Das Geld besser arbeiten lassen

Hagen. (Red./ME) Die Zeiten sind unruhig. Was soll man mit seinem Geld machen? Wie kann man es „deponieren“? Das „gute, alte Sparbuch“ allein ist wenig sinnvoll – schließlich sind die Zinsen niedrig. Aber: Wie kann ich dann mein sauer verdientes Geld besser arbeiten lassen – auch im Hinblick auf eine eventuelle Vorsorge fürs Alter (was bekanntlich unbedingt vonnöten ist)? Was ist zum Beispiel mit Aktien? Oder mit „Betongold“? Mit einem Fonds?

Der Wochenkurier hat seinen Lesern bei der Beantwortung dieser Fragen ein wenig unter die Arme gegriffen – mit Hilfe einer Experten-Telefon-Aktion in der vergangenen Woche. Natürlich holte sich die Wk-Redaktion kompetente Hilfe ins Haus: Als Wochenkurier-Partner fungierte die Sparkasse Hagen, die uns mit Markus van Eik (Spezialist Versicherungen), Martin Markowski (Kundenberater im Bereich Vermögensmanagement) und Thomas Michalke (Abteilungsleiter Privatkunden) gleich drei Berater zur Seite stellte. Deutlich wurde bei unserer Aktion, dass viele Anrufer ihr Vermögen lange nicht „bewegt“ haben. Deutlich wurde auch, dass die Thematik „Erben und Vererben“ von vielen Menschen offenbar nicht genügend beachtet wird.

Hier sind einige Fragen und ihre Antworten:

Die Zinsen fallen und fallen. Auch bei meiner Lebensversicherung?

Der sogenannte Garantiezins bei Lebensversicherungen liegt bei Neuabschlüssen deutlich niedriger, als noch vor einigen Jahren. Die Verzinsung bei Altverträgen kann nicht unter den bei Abschluss gültigen Garantiezins gesenkt werden.

Was muss ich vor Jahresende beachten?

Man sollte sich allein von der Tatsache, dass das Jahresende naht, nicht verleiten lassen, voreilige Entscheidungen zu treffen. Allerdings bestehen gerade bei staatlich geförderten Anlagen durchaus zum Jahresende noch Chancen, die teils sehr lukrativen Zulagen zu nutzen. Zuallererst ist hier der sogenannte Riester-Vertrag zu nennen. Auch der Abschluss eines Bausparvertrages oder Einzahlungen auf einen bestehenden können vor dem Jahreswechsel durchaus noch sinnvoll sein. Vorab sollte aber immer eine fundierte Beratung erfolgen.

Woran erkenne ich eine gute Beratung?

Die Ausgangslage mit Lebenssituation, Risikobereitschaft und Zielvorstellung ist sehr genau zu erfragen. Eine seriöse Beratung stellt dies immer an den Anfang. Danach sollte das Gespräch in Richtung  „Anlageklassen“ gehen. Erst wenn diese zusammen mit dem Kunden gefunden sind, geht es an die Auswahl geeigneter Produkte. Ein Gespräch, das all dies beinhaltet, braucht Zeit, in der Regel weit mehr als eine Stunde. Wem vielleicht schon nach 20 Minuten etwas zur Unterschrift vorgelegt wird, sollte sich besser eine zweite Meinung einholen.

Mir ist das Thema Geldanlage viel zu kompliziert. Ich möchte daher alles auf dem Geldmarktkonto lassen – ist das sinnvoll?

Nur zum Teil! Als Faustregel gilt: Ca. drei Monatsgehälter sollten als „Notfallgroschen“ jederzeit kurzfristig verfügbar sein. Hiervon kann man bei individueller Betrachtung natürlich abweichen. Alles andere sollte nach individueller Analyse auf verschiedene Anlageklassen verteilt werden. Aber erst müssen die persönlichen Ziele und Gegebenheiten besprochen werden, damit eine Beratung im Kreditinstitut in passende Lösungen münden kann. Dann kann beispielsweise eine passende Fondsanlage eine gute Ergänzung sein.

