Chefin in Teilzeit: „Das funktioniert nur als Teamarbeit“

Als Führungskraft in Teilzeit kann Eva Beermann – hier mit ihrer jüngsten Tochter Carla vor dem LWL-Landeshaus – Beruf und Familie vereinbaren. (Foto: LWL/Köhler)

Westfalen. (lwl) Wenn Dr. Eva Beermann morgens ihren Computer anstellt, dann hat sie den Bürotag bereits organisiert: Gespräche, Meetings, Zeiten für Mails sind minutengenau eingeplant. „Ich muss mich auf das Wesentliche konzentrieren“, sagt die 40-jährige Mutter von vier Kindern. Beermann ist Referatsleiterin der LWL-Organisations- und Personalentwicklung und Ansprechpartnerin für rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ihre Wochenarbeitszeit beträgt 23 Stunden. „Das funktioniert“, sagt Beermann. Sie könne dadurch zwar nicht an jeder Besprechung teilnehmen, aber das Zusammenspiel in ihrem Referat sei gut. „Ich kann mich dabei auf zwei, mir direkt zugeordnete und engagierte Mitarbeiterinnen verlassen, die mich vertreten, wenn ich nicht im Büro bin.“

Arbeit und Privates in Balance

Der Juristin ist wichtig, dass Fragen und Aufgaben während ihrer Abwesenheit nicht liegen bleiben. Das bedeute natürlich auch, dass man Aufgaben delegieren müsse, so Beermann. Wenn alle Stricke reißen, kann die Referatsleiterin auch von zuhause arbeiten. „Ich habe einen Homeoffice-Arbeitsplatz, den ich für Notfälle nutze. Und stehen wichtige Termine außerhalb der offiziellen Arbeitszeit an, komme ich natürlich auch. Dies lässt sich mit ein wenig Vorlauf gut organisieren.“

Eva Beermann ist Teilzeitprofi. Seit über zehn Jahren arbeitet sie beim LWL in verschiedenen Abteilungen, immer in Teilzeit und seit rund sieben Jahren auch mit Führungsverantwortung. „Ich habe mich damals entschieden, eine Stelle beim LWL anzunehmen, in der Hoffnung, dass ich hier als Juristin Beruf und Familie vereinbaren kann.“ Dieser Wunsch hat sich erfüllt. „Das wäre in einer Kanzlei oder in weiten Teilen der Wirtschaft so nicht möglich gewesen“, ist sich Beermann sicher, die nicht die einzige Teilzeitführungskraft beim LWL ist. In der LWL-Hauptverwaltung nutzen insgesamt 83 von 410 Führungskräften, also rund 20 Prozent, die Möglichkeit, Arbeit- und Privatleben per Teilzeitbeschäftigung in Balance zu halten.

Der Erste Landesrat und LWL-Kämmerer, Dr. Georg Lunemann, unterstützt das Teilzeitführungsmodell: „Der LWL ist ein Arbeitgeber, der viele verschiedene Arbeitszeitentwürfe möglich macht – auch für Führungskräfte, wenn die Stelle dafür geeignet ist. Die Erfahrungen zeigen, dass die Arbeitsqualität darunter nicht leidet und die Arbeitszufriedenheit wächst. Dass wir Teilzeitmodelle für Führungskräfte anbieten können, bringt uns natürlich auch einen Wettbewerbsvorteil bei der Suche nach qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Es ist eine ‚Win-Win-Situation‘ für alle Beteiligten.“

Eva Beermann füllt ihre jetzige Referatsleitung in der LWL-Haupt- und Personalabteilung seit rund einem Jahr aus. Sie kennt auch die Herausforderungen, die eine Teilzeitführung mit sich bringt: Viele Anfragen und Aufgaben landen während ihrer Abwesenheit bei ihren zwei Vertreterinnen, die in Vollzeit und Teilzeit arbeiten. „Hier müssen wir natürlich gemeinsam prüfen, ob die bisherige Aufteilung für alle passend ist. Ich will ja nicht zum Selbstzweck in Teilzeit führen. Es muss für alle Beteiligten in Ordnung sein“, so Beermann. Teilzeitführung funktioniere eben nur als Teamarbeit und das bedeute auch viel Kommunikation im und mit dem Team. Gleichzeitig gibt die Referatsleiterin einen Teil der Verantwortung ab.

Kaum Zeit für Kontrollen

Zeit zum Kontrollieren bleibt kaum. Beermann sieht das positiv: „Ich habe großes Vertrauen in meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, und das führt bestimmt auch oft zu mehr Motivation.“

Auf lange Sicht kann sich die vierfache Mutter vorstellen, auch wieder eine Vollzeitstelle zu übernehmen. „Aber in meiner jetzigen Lebenssituation wäre für mich mit einer vollen Stelle das Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben gestört“.

Eva Beermann möchte Zeit für ihre Kinder, die noch Kindergarten und Grundschule besuchen, haben. „Ich erlebe die Arbeit als guten Ausgleich zu meinen Pflichten zuhause und umgekehrt. Die Waagschalen sind im Moment austariert.“