Das „Reich der Tillholde“

Hagen. (ME) „Vater Pindar trieb sein Maultier die letzten Längen des Bergpfades hinunter auf die Kreuzung der Hundert Wege. ’Wir sind bald da. Von hier könnt Ihr das Haus der Weisen schon sehen, Fräulein Ava.’ Seine Begleiterin lenkte ihre Schimmelstute neben ihn. Sie richtete sich im Sattel auf und sah sich neugierig um…“

„Bücher liebe ich, seit ich alt genug war, Seiten umzublättern,“ gesteht die 51-jährige Hagener Autorin Ina Norman, die jetzt ihren ersten Fantasy-Roman vorgelegt hat: „Avaninian“. (Foto: Michael Eckhoff)

Mit diesen Sätzen beginnt der Abenteuer-Roman „Avaninian“, der in den letzten Monaten aus der Feder – oder heute besser: aus dem Computer – der Hagenerin Ina Norman geflossen ist. „Jahrelang ging mir die Geschichte durch den Kopf,“ schmunzelt die Autorin. „Jetzt musste sie einfach ’raus!“ Entstanden ist ein gleichermaßen spannendes wie opulentes Werk, das zuguterletzt fünf Bände umfassen soll. Band 1 mit über 500 Seiten ist vor wenigen Wochen erschienen, der ähnlich „dicke“ Band 2 letzte Woche. Die übrigen drei folgen voraussichtlich im weiteren Verlauf des Jahres.

Im Reich der Tillholde

Man schreibt das Jahr 1460. Geboren im Zeichen der doppelgesichtigen Göttin, deren Namen sie trägt, scheint das Leben der jungen Fürstentochter Avaninian vorherbestimmt. Denn begabt mit den Kräften der Erdentiefe ist sie dazu ausersehen, Tillholde zu regieren, ein Reich, das von schweren Erdbeben heimgesucht wird. Als Avaninian für eine dreijährige Ausbildung in das „Haus der Weisen“ reist, glaubt sie sich zu kennen. Doch nach dieser Zeit ist sie nicht mehr dieselbe, denn sie hat Jermyn kennengelernt – einen Jungen, aufgewachsen in den Gossen der großen Hafenstadt Dea, verwahrlost und durchtrieben, dabei befähigt, in die Gedankenwelt seiner Mitmenschen einzudringen. Zwei Lebenswege kreuzen sich, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, und Erschütterungen, die weite Kreise ziehen, bahnen sich an…

An dieser kurzen Inhaltsbeschreibung wird bereits deutlich: Dieser fünfbändige Abenteuer-Roman ist der phantastischen Literatur zuzuordnen – also einer Sparte, die sich aktuell der allergrößten Beliebtheit erfreut. Häufig entstammen Fantasy-Romane – wie etwa Tolkiens „Herr der Ringe“ – eher dem englischen Sprachraum. Das ist auch einer der Gründe, weshalb sich die Autorin – die ganz bodenständig am Remberg wohnt – den britisch klingenden Schriftsteller-Namen Ina Norman zugelegt hat.

Mutter von sechs Kindern

Geboren wurde sie allerdings nicht an der Volme, sondern im Januar 1961 in Krefeld, wo sie die Schule bis zum Abitur besuchte. Schon in der Schulzeit hatten es ihr Länder wie Japan und China angetan. Diese Liebe zum Fernen Osten bewog sie denn auch zum Studium der Japanologie („Japan-Kunde“) und Sinologie („China-Kunde“) in München. Das 1987 beendete Studium ging sogar mit einem einjährigen Aufenthalt in Tokyo einher.

Doch statt fortan als Wissenschaftlerin zu arbeiten, folgte ein radikaler Lebenswandel. In München lernte sie noch während des Studiums einen Mann aus Hagen kennen und lieben. Und so begann denn 1987 mit der Geburt des ältesten Sohnes Ina Normans Karriere als Hausfrau und Mutter. Fünf weitere Kinder folgten und mit ihnen das schöne, wenn auch nicht immer ganz leichte Leben in einer großen Familie in Hagen am Remberg. Viel Zeit für Hobbys hatte sie in einem derart großen Haushalt nicht, aber einem ist sie immer treu geblieben: dem Lesen.

„Bücher liebe ich, seit ich alt genug war, Seiten umzublättern,“ gesteht die 51-Jährige. Ihre Kindheit und Jugend hat sie hauptsächlich lesend zugebracht, nach dem Motto „die Abenteuer sind in deinem Kopf“. Gelesen hat sie alles, was ihr unter die Finger kam: von Dantes „Göttlicher Komödie“ bis zum Schundroman, von Thomas Mann bis Tolkien. Ihre besondere Liebe gilt bis heute der englischen Literatur von Jane Austen bis Nick Hornby.

Nicht nur Fantasy

Alles, was sie las, lebte in ihr weiter, sie spann es aus, dachte sich hinein und erfand neue Geschichten. Und eines Tages reichte es nicht mehr, zu lesen oder zu träumen. Eine Geschichte, die sie jahrelang begleitet hatte, wollte heraus. Ein Lebensjahrsiebt – von 43 bis 50 – dauerte es vom ersten Wort, das sie in den PC tippte, bis zum ersten fertigen Buch, dem jetzt erst einmal vier weitere unter dem Titel „Avaninian“ folgen. „Das wird aber nicht alles sein,“ verrät Ina Norman. „Den Stoff weiterer Geschichten habe ich ebenfalls längst im Kopf.“ Dabei wird es nicht nur um Fantasy gehen. Das Pseudonym Ina Norman hat sie sich vornehmlich auch deshalb zugelegt, weil sie über das Genre Phantastik hinaus weiter schreiben möchte.

Erschienen sind die beiden ersten Avaninian-Bände im heimischen Pomaska-Brand-Verlag (Band 1 kostet 22 Euro und hat die ISBN-Nummer: 978-3-943304-00-8).

www.pomaska-brand-verlag.de