen schauen nur noch auf ihre Smartphones und haben Kopfhörer in den Ohren. „Die Musik kann aber nicht gut sein“, findet Mkwabi. „Wenn ich Musik höre, dann muss ich mich dazu bewegen, den Rhythmus spüren.
Wenn ich Kopfhörer auf hätte und regungslos wäre, dann würden mich die Leute fragen: ‚Alle ok? Ist jemand gestorben?‘ Das wäre nicht normal in Afrika.“ In seiner Heimat dagegen ist die persönliche Kommunikation viel ausgeprägter. „Wenn man sich auf der Straße trifft, bleibt man stehen, schüttelt Hände und redet mindestens fünf Minuten miteinander. In Deutschland können zwei Menschen an einem Tisch sitzen und nicht miteinander reden.“
Positiv findet er dagegen die Einstellung der Deutschen zur Arbeit. „Jeder hat hier Arbeit. Alle sind immer so beschäftigt.“ Das kenne er so nicht aus seiner Heimat, dort wäre die Arbeitslosigkeit viel höher und auch die Mentalität anders.
Während seines Aufenthalts ist er auch in die Stadt der Liebe, Paris, gefahren. Ihm fiel auf, dass es dort viel mehr dunkelhäutige Menschen gibt. Er fühlte sich deutlich wohler, obwohl er keine schlechten Erfahrungen in Deutschland gemacht hat. Aber die optische Ausgrenzung war für den jungen Mann offensichtlich dennoch spürbar.
Im Injoy in Hohenlimburg fühlt sich Mkwabi dagegen sehr wohl. Das Fitnessstudio bietet ihm die Möglichkeit, sich während der drei Monate fit zu halten. Das nutzt er ausgiebig. Fünf Tage pro Woche stemmt er Gewichte, läuft und macht diverse Übungen.
Aufmerksamer Beobachter
Und auch hier hat er viele Beob­achtungen gemacht. Die kurioseste für ihn: „Hier haben alle spezielle Schuhe. Fast so wie Hausschuhe. Bei uns geht man eigentlich mit den normalen Schuhen zum Training.“
Ungewöhnlich für ihn ist es auch, dass viele ältere Menschen trainieren. „In Sansibar trainieren die Leute maximal bis 45. Dann ist Schluss. Aber ich finde es gut, dass die Leute sich fit halten.“ Begeistert ist er von der Größe des Studios und den Trainern, die ihn sehr gut aufgenommen haben.
Doch seine Zeit in Deutschland neigt sich so langsam dem Ende zu und er freut er sich auf die Heimat – natürlich gemeinsam mit seiner Liebe Janina.