Das Verbrechen im Blick: EN-Kreis legt gute Zahlen vor

EN-Kreis. (ce) „Wir leben in einer der sichersten Regionen von NRW“, so Landrat Olaf Schade. „Unsere Aufklärungsquote liegt bei fast 70 Prozent. Das entspricht einem Plus von rund zehn Prozent.“

Die Polizei hat ihre Zahlen vorgelegt. Nachdem Innenminister Herbert Reul die Statistik für 2017 in ganz NRW bekannt gab, hat nun der Landrat zusammen mit Kriminaloberrat Dirk Happe, Leiter der Direktion Kriminalität, die Zahlen der EN-Kreispolizeibehörde präsentiert.

Ausreißer Hattingen

Bis November verlief das vergangene Jahr im EN-Kreis kriminalistisch gesehen glänzend mit einem Fall-Rückgang von sieben Prozent. „Dann hat uns im Dezember ein Fall die guten Zahlen verhagelt“, so Olaf Schade. Eine Gruppe hatte von Hattingen aus im Internet ihr Unwesen getrieben.

Aktenkundig wurden 3.200 Internet-Betrügereien mit Plagiaten etwa rund um Markenartikel. Die Täter sind geschnappt. Die Ermittlungen laufen von Bochum aus. Aber die 3.200 Delikte trüben die Statistik im EN-Kreis. In den acht Städten ist insgesamt ein leichter Abwärtstrend bei den Straftaten zu verzeichnen, aber Hattingen schießt durch den einen Fall mit plus 77,8 Prozent in die Höhe. Kreisweit ergibt sich dadurch ein Anstieg von 16,4 Prozent (plus 2176 Fälle im Vergleich zum Vorjahr).

Neue Sichtweisen

Mit einer Kriminalitätshäufigkeitszahl von 6.742 pro 100.000 Einwohner liegt der Kreis aber trotz des Hattinger Sonder-Falls deutlich unter der Landesquote. Während Diebstahlsdelikte abnahmen (minus 16,4 Prozent), stiegen die Vermögensdelikte (plus 136,2 Prozent). Obwohl es im vergangenen Jahr nur einen einzigen vollzogenen Tötungsfall gegeben hat, stieg in der Statistik die Zahl der Tötungsdelikte um stramme 350 Prozent.

„Das liegt daran, dass neu definiert wurde, was man unter einem Tötungsdelikt versteht“, erklärt KOR Happe. „Neuerdings sprechen wir davon schon, sobald eine Handlung vorliegt, die rein objektiv geeignet wäre, einen Menschen zu töten – eben auch wenn es nicht so weit kommt. Wir hatten hier in 2017 neun solche Fälle.“

Auch bei sexueller Belästigung greifen Recht und Gesetz neuerdings schneller und härter ein. Das lässt die Zahlen, die nach der vorherigen Betrachtungsweise bei minus 6,3 Prozent gelegen hätten, jetzt aber auf plus 69,5 Prozent hochschnellen.

Hohe Aufklärungsquote

Bei der Straßenkriminalität sind die Fallzahlen um fast zehn Prozent rückläufig. Die Aufklärungsquote liegt bei 25 Prozent, das entspricht einer Zunahme von 7,2 Prozent. Hier tun sich Hattingen, Sprockhövel und Herdecke besonders positiv hervor.

Während die Zahlen beim Raub sinken (minus 12,9 Prozent), steigen sie bei der gefährlichen Körperverletzung (plus 11,1 Prozent). Insgesamt ergab sich bei der Gewaltkriminalität ein Anstieg von 12,6 Prozent. Die 439 Fälle konnten zu 81,6 Prozent aufgeklärt werden.

Körperverletzungsdelikte nehmen weiterhin kontinuierlich zu. Bei der häuslichen Gewalt stiegen die Zahlen zwar leicht auf 357 Fälle mit 189 ausgesprochenen Rückkehrverboten, aber deutlich mehr Betroffene (plus 19,1 Prozent) konnten auch an Beratungsstellen vermittelt werden.

Ein Rückgang von 16,4 Prozent auf 4029 Fälle ist beim Diebstahl zu verzeichnen (NRW: minus 13,5 Prozent).

Einbruchzahlen sinken

„Sehr erfreulich ist der Rückgang bei den Wohnungseinbrüchen“, so der Landrat. Er liegt bei 544 Fällen, das sind 199 (26,8 Prozent) weniger als im Vorjahr. Bei Firmen- und Geschäftseinbrüchen sanken die Zahlen um je rund 20 Prozent.

Noch ein Ausreißer: Dass die Einbruchszahlen in Schwelm um 13,2 Prozent stiegen, ist ein rein statistisches Problem. „Da handelt es sich um Fälle, die schon 2016 begangen, aber erst 2017 geklärt wurden, also auch erst jetzt ins Zahlenwerk einfließen, so Dirk Happe. „Generell bemerken wir, dass Präventiv-Maßnahmen wie die landesweite Aktion ‚Riegel vor‘ greifen. Häuser und Wohnungen werden immer besser gesichert: Ein Einbruchszahlen gingen um sieben Prozent zurück, 51 Prozent der Einbruchsversuche scheiterten ganz.“

Kinder, Jugendliche und Zuwanderer

Leicht steigend sind die Zahlen bei der Kinder- und Jugendkriminalität. Die Beteiligung von Zuwanderern an Straftaten ist dagegen stark rückläufig. An den geklärten Fällen hatten sie einen Anteil von gerade einmal 3,8 Prozent.

Eine Zusammenfassung der Statistik auf der Internetseite der Kreispolizeibehörde Ennepe-Ruhr-Kreis gibt den Bürgern eine kurze Übersicht.