Chef, Buchhalter und Verkäufer

Haspe. (san) Gerade einmal 15 Jahre jung ist Sabine Zmudowska und bereits Leiterin eines kleinen Unternehmens! Als Geschäftsführerin unterliegen ihr die Abteilungen Buchhaltung und Einkauf, Marketing, Produktion und Vertrieb. Die Firma nennt sich “EES-Lunch-Box“, dahinter verbirgt sich ein Schulkiosk mit gesunden Pausensnacks.

Start am Montag

Es ist nicht bloß ein Projekt, das die Ernst-Eversbusch-Schule (EES) unlängst ins Leben gerufen hat, sondern eine tatsächliche Schülerfirma, gefördert durch die Stiftung „Partner für Schule“. Rund 30 Mitglieder stark ist der Betrieb, Schüler aus den Jahrgangsstufen 8 und 9 haben sich für diesen Job schriftlich beworben. Mit professioneller Hilfe der Caritas wurden Bewerbungsgespräche geführt, Geschäftsführerin Sabine hat entschieden und eingestellt. Nach gut zweimonatiger Vorbereitungszeit im Wahlpflichtunterricht – viel Theorie rund um die einzelnen Abteilungen oder beispielsweise die Belehrungen zur Hygiene vom Gesundheitsamt – wird am kommenden Montag, 21. November 2011, erste große Pause, Eröffnung gefeiert.

Neben den Begleitlehrern Heidrun Teves-Humme und Karl-Georg Kraft sehen die Schüler der Eröffnung ihrer Firma “EES-Lunch-Box“ am Montag mit Erwartung entgegen. Seit zwei Monaten arbeiten die Acht- und Neuntklässler auf diesen Tag hin. (Foto: Schievelbusch)

Abteilungen als Team

Die Teams der Buchhaltung und des Einkaufs haben unter allen Mitschülern Umfragen zu beliebten Snacks durchgeführt, Angebote erarbeitet, und Preislisten erstellt. Da hieß es erst einmal zu schauen, welche Lebensmittel denn anderswo zu welchen Preisen angeboten werden. In Zusammenarbeit mit der Produktion war man schnell einig, dass nur Gesundes zum Verkauf stehen sollte. Softdrinks sind auf der Getränkeliste tabu. Ein besonderes Tagesangebot soll es auch geben.

Die Marketing-Leute haben sich um die Namensgebung gekümmert: ’EES-Lunch-Box’ kam gut an in der Schülerschaft. Nun galt es Plakate zu gestalten und den neuen Laden bekannt zu machen. Schließlich muss noch der Vertrieb für das Klingeln in der Kasse sorgen, und dafür, dass ein geregelter Verkaufsverkehr vor dem Kiosk herrscht. Die Bedienung muss dem Andrang der hungrigen Schülerschar gewachsen sein. Eine Qualitätsprüferin neben dem eigentlichen Firmenmitarbeiterteam gibt es zusätzlich.

Natürlich werden die 13- bis 16-Jährigen nicht für eventuelle Schulden oder Pleiten haften, dennoch bilden sie ein unabhängiges, eigenständig handelndes Unternehmen. Einige Lehrer stehen den Kioskmitarbeitern beratend zur Seite. So hat Heidrun Teves-Humme die Geschäftsführung angeleitet, denn auf deren Schultern lastet ja zukünftig eine große Verantwortung. Wie groß die Scheu vor einer solchen Funktion ist, beweist die Tatsache, dass Sabine Zmudowska die einzige Bewerberin für diesen Posten war und somit auch Mut zeigte.

Lernen aus Erfahrungen

Die Schülerfirma ist ein großartiger Beitrag zur Berufsorientierung. Hier bekommen die mitmachenden Schüler über einen langen Zeitraum vielseitige Einblicke in die Berufswelt, Lerneffekte werden aus Erfahrungen erzielt. Nicht nur, dass hinter den einzelnen Abteilungen der Firma natürlich Inhalte aus Bereichen der Hauswirtschaft, Kaufmannskunst, des künstlerischem Gestaltungs-Knowhows und dergleichen mehr vermittelt werden. Die Schulfirma soll auch auf die Welt nach der Schule vorbereiten: Nach dem dritten Zuspätkommen gibt es die Abmahnung, im schlimmsten Fall die Kündigung. Aber die Chefin muss ihr Team auch motivieren und Verantwortlichkeiten klar machen.

Scheidet der älteste Jahrgang aus, sollen unter den Schülern neue Stellen ausgeschrieben werden. Das heißt: ist die Schülerfirma einmal etabliert, wird sie zur Dauereinrichtung an der Hauptschule Ernst-Eversbusch. Mit einem Frühstück am Montag wird es beginnen, bei Erfolg schwirren schon viele weitere Ideen in den Köpfen der Schüler herum…