Ich möchte gern bei einer Fondsanlage möglichst wenig Risiko eingehen. Was kann ich tun?

Die Laufzeit und die Streuung reduzieren das Risiko. Eine Absicherung von möglichen Kursgewinnen während der Laufzeit kann bei speziellen Produkten zusätzlich vor Rückschlägen schützen.

Sollte ich bei Immobilien besser direkt oder in Fonds investieren?

Das ist sehr stark abhängig von der Struktur des Gesamtvermögens. Auch muss die Frage „Will ich wirklich selbst eine Immobilie verwalten?“ eindeutig mit „Ja!“ beantwortet werden, wenn ich eine konkrete Immobilie erwerbe. Immobilienfonds sind da meist die sinnvollere Beimischung. Aber auch hier ist die aktuelle Gesetzeslage beispielsweise mit den Haltefristen zu beachten.

Ich möchte für drei Jahre 30.000 Euro anlegen mit null Risiko. Gibt es festverzinsliche Papiere oder Anleihen, die Sie hierfür empfehlen können?

Risiken gibt es auch bei Festverzinslichen Wertpapieren. Griechenland-Anleihen mit vergleichsweise hoher Verzinsung waren auch festverzinslich. Und als Gegenpol dazu: Die Rendite bei den als sehr sicher eingestuften Deutschen Bundesanleihen ist sehr gering. Somit gilt immer: Je kleiner das Risiko, umso niedriger die Rendite.

Dann also doch besser in Aktien mit höherem Risiko anlegen?

Wenn Sie bereits jetzt wissen, dass Sie mittelfristig, also innerhalb von drei bis fünf Jahren, Ihr Kapital für einen bestimmten Zweck benötigen, ist eine Aktienanlage weniger sinnvoll. Hier fehlt der langfristige Anlagehorizont.

Mein Vermögen liegt in einer Sparanlage. Muss ich bei Verfügungen Strafzinsen zahlen und welche Rendite kann ich heute erwarten?

Nutzen Sie Kündigungsfreibeträge und beachten Sie die vertraglichen Fristen. Die möglichen Strafzinsen entfallen dann oder sind meist sehr gering und können sich je nach Neuanlage schnell lohnen. Die Rendite ist immer sehr stark abhängig von der Risikoneigung, den Wünschen zur Laufzeit und der gewählten Anlage-Klasse.

Ich möchte für mein neugeborenes Enkelkind 6.000 Euro anlegen. Was raten Sie mir?

Für solche Einmalanlagen mit langer hier vermutlich mindestens 18-jähriger Laufzeit bietet sich eine Investition in Aktien an. Wir raten aber ausdrücklich davon ab, Einzelaktien zu erwerben – das Risiko ist einfach zu groß. Aus unserer Sicht ist hier die Anlage in einen Aktienfonds mit breiter Streuung zu empfehlen.

Ich möchte für mein Enkelkind eine Altersvorsorge aufbauen. Fälligkeit soll 2077 sein – mit der Möglichkeit zur Teilentnahme während der Laufzeit. Was mache ich?

Wir empfehlen hierfür beispielsweise eine Fondsgebundene Rentenversicherung oder alternativ einen so genannten Fondssparplan. Das Thema „Erbfolge“ muss in einer Beratung unbedingt berücksichtigt werden.

Nach dem Verkauf meines Hauses (140.000 Euro) möchte ich das Kapital bis zum Lebensende verbrauchen. Welche Optionen habe ich (80 Jahre)?

Eine Option ist die Einmalanlage verbunden mit einem Auszahlplan. Das Vermögen wird während der vorher festgelegten Laufzeit komplett verbraucht. Bei dieser Variante besteht aber natürlich das Risiko „Was ist danach?“! Daher halten wir eine Verrentung des Kapitals über eine Versicherung bis zum Lebensende für die deutlich bessere Alternative. Dies führt zwar  zu geringeren Beträgen, die monatlich zur Verfügung stehen. Mit diesen kann man aber sicher planen.