Das Lutz wird 15

Hagen. (cj) Das Festival rund um das 15. Jubiläum des Lutz startete am vergangenen Wochenende. In den kommenden drei Wochen werden Lesungen und Schauspiel an den unterschiedlichsten Orten Hagens zu erleben sein. Anlässlich dieses Geburtstages folgt hier der zweite Teil des Rückblicks auf die Geschichte des Lutz in Hagen.

Wendepunkt

Wendepunkt der Geschichte des Lutz war der 22. Januar 2006. An diesem Tag wurde dort zum ersten Mal das Stück „Ehrensache“ aufgeführt. Lutz Hübner schrieb dieses Stück eigens für die Kinder- und Jugendtheatersparte.
Das Stück handelt von einem Mädchen, das ermordet wurde und dessen Freundin schwer verletzt überlebte. Ein realitätsnahes Stück. Es fand enormen Anklang unter den Zuschauern und wurde mehrmals aufgeführt. Doch es gab ein Problem: Die Idee beruhte auf einem echten Fall. Eine 14-jährige Türkin wurde  2004 auf einem Parkplatz in Hagen mit zahlreichen Messerstichen ermordet. Die Eltern des Mädchens klagten gegen das Stück und wollten, dass es nicht mehr aufgeführt wird.
So wurde „Ehrensache“ zuerst in Hagen, dann auch an anderen Spielorten verboten. „Das war ein Schlag in die Magengrube“, sagt Werner Hahn, Leiter des Lutz. Nach einigen Jahren wurde das Spielverbot zuerst in anderen Städten und zuletzt auch in Hagen wieder aufgehoben, dennoch leitete dieses gerichtlich angeordnete Spielverbot einen Kurswechsel ein. „Es war, als hätte man uns den Stecker gezogen“, sagt Hahn. Doch anstatt aufzugeben, legten die Verantwortlichen fortan den Fokus auf ein Theater von Hagenern  mit Hagenern und für Hagener.
Die Stücke sollten zudem auch den Stadtgeist der Volmestadt besser repräsentieren und sich mehr mit den zentralen Themen der Stadt beschäftigen.

Arbeitslosenarbeit

Eines der zentralen Themen Hagens waren die Arbeitslosen. In einem extra angemieteten Ladenlokal probte Anfang September des Jahres 2006 eine Gruppe von arbeitslosen Jugendlichen aus Hagen für ein neues Projekt. Die jungen Menschen sollten Arbeitslose spielen, die nach einer schnellen Lösung ihres Geldproblems suchen und diese auch finden. Ziel war, dass die jungen Darsteller, die dachten, sie seien vom Glück verlassen worden, wieder neuen Mut und Selbstvertrauen für ihr reales Leben finden.
Der komplette Entstehungsprozess wurde von den jungen Hagenern selbst in die Hand genommen. Von technischen Arbeiten bis hin zur Kostümgestaltung lag alles in ihrer Hand. Schon bei den Proben wurde klar, dass sich die Bewohner der Volmestadt für dieses Stück stark interessierten.

Großes Interesse

Es versammelten sich kleinere Gruppen vor dem Schaufenster des Lokals und schauten bei den Proben zu. Als sich auch  Polizisten zu den Zuschauern gesellten, hatte Werner Hahn eine Idee. Sie holten kleine Zuschauergruppen zu sich ins Lokal. Sie bekamen eine kleine Kostprobe von dem Stück „Ladies night“.
Das volle Programm bekamen die Zuschauer allerdings erst im alten Gloria-Kino geboten. Werner Hahn restaurierte mit den Jugendlichen den vollkommen heruntergekommenen Saal. Für die nicht mehr vorhandenen Kinosessel wurden alternative Sitzgelegenheiten gezimmert und so musste keiner – so wie bei den Proben – draußen warten, sondern alle fanden ihren Platz.
„Die Kulisse des Kinos mit der  Backsteinmauer passte perfekt zum Stück, man hätte sie sich so nicht ausdenken können“, sagt Hahn. Trotz der anfänglichen Diskussion, ob das Stück nicht zu freizügig sei, wurde es ein voller Erfolg.

Besondere Oper

Eine weitere Arbeit mit einer anderen speziellen Darsteller-Gruppe war das Musikvermittlungsprojekt „Beinahe die Zauberflöte“, das in der Spielzeit 2006/07 zum ersten Mal gespielt wurde. Zusammen mit der Oberlinschule, die sich mit körperlich und geistig gehandicapten Kinder beschäftigen, arbeitete das Lutz an einer ganz besonderen Oper.
Das Spezielle waren nicht nur die Künstler, sondern auch Idee und Umsetzung. Die elf Kinder im Alter von acht und neun Jahren waren Teil der etwas anderen Inszenierung „Beinahe die Zauberflöte“.
Das Konzept des Stückes lautete: „Mit allen Sinnen erleben“. Die Zuschauer hörten und sahen das Stück nicht nur, sondern sie schmeckten, rochen und fühlten es.
Während Werner Hahn der „Reiseleiter“ dieser Oper war, standen die Kinder auf der Bühne und gestalteten die Aufführung mit. Die Zuschauer bekamen in der Zwischenzeit, passend zu der Situation auf der Bühne, etwas für ihre Sinne. Nach vielen Ehrungen und Auszeichnungen bekamen sie für dieses Projekt auch den Preis „Kinder zum Olymp 2014“, der für eine ereignisreiche und gemeinsame Zukunft spricht.

Für die Zukunft gerüstet

Das Kinder- und Jugendtheater Hagen hat seinen Weg gemeistert und sich auch von Rückschlägen nicht unterkriegen lassen. Mit den baulichen Veränderungen während der Jubiläumswochen legen die Verantwortlichen den Grundstein für hoffentlich noch viele weitere erfolgreiche Jahre.