Das Folkwang-Museum und der Erste Weltkrieg

Hagen. Unter dem Titel „Kunstfragen sind nicht Friedensfragen – das Hagener Folkwang-Museum und der Erste Weltkrieg“ hält Dr. Birgit Schulte am Donnerstag, 3. Juli 2014, um 18 Uhr einen Vortrag im Hörsaal des Kunstquartiers, Museumsplatz/Hochstraße 73.

„Skizzen aus dem Felde“ hieß die erste Ausstellung des Hagener Folkwang-Museums im Kriegsjahr 1915. Nach Kriegsausbruch hatte Museumsdirektor Karl Ernst Osthaus die Sammlungen in die Depots verfrachten lassen, da er das Museumsgebäude als Reservelazarett angeboten hatte. Rasch stellte sich heraus, dass die Schließung nicht vonnöten war und der Museumsbetrieb – wenn auch unter geänderten Vorzeichen – weitergeführt werden konnte. Osthaus formulierte als sein dringendes Anliegen, „die Tätigkeit der Anstalt im Einklang mit den Zeitumständen wieder aufzunehmen“. An der tiefgreifenden Erkenntnis „Kunstfragen sind nicht Friedensfragen“ richtete Osthaus sein Handeln in den Kriegsjahren aus.

Aus einer Vielzahl an Quellen, Dokumenten und Archivalien, unter anderem aus dem neu erworbenen Briefkonvolut für das Osthaus-Archiv, lassen sich die Folkwang-Arbeit wie auch Osthaus‘ Einstellung zum Krieg rekonstruieren. Osthaus bemühte sich, den Exodus der Kunst aus Hagen aufzuhalten. Unter anderem versuchte er den Auftrag für den „Eisernen Schmied“ an Ernst Ludwig Kirchner zu vermitteln.

Nach Kriegsausbruch wurde deutlich, dass die finanzielle Situation des Folkwang-Museums wie auch des „Deutschen Museums für Kunst in Handel und Gewerbe“ sich gravierend verschlechterte. Das Ehepaar Osthaus sah sich mit der Notwendigkeit von Kunstverkäufen konfrontiert, die sie intensiv diskutierten. Ferner verlegte Osthaus seinen Arbeitsschwerpunkt auf Publikationen und Vorträge und vollendete seine Dissertation. Trotz vieler Rückschläge ließ er sich in seinem Glauben an die Bedeutung der Kunst nicht beirren.

Doch die Auswirkungen des Krieges auch in seiner Heimatstadt Hagen hatten den Kulturreformer immer wieder auf den Boden der Tatsachen geholt. Die Umwandlung des Hohenhofes in einen Bauernhof war nicht nur der Realisierung eines lebensreformerischen Ideals geschuldet, sondern entsprang der materiellen Notwendigkeit. Ab September 1916 musste Osthaus in Krefeld als ungedienter Landsturmmann eine militärische Ausbildung absolvieren.