Das Land der tausend Berge

Von Antje Selter

Hagen. Letzte Woche hat der wochenkurier bereits darauf hingewiesen, dass es zahlreiche herausragende geologische Besonderheiten in der heimischen Region gibt. Die wichtigsten will der wk – wie angekündigt – in seinen nächsten Ausgaben vorstellen („Hagens Top-Steine“).

Vor der Beschreibung der einzelnen Geotope ist es jedoch sinnvoll zu erläutern, wie es vor vielen Millionen Jahren im Raum Hagen ausgesehen haben könnte. Am Samstag stellten wir bereits dar, dass zur Zeit des Devons die Kontinente anders aussahen als wir sie heute kennen. Hagen war seinerzeit in der Nähe des Äquators positioniert. Somit war das Klima mit dem des heutigen tropischen Regenwaldes vergleichbar.

Verwitterungs- und Abtragungsprodukte wurden von einem im Norden gelegenen Festland („Old-Red-Kontinent“) im Devon vor etwa 390 Mio. Jahren durch Flüsse nach Süden transportiert. Das Devon-Meer, das sich in einem lang gestreckten Trog von Südengland über die Bretagne und Belgien bis nach Mitteldeutschland erstreckte, konnte aufgrund eines langsam absinkenden Meeresbodens (Geosynklinale) diese ungeheuren Schuttmassen aufnehmen.

Korallenriffe

Zur Zeit des Unteren Mitteldevons verlief die Küste durch das Gebiet wenig nördlich des Hagener Raumes. Gegen Ende des Mitteldevons (vor ca. 380 Mio. Jahren) hatte sich die Küste des Nordkontinentes wieder nach Norden verlagert. Nachdem die Old-Red-Gebirgshöhen weitestgehend eingeebnet waren, nahm die Zufuhr von Festlandschutt ab. In einem flachen Randmeer bildeten sich zunächst kleinere Korallenriffe, später ein lang gestrecktes Riff, das der nördlichen Festlandküste vorgelagert war.

Während der Oberdevon- und Unterkarbonzeit verschwand allmählich der lang gestreckte Meerestrog aus der Zeit der Massenkalkablagerungen zugunsten kleinerer Becken und Schwellen. Schließlich wurde durch weitere Hebung des Meeresbodens das Meer zur Flachsee. Im oberen Devon versanken die Riffe, während gleichzeitig wieder festländischer Erosionsschutt in den Trog gelangte.

An der Wende Devon/Karbon (vor ca. 358 Mio. Jahren) begann im Zuge einer Gebirgsbildung (Variszische Orogenese) die Auffaltung des Rheinischen Schiefergebirges. Im Karbon wurden die Kalksteine zusammen mit den unter- und überlagernden Sand- und Tonsteinen zum „Variskischen Mittelgebirge“ aufgefaltet. Daher sind die ursprünglich waagerechten Gesteinsschichten heute schräg verstellt. Der spröde Kalkstein zerbrach bei diesen Faltungsvorgängen.

Superkontinent

Die beiden Kontinente GONDWANA und LAURASIA vereinigten sich zum Superkontinent PANGÄA. Durch die Kollision wurde in mehreren Phasen (variszische Gebirgsbildung) ein bis zu 500 Kilometer breites Gebirge aufgefalteten, das durch ganz West- und Mitteleuropa, von Spanien bis nach Polen verläuft. An seinem nördlichen Ufersaum und in festländischen Becken wuchsen im Ober-Karbon (vor ca. 318 bis 299 Mio. Jahren) in tropischen Sümpfen und Küstenmooren riesige Wälder, aus denen später mächtige Kohleflöze entstanden.

In den anschließenden Erdzeitaltern drifteten die Gesteinsschichten des Hagener Raums in unsere Breitengrade. Zur weiteren Ablagerung von Sedimentgesteinen kam es in unserer Region nicht mehr, da dieser Bereich nicht weiterhin von einem Meer bedeckt wurde. Es wirkte nur noch die Verwitterung und Erosion auf dieses Gebirge ein. Das ehemals so hohe Gebirge – ähnlich wie die Alpen – stellt sich heute als mittelhoher Gebirgsrumpf mit tief eingegrabenen Tätern dar.

Die im Tertiär (ca. 65 Mio. Jahre) begonnene Heraushebung des Rheinischen Schiefergebirges mit Sauerland und Bergischem Land setzt sich weiter fort, so dass sich Flüsse und Bäche immer stärker einschneiden können. Flüsse und Bäche und die dazwischen liegenden Bergrücken oder Hochflächen gliedern unsere heutige Landschaft. Nicht ohne Grund wird das Sauerland „Land der tausend Berge“ genannt.

(wird fortgesetzt)

Noch eine Info: Am Sonntag, 1. Mai 2011, wandern Interessierte im Rahmen einer Exkursion von 15 bis 18 Uhr mit Diplom-Geologin Antje Selter durch das geologische Erdzeitalter und erfahren, wie die Gesteinsschichten im Bereich um Hohenlimburg entstanden sind.

Die Expertin zeigt neben vielen anderen Gesteinen wie man Sandstein von Kalkstein unterscheidet und erklärt, warum auf Kalkgestein andere Pflanzen wachsen als auf einem Sandstein. Aber auch Fragen wie die nach der Entstehung von Bergen und den Zusammenhängen zur Plattentektonik werden so beantwortet, dass sie für alle Teilnehmer verständlich sind. Gewandert wird nach einer geologischen Karte und nach dem Geologenkompass.

Treffpunkt ist das Restaurant Hünenpforte, Hohenlimburger Straße 112. Wetterfeste Kleidung und festes Schuhwerk sind empfehlenswert. Informationen gibt es bei der Volkshochschule Hagen, Telefon 0 23 31 / 2 07-36 22 (Veranstaltungsnummer 5005